Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1869)
- Date
- 1869-04-13
- Page
- Seite 289 (sequence 5)
- Language
- German
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M einer vorgeschrittenen Vernunft, nicht widerstehen kann, ist nicht von Gott, das mag fallen und soll fallen und wird und muß fallen." Da sich nach diesem Redner Niemand mehr zum Worte meldete, schloß der Bürgerabend nach einstimmiger Erklärung der überaus zahlreich Versammelten für die Einführung der gemischten Schule. — Wir haben hiermit die Ansichten skizziren wollen, wie sie sich im Allgemeinen über unsere Frage aussprechen. Daß hiermit die Sache nur oberflächlich besprochen ist, erkennt man leicht. Wir wollen nun an die nähere Erwägung gehen. Zur LynodalversammlunH. X. Auch das Echo Danubien vom 23, März giebt eine französische und rumänische Uebersetzung des Einladungsschreibens zur Synvdalversammlung, wie auch bereits die nordamerikanischen Blätter, z. B. das neue Blatt „thc Jewish Times“ von New-Uork, mannigfache Artikel über die Synode enthalten. Man sieht, daß das von der Rabbinerversammlung zu Cassel gewählte Comite seine Schuldigkeit hinsichtlich der Verbreitung des Einladungsschreibens zur Genüge gethan hat. In Frankreich eröffnet sich, wie es scheint, eine lebhafte Polemik über die Synode, und dies kann nur vortheilhaft sein, da hierdurch vielleicht die Theilnahme geweckt wird. Bekanntlich schlummern in Frankreich im Schatten der vom Staate geschaffenen und erhaltenen jüd. Hierarchie alle religiösen Fragen, und viele der französischen Juden thun sich hierauf Etwas zugute. Nun giebt es in Paris eine Monatsschrift, welche sich als „orthodox" gerirt, und die es nun für ihren Beruf hält, gegen die Synode zn donnern, und hierin, wie dies von der „frommen" Seite immer geschieht, bis zur Gemeinheit und zu pöbelhaften Ausdrücken geht. Hiergegen tritt nun das neue Blatt „In presse israelite“ auf, und wir geben hier den von Herrn Benoit Levy verfaßten Artikel wieder, da er gesunde Gedanken enthält und zugleich unseren Lesern einige Streiflichter über die Gegner bietet. „Die sogenannten conservativen Blätter haben, wie es scheint, einen hartnäckigen Krieg gegen die projectirte Synode organisirt und zwar ohne zu untersuchen und zu prüfen. An uns ist die Pflicht, die unrichtigen Behauptungen zu widerlegen, welche den Zweck haben, die gewissenhaften Männer abzuschrecken, gegen welche man Beschimpfung und Tadel schleudert, ohne Vernunft und Verstand, von vornherein, als Gegenpartei. Wenn die Großrabbinen von Paris von Verbefferung des Cultus sprechen, so schweigen diese Conservativen und protestiren nicht; wenn ihnen vorgeworfen wird, daß sie nur sprechen und nichts thun, so erwidern sie wieder nichts; aber wenn andere ehrenwerthe Rabbiner — welche, wie der Rabbiner Philippson seit 33 Jahren das Judenthum in politischer und religiöser Beziehung vertheidigt haben, welche die ganze Bibel übersetzt und einen gelehrten Commentyx dazu geschrieben, der die Doctrinen und Erklärungen ynserer Weisen resumirt, welche die Bibel zu dem niedrigsten Preise im Jntereffe der Masse hergestellt, um gegen die Bibeln aufzukommen, welche aus den Pressen der Bekehrer hervorgehen und von diesen conservativen Blättern angekündigt werden — dann muß der gute Glaube sprechen und darlegen, daß das Nebel groß ist, daß ein Heilmittel nothwendig, daß die Rabbinen, welche ihrer Mission hienieden Ehre machen wollen , Recht haben, sich vereinigen zu wollen und sich über die geeignetsten Mittel zu bcrathen, um den Glauben in den unentschiedenen Herzen zu befestigen, den Einfluß des Judenthums zu stärken, über die Verbesserung des Ceremoniels im Tempel, endlich um den Religionsunterricht in der Jugend und den Familien zu fördern. Wenn wir die That verlangen und nicht Worte, sollten wir da schweigen, wenn man bei uns jeden Wunsch nach Verbefferung zn ersticken sucht, wenn man am Hellen Tage nicht klar sehen will? Und zuerst, habt Ihr den Aufruf der HH. Philippson, Adler und Aub, im Namen der Versammlung zu Caffel auch gelesen? Habt Ihr auch die Debatten dieser Conferenz gelesen, und legt doch den Rabbinen die Worte in den Mund: „Alles was der Herr gesagt, wollen wir unterdrücken und vernichten;" darf man sich Phrasen wie die folgende erlauben, wenn man von Männern spricht, die seit 3» bis 40 Jahren Rabbiner sind, ohne daß selbst der Haß Gelegenheit zuin Tadel gegen sie gefunden hätte: „Sie bereiten zusammen eine Mine vor, um das Judenthum aus der ganzen Welt in die Luft zu sprengen." Es ist wohl natürlich, daß die Alliance isra&ite universelle ablehnt, die Synode zu beschicken, sie ist eine politische Gesellschaft, welche sich damit beschäftigt, unsere verfolgten Brüder zu beschützen und die Bildung