Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1869)
- Date
- 1869-04-13
- Page
- Seite 290 (sequence 6)
- Language
- German
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M unter ihnen zu verbreiten. Aber das israelitische Consistorium von Lyon, sowie das von Brüssel haben nach unserer Meinung ein vortreffliches Beispiel gegeben, indem sie ihre Zusage einsandten. Denn, offen gesprochen, zu was wird denn der Vertreter dieses Consistoriums, welcher der Synode beiwohnen wird, verpflichtet werden? Wenn ihr die Schriften „dieser Verwüster des Feldes Israels, dieser Zerstörer des Judenthums," wie Ihr sie nennt, leset, so werdet Ihr sehen, daß die Theilnahme an der Synode weder Gemeinde, noch Rabbiner, noch sonstige Theilnehmer an Etwas bindet; daß jeder und jedem frei steht, die Entscheidungen, welche getroffen werden, anzunehmen oder zu verwerfen. Es wirv also eine Versammlung von Männern von Talent und Wissenschaft sein, von Männern, welche unserer Religion ergeben sind, die durch ihre Discussionen und Entscheidungen danach streben werden, die Bekenner des Judenthums aufzuklär en. Denn, noch einmal, wo sind die Orthodoxen der Zukunft? Sehet Ihr denn nicht, daß 9/io der Bar-Mizwa nicht ein Wort von der Bibel verstehen? Sehet Ihr nicht, daß die jungen Leute das ganze Jahr nicht in den Tempel kommen? Sehet Ihr nicht, daß das Hebräische und der Talmud das ausschließliche Eigenthum der Rabbiner geworden sind, und daß, wenn dies so fortgeht, in 20 oder 30 Jahren Niemand außer ihnen, noch das Hebräische wird lesen können? Und Ihr wollt nicht, daß man danach strebe, den Religionsunterricht zu befestigen, die Gebete zu mäßigen, einige Ceremonien des Cultus zu ändern, damit die möglich größte Zahl in den Tempel unserer Väter komme? Wisset Ihr denn nicht, daß die Entscheidungen des Sanhedrin von Paris, zur Zeit ihrer Verkündigung, gefährliche Veränderungen zu machen schienen? Jetzt denkt Niemand mehr daran, ihren Werth zu bestreiten! Ihr wollt also unter uns das non po88nmu8 einführen! Wenn die Ultraorthodoxie, welche um kein Iota nachgeben will, nicht einige Concessionen durch die jetzige Generation gemacht sehen will, erlaubte Concessionen, welche in Nichts die Religion selbst berühren, wird auf sie gewiß die Verantwortung fallen, unseren öffentlichen Gottesdienst von der großen Mehrheit unserer Glaubensgenossen verlassen zu sehen. Saget nicht, „daß es einer Synode nicht erlaubt ist, zu vernichten was eine vorhergehende Synode hergestellt hat, wenn sie an Weisheit und an Zahl nicht überlegen ist," denn, abgesehen davon, daß jeder Gelehrte, welcher den Talmud ohne Boruriheil liest, nicht zugeben wird, daß der Talmud keinen Fortschritt erlaube, so ist es sicher, daß wenn man die Worte buchstäblich nimmt, gerade weil die Versammlung zu Cassel nicht in legaler Zahl versammelt war, sie keine Entscheidung treffen wollte und sie an das Judenthum der ganzen Welt appellirte, um nicht allein die vom Talmud verlangte, sondern eine noch höhere Zahl zu erlangen. Man muß auch zugeben, daß unsere Rabbiner , unsere Philosophen, unsere Gelehrten, bei aller Anerkennung des Werthes des Wissens und der Talente ihrer Vorfahren, auch unterrichtete und des Respectes und der Verehrung der Gläubigen werthe Männer sind. Nein, niemals werden die Principien, auf welchen unser religiöser Glaube ruht, in ihrer Basis durch unsere religiösen Führer des jetzigen Jahrhunderts untergraben werden, denn unsere Principien sind ewig, altern niemals und verlieren nie ihre Kraft, welche uns an unsere Religion bindet. Ich bin persönlich von allen gefährlichen Neuerungen weit entfernt, ich habe ausdrücklich gesagt, daß ich dw Phrasen für den Fortschritt, ohne darauf folgende Thaten, nicht liebe, aber ich glaube ebenso conservativ wie diejenigen zu sein, welche sich so betiteln, und ich protestire gegen die Anmaßung eines Titels, der sich den harmlosesten Verbesserungen des Cultus entgegensetzen möchte. Also, noch ein Mal, das Werk der Synode, die man schaffen will, ist kein verdammungswürdiges: nein, es ist nicht erlaubt, von ernsten Leuten zu sagen, welche ihr Leben dem Unterricht, der Haltung, der Befestigung des Judenthums durch ihre Reden, ihre Schriften, ihre Thaten geweiht haben, daß sie Fiasco machen werden. Rabbiner und Consistorien Frankreichs, Philosophen und Gelehrte, israelitische Theologen und überzeugte Männer, sendet eure Zusage zu dieser Synode. Vertheidigt die Religion, sollte sie angegriffen werden — was wir nicht glauben — helfet bei einem Werke, dessen Resultate ein Segen und ein Heil für Israel sein werden." Literarischer Wochenbericht. Prag, im März. I)r. Theod. Krön er, Leitfaden für den Elementarunterricht in der hebr. Sprache. Nach der Sprach-, Schreib- und Lese-Methode, zum Privat-