Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1869)
- Date
- 1869-04-06
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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271 sie thun, wenn sie sich an der Synode nicht beiheiligen! Sie entziehen sich dem großen Ganzen — und dies ist um so unverantwortlicher, als alle geladen, und sie, die Gemeinden, an die Beschlüsse der Synode durchaus nicht gebunden sind. Mögen sie wohl bedenken, daß die Vereinigung stark macht, noch dazu, wenn nichts als die innere Pflicht, der -gute Wille und die Ueberzeugung die Bande sind, welche jene Vereinigung umschließen. Unsere Zeit hat die Obliegenheit, immer von Neuem zu bethätigen, daß nicht die Gewalt und die persönlichen Interessen allein Energie und Thatkraft besitzen und verleihen, sondern auch der Gedanke in seiner freien Bewegung. Zur Synodaloersammlung. IX. Zu den 4& Gemeinden und 2 Consistorien, welche die Synode beschicken werden, haben sich ferner noch gemeldet die Gemeinden: Breslau, Dessau, Ca men, Coswig, Bernburg, Erfurt. Weiteren Meldungen sehen wir entgegen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, im März. Bor Kurzem hatte in der „Neuzeit", einem in Wien erscheinenden Blatte, ein Angriff des, ebenso durch seine tüchtigen Kenntnisse in der jüdischen Bibliographie, wie durch seine Zänkereien mit allen Parteien und Männern bekannten Herrn Kirchheim auf das Institut und auf unsre Person, so weit dieselbe an der Leitung desselben betheiligt ist, gestanden. Wir hielten es für unter unserer und des Instituts Würde darauf zu antworten, noch dazu da der Kern jenes Angriffs sich darauf beschränkte, daß wir nicht — gelehrte Bücher genug vom Institute drucken ließen. Was Männer wie Kirchheim unter „gelehrten" Büchern versteht, weiß man — nicht Werke von wissenschaftlichem Werthe, sondern von — vergangenem Werthe, Werke des Alterthums, von welcher Bedeutung sie auch seien, Spezialitäten, deren Werth zweifelhaft sein mag, wenn nur recht viele Citate darin sind, oder Herr Kirchheim und Consorten recht viele bibliographische Jrrthümer darin Nachweisen können. Nun, wir lassen Jedem sein Privatvergnügen, werden aber niemals zugeben, daß das Institut für 3000 Abonnenten drucken lasse, was kaum 30 goutiren oder benutzen, so wirklich Makulatur schaffe und — seine Abonnenten verliere, d. h. zu Grunde gehe. Glücklicherweise sind unsere Herren Collegen, die DDr. Goldschmidl und Herzfeld ganz derselben Ansicht. Es versteht sich, daß die drei Leiter gute Rathschläge und Anträge stets mit dem größten Vergnügen entgegennehmen, und ihnen volle Berücksichtigung schenken, so weit irgend die Mittel des Instituts ausreichen und der Tendenz des Instituts entsprochen wird. — Statt unser übernahm es ganz aus freier Entschließung Herr Dr. Jellinek in Wien, Herrn K. in demselben Blatte zu erwiedern. Wir danken ihm herzlich dafür; je seltener es leider! gegenwärtig, namentlich im Kreise der jüdischen Gelehrten, ist, daß ein Schriftsteller die Rechtfertigung des Andern führt, desto mehr gereicht es uns und dem Defensor zugleich zur Ehre. Wir dürsten nicht nach Anerkennung, und haben unsern Leser niemals von der Aufopferung und Hingebung unterhalten, welche die Leitung des Instituts erfordert; er kann sie schon durch die Notiz ermessen,' daß im vorigen Jahre 2543 Briefe, das Institut betreffend, einliefen, und 2716 von uns abgingen! Nun die Verhandlungen mit den Autoren, Agenten, Buchdruckern, Papierhändlern, die Versendung, die Rechenschaftsablage bei den Herren, welche die Controle handhaben! Und dies seit 14 Jahren! — Herr Dr. Jellinek kommt hierbei auf unsere „Weltbewegenden Fragen" und sein Urtheil ist uns zu wichtig, als daß wir es hier nicht wiedergeben sollten. Er sagt: „Ich spreche meine persönliche Ueberzeuguug aus, daß dieses Buch eine der bedeutendsten jüdisch-literarischen Erscheinungen in unserer Zeit ist." „Herr Dr. Philippson begreift, daß das Judenthum mit seinen Ideen und Principien in die Arena moderner Geisteskämpfe eintreten muß, um an das, was unsere Zeit in ihren Tiefen mächtig aufregt, den jüdischen Maßstab anzulegen, und dieses Bewußtsein war es sicherlich, das ihn bei der Sammlung und Veröffentlichung der „weltbewegenden Fragen" leitete. Wäre sein Buch in französischer Sprache in Paris erschienen, wo hervorragende französische christliche Schriftsteller, wie Huet z. B., jüdischen Angelegenheiten die regste Aufmerksamkeit schenken, in den jüdischen Geist einzudringen sich bemühen, und die Entwicklung des Judenthums in der Gegenwart mit Eifer verfolgen, so zweifle ich nicht, daß er die tiefste Sensation in den literarischen Kreisen Frankreichs erregt hätte. Die Fragen, welche Herr Dr. Phi-