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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-06 · Heft 14 (6.4.1869) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 14 (6.4.1869)
Date
1869-04-06
Page
Seite 282 (sequence 22)
Language
German
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282 lichkeil entgegenkomme. Die Haltung deS Dieners, eines großen, schlanken, braunen Mannes mit acht orientalischen Zügen war seinem Herrn, einem bleichen kleineren sehr lebhaften Manne, gegenüber voller Demuth und hohem Respect. Nicht anders als mit gesenktem Kopfe und über der Brust gekreuzten Armen wagte er es, mit jenem zu reden. Ihre Pässe in einem säubern Portefeuille, vom Consul und Gesandten ausgestellt, waren anscheinend in bester Ordnung; ihr Benehmen bescheiden, mäßig, nobel. Doch sitzen sie augenblicklich in Cassel unter Schloß und Riegel, weil sie sich nicht genügend legitimiren konnten und vermuthlich das eingesammelte Geld für sich behalten haben. Selbstverständlich schaden diese Abenteurer den würdigen und verschämten Armen, und in deren Interesse theile ich Ihnen Obenstehendes mit, es Ihrem Ermessen überlassend, wie und auf welche Weise Sie, hochgeehrter Herr Doctor, davon Gebrauch machen wollen.! Mit Hochachtung rc.j Elise Nordhaus, geb. Benjamin. Eine jüdische Favoritin. (Historische Notiz.) Die türkischen Sultane des 16. Jahrhunderts waren fast sämmtlich große Judenfreunde und hatten Juden unter ihren nächsten Günstlingen. So kann es uns auch nicht Wunder nehmen, wenn wir unter der Regierung Mohammed's III. (1594-1603eine portugisische Jüdin, Esperanza Malchi, als Vertraute der Sultanin-Mutter finden. Die Königin Elisabeth von England hatte in den letzten Jahren ihrer Regierung eine nähere Verbindung init dem Orient — Rußland und der Türkei — angeknüpft. Aus diesem Anlaß schickt nun die Sultanin-Mutter der englischen Königin verschiedene Schmuckgegenstände, und ihre jüdische Favoritin begleitete diese Sendung mit folgendem Briefe, der in alterthümlichem und hispanisirendem Italienisch verfaßt ist.*) „An die erlauchte Königin von England, Frankreich und Irland." „Wie die Sonne mit ihren Strahlen auf die Erde leuchtet, so breiten sich die Tugend und Größe Ew. Majestät über das ganze Universum aus, so sehr, daß selbst die, welche von verschiedenen Nationen und Gesetzen sind, Ew. Majestät zu dienen wünschen. Dies sage ich für mich, die ich, obwohl ich Hebräerin von Gesetz und von anderer Nation als Ew. Majestät bin, doch seit der ersten Stunde, daß es dem Herrn Gott gefiel, unserer erlauchtesten Königin Mutter in das Herz *) H. Ellis, Leiters illuslralive of Knglish History, 1. sei. 2. eü Vol. III (London 1825) pg. 52 ff. ZU legen, sich meiner zu bedienen, immer begierig war, es möchte mir die Gelegenheit gegeben werden, Ew. Majestät diesen meinen Willen darzuthun; außerdem daß Ew. Majestät diesen durchlauchtigen Botschafter in diesem Reiche mit einem Geschenk an diese erlauchteste Königin meine Herrin gesandt hat. Als sie sich meiner bedienen wollte, fand sie mich bereit. Und da nun bei der Abreise jenes durchlauchten Botschafters die erlauchteste Königin Ew. Maj. die Liebe beweisen wollte, die sie für Sie hat, so schickt sie Ew. Maj. mit diesem durchlauchten Botschafter ein Kleid und einen Gürtel und zwei in Gold gewirkte Tücher und drei in Seide gewirkte nach der Mode dieses Reiches und ein Halsband von Perlen und Rubinen; dies alles schickt die erlauchteste Königin dem dnrchlauchten Hrn. Botschafter durch die Hand des Hr. Bostanggi Baschi, und durch meine Hand hat sie dem durchl. Hrn. Botschafter eine Krone von Diamanten von den Kostbarkeiten Ihrer Erlaucht selbst übermittelt, welche, wie sie sagt, es Ew. Maj. gefallen möge, ihr zu Liebe zu tragen und von dem Empfange Anzeige zu machen. Und da Ew. Maj. eine Dame ohne falschen Stolz ist, so möchte ich an Sie das Anliegen richten, daß, da es in Ihrem Reiche feine destillirte Wasser von jeder Art für das Gesicht und duftende Oele für die Hände giebt, es Ew. Maj. gefallen möge, solche durch meine Hand für diese erlauchteste Königin zu schicken. Durch meine Hand, weil, da es Dinge für Damen sind, sie nicht wünscht, daß dieselben durch andere Hände gehen. Ebenso wenn sich in Eurem Reiche Stoffe von Seide oder Wolle, außerordentliche und für eine so große Königin, wie sie ist, paffende Gegenstände fänden, Ew. Maj. ihr dieselben senden möchte, weil ihr dies lieber sein würde, als alle Kostbarkeiten, die Ew. Maj. ihr senden könnten. Ich habe nichts mehr hinzuzufügen, als den Herrn Gott zu bitten, daß er Ihnen Sieg über Ihre Feinde verleihe, und Ew. Maj. stets glücklich und gesegnet sei. Amen. Von Konstantinopel, 16. Nov. 1599. Ew. Majestät ergebenste Esperanza Malchi." vr. M. Ph. Ein Rechtshandel ans dem Jahre 1709. In Lüning's „Der Deutschen Reichs-Cantzley Sechster Theil." S. 987 bis 1038 finden wir eine weitläufige Correspondenz, ausgehend vom Bischof Johann Philipp zu Würzburg über einen interessanten Rechtsfall, welche einen Einblick in die damaligen Verhältnisse gestattet. Ein Jude, Mopses Elckhan zum Vogelfang aus Frankfurt a. M., der um 1700 „Hof-Factor und Hof-Jude" des genannten Bischofs war, hatte zwanzig Jahre früher sich eines Münzvergehens schuldig gemacht, und war, da nach den Reichsgesetzen die Münzvergehen unter die Gerichtsbarkeit des Landes und Ortes gehörten, in welchem

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