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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-06 · Heft 14 (6.4.1869) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 14 (6.4.1869)
Date
1869-04-06
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 Abschrift. Breslau den 5. Febr. 1869. Auf Veranlassung Sr. Excellenz des Ministers Herrn v. Wühler bringen wir in Erinnerung, daß gemäß des Ministerialerlasses vom 6. Mai 1859 den jüdischen Schülern in den höheren öffentlichen Schulen die Dispensation vom Schreiben und Zeichnen am Sonnabend nicht versagt werden darf, wenn die Eltern darum nachsuchen, welche jedoch daraus hinzuweisen sind, daß die Schule keine Verantwortung für die aus derarügen Versäumnissen bei den betreffenden Schülern etwa hervortretenden Folgen übernimmt. An den Director des Magdalenenghmnasiums Herrn vr. Schönborn Wohlgeboren hier. P. 8. C. 427. Somit ist also diese Angelegenheit der Willkühr der einzelnen Directoren entzogen, und es steht jetzt, nachdem bereits der Statutsparagraph über 30 Jahre geblüht hat, den jüdischen Eltern und Erziehern frei, ihre Söhne die Gymnasien und Realschulen hiesiger Stadt besuchen zu lassen, ohne daß ein Gewissenszwang in Betreff des Schreibens und Zeichnens am Sonnabend und an den jüdischen Feiertagen gegen sie ausgeübt werden darf. Karlsruhe, 17. März. In neuerer Zeit ist der Gehalt der israel. Religionslehrer auf 265 fl. erhöht worden; der Borsängerdienst wird besonders bezahlt. Bezüglich des Schlächterdienstes bitten wir die israel. Lehrer, sehr vorsichtig zu sein. Die Gemeinden haben nicht mehr darüber zu verfügen, der Dienst ist vollkommen freigegeben und Jeder darf ihn übernehmen, der vom Rabbiner geprüft ist. In Folge der Bestimmung des §. 8 des neuen Volksschulgesetzes ist nahezu ein Drittheil sämmtlicher israel. Elementarschulen des Landes von der Aufhebung betroffen. Es sind dies bis jetzt die Schulen in: Billigheim, Breiten, Eichtersheim, Feudenheim, Hainstadt, Jhringen, Ladenburg, Pforzheim, Reilingen, Rohrbach, Thiengen, Untergrombach, Walldorf und Worblingen. Die bisherige Volksschule der größten israelitischen Gemeinde Badens, Mannheim, befindet sich nunmehr in gemischter Anstalt. Österreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 26. März. Am 25. d. Nachmittags fanden, wie dem „Vaterland" aus Lemberg telegraphisch gemeldet wird, in Jaroslau gelegentlich des volksthümlichen Gründonnerstags - Umzuges Juden - Excesse statt. Es kamen mehrere Verwundungen vor, das Militär ist eingeschritten. Nach drei Stunden wurde die Ruhe wieder hergestellt. Prpa, im März. (Privatmitth.) Aus der Generalversammlung des hiesigen israelitischen Eötvös- Vereines ist folgende, aus der Feder des vr. Moritz Feitel geflossene Adresse an den hiesigen Wahlcanditaten Se. Hochwürden den Herrn Titularabt und Ministerrath vr. Emerich Szabo erlassen worden. Dieselbe lautet: Hochwürdigster Herr Ministerialrath! Die Mtglieder des hier bestehenden israelitischen Eötvös-Vereines, welche schon in dreien ihrer früher» Versammlungen sich nach reiflicher Besprechung zu den Grundsätzen der Deäkpartei bekannt haben, und dem ungetheilten Wunsch Ausdruck gegeben, daß Euer Hochwürden, als bisheriger ruhmreicher Vertreter der hiesigen Stadt, auch ferner diese hochwichtige Mission zu übernehmen geneigt sein möge, haben in der heutigen Generalversammlung von allen den, in den ersten Tagen dieser Woche die Mehrheit der hiesigen Stadt freudig durchbebten Gefühlen beifällig und bei stimmend Notiz genommen und folgende ihre Ansichten, Wünsche und Hoffnungen Euer Hochwürden gehorsamst zu unterbreiten beschlossen. Der Eötvös-Berein, welcher vermöge seiner Statuten Alles zum Gegenstände seiner Verhandlungen zu machen hat, was dem ungarischen Bürger israelittschen Glaubens, als Bürger eines freien Staates, und Bekenner eines nach innerer Erhöhung strebenden Glaubens von Interesse ist, sieht auch in der gegenwärtigen Wahlbewegung sich zweifach betheiligt. Als zur Fahne Franz Deals, des vaterländischen Heros der Freiheit, sich bekennend, wünscht und hofft er den Ausbau aller jener staatlichen Regelungen, deren tüchtige Fundamente das Werk des letzten Landtages sind — wünscht aber auch die bisher außer Acht gelassene, und daher erst zu begründende Basis für wahre Glaubens¬ und Gewissensfreiheit in unserem Vaterlande. Letztere wünscht er um so dringender, da ohne dieselbe der ganzen staatlichen Existenz die eigentliche Seele — und zwar die der eigentlichen Freiheit fehlt. Für die Mitglieder des hiesigen israelitischen Eötvös-Vereines hat die im letzten Landtage ausgesprochene

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