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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-06 · Heft 14 (6.4.1869) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 14 (6.4.1869)
Date
1869-04-06
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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A l l g r m e i n e Zeitung dcs Zudcnthums. FeMetüU-Eeilage;» Ar. 14. Leipzig, den 6. April 1869. Betrügerische Spekulationen auf die Wohlthätigkeit. Noch immer ist es ein wunder Fleck für die jüdische Glaubensgenossenschaft, daß aus alter Zeit ein Uebermaß der wandernden Bettler jährlich eine kolossale Summe absorbirt, ohne daß damit den Bettlern selbst eine nachhaltige Abhülfe geleistet würde, da vielmehr der größte Theil des gesammelten Geldes so zu sagen an den Rädern kleben bleibt. Es ist eigenthümlich, daß, während der Jude nur sehr schwer und in der unabwendbarsten Noch sich entschließt, an seinem Wohnorte selbst Almosen zu fordern und zu geben, es ihm wenig kostet, sich in die Ferne zu begeben, und hier Stadt für Stadt abzubetteln. Jndeß dieses Kapitel wollen wir hier nicht weiter erörtern, und nur auf die eine Schattenseite aufmerksam machen, daß, wie es sich voraussetzen läßt, oft die ärgsten Betrügereien auf Kosten der Barmherzigkeit getrieben werden, und daß man daher nicht dringlich genug Vorsteher, Rabbiner, Lehrer und Privaten zu sorgfältiger Prüfung auffordern kann. Als ein Beispiel lassen wir folgendes, uns zugekommene Schreiben hier abdrucken. Paderborn, 14. März 1869. Hochgeehrter Herr Doctvr! Ich weiß nicht, ob die folgende Sache, die ich im Interesse des jüdischen Publikums veröffentlichen möchte, wichtig genug ist, um in Ihrem Blatte, das so hohe Interessen vertritt, eine Stelle zu finden. Es handelt sich nämlich darum, gewisse Schwindler zu entlarven, namentlich einen jungen Mann, der unter dem Namen Marson sich auf eine ganz unerhörte Art Geld zu sammeln versteht. Er giebt sich nämlich für einen aus Flensburg gebürtigen Bildhauer aus, woselbst er vorgiebt, eine arme Mutter zu haben, zu deren Unterhalt er soviel wie möglich beitragen muß. Dabei hat er die Insolenz, Zeugnisse von Kaulbach und Gruppe vorzulegen. Da an der Echtheit derselben hier gezweifelt wurde, schrieb man nach Berlin an den Professor Hagen und erhielt zur Antwort, daß die academischen Zeugnisse nur von Ed. Daege, nie selbst von Gruppe unterzeichnet würden. Dadurch stutzig gemacht, erkundigte ich mich bei dem Herrn Vorsteher Hirsch zu Flensburg, der mir versicherte, daß Niemand des Namens dort gewohnt und daß nie Jemand sich von dort zmn Bildhauer ausgebildet habe. Der weitere Vorwand, zu dem der M. das Geld nöthig haben wollte, war eine Reise nach Paris, in der Absicht, sich dort mit noch zwei andern um den ichel- Beerschen Preis (eine 9monatliche Reise nach Rom) zu bewerben. Sein Sujet sei: „Moses mit dem Stabe Wasser aus dem Felsen lockend." Seine Mit-Coneurrenten mit ähnlichen Sujets hätten sich aber, von der Vorschrift abweichend, zu sehr dem Modernen genähert u. s. w. Alles, was der Marson sagte, lautete so einfach und natürlich, daß er, verbunden mit dem sichern Auftreten und feinen Anzuge eines Mannes commc il faul, für sich bei flüchtiger Bekanntschaft einnahm. Die hiesige Gemeinde, die bei jeder Gelegenheit Talent und Bedürftigkeit unterstützt, hat ihn in den paar Stunden, die er hier war, sehr reichlich versehen und gegen Abend war er auf und davon.*) In ähnlicher Weise speculirten kürzlich zwei armenisch gekleidete Männer, die geläufig portugiesisch, syrisch und namentlich gut französisch sprachen, auf die Gutherzigkeit und resp. Geldbeutel des Publikums und erreichten sie ihren Zweck namentlich durch den Anstrich des Außergewöhnlichen, den sie sich zu geben verstanden. Sie traten als Herr und Diener auf und erschienen zuerst in der Synagoge, wo sie natürlich durch ihr Aeußeres die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Später ging der Diener seinem Herrn voran, um für diesen, der kränklich und sehr eigen sei, einen Mittagstisch zu erbitten, doch nur in einem Hause, wo man französisch spreche und seinem Herrn, dem Rabbiner von Hebron, der für die dortigen, in Folge der Cholera verarmten Familien milde Gaben einsammle, mit der größten Freund- *) Derselbe junge Betrüger trieb vor einigen Jahren sein Unwesen in Bonn und Cb'ln. Daß seine akademischen Zeugnisse völlig gefälscht waren, ergab sich bald; aber der Falscher war verschwunden, che man ihn arretireu konnte. Wir haben jedoch damals eine Warnnng vor ihm in dieser Zeitung veröffentlicht. Die Redaction.

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