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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-06 · Heft 14 (6.4.1869) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 14 (6.4.1869)
Date
1869-04-06
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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träger so gut wie wir, und wenn sie dennoch daran beharren und diesem, der Gesellschaft und dem Staate so feindseligen Ausdrucke der clerikalen Grundsätze nicht entsagen, müssen wir voraussetzen, daß sie wohl wissen was sie thun. Sie rechnen dabei auf die Erstarkung der Kirche, auf den Einfluß, den diese auf die Volksklassen aller Schichten übt, auf den Eifer, den fortan alle Glieder des Clerus entwickeln werden, um die Gemüther gefangen zu halten und die Geister den kirchlichen Grundsätzen zuzuwenden, auf die Beherrschung der Schwachen und durch diese der Mittleren und Schwankenden, auf das große Netz der persönlichen Interessen, durch welches eine nicht unbedeutende Zahl selbst der innerlich anders Gesonnenen gefesselt wird. Es kommt der Kirche daher vorzüglich darauf an, alle Glieder des Clerus auf einen bestimmt vorgezeichneten Weg zu bannen, und hierzu muß der Syllabus die Weihe und Autorität der gesummten Kirche erhalten; die Gewissensfreiheit muß beseitigt, die Gleichberechtigung der Confessionen unterdrückt, die Wissenschaft beschränkt, die Kritik vernichtet, die Schule und die Familie unter die Botmäßigkeit der Kirche zurückgebracht, die Preßfreiheit der kirchlichen Censur wieder unterworfen, die Kirchengüter der Geistlichkeit wieder zurückgegeben und diese dadurch vom Staate gänzlich wieder emancipirt werden. Ist die Obmacht des Papstes über die Herrscher und Völker, also über den Staat unwiederbringlich verloren, so soll seine Obmacht im Staate desto nachdrücklicher wieder hergestellt werden. Es kann fein, daß der k. Clerus hierin seine Macht um einige Grade überschätzt; sicher aber ist es, daß die große liberale Partei den Einfluß des Clerus um einige Grade unterschätzt. Der Kampf, der noch nicht aufgehört hat, wird mit erneueter Kraft und unermüdlicher Anstrengung fortgesetzt. In protestantischen Ländern hält man leichtgläubiger Weise diesen Kampf für weit mehr entschieden, als er es in Wirklichkeit ist. Wäre die politische Entwickelung der Staaten bereits weiter vorgeschritten und zu einer völligen Entschiedenheit gekommen, so würde man Recht haben, jenen Kampf für nicht bedrohlich zu halten. Aber so weit sind wir eben noch nicht; die liberalen Institutionen stehen überall auf noch sehr schwachen Füßen und bedürfen zu ihrer Befestigung selbst noch eines beständigen Kampfes; der gegenüberstehenden Elemente, die mit dem Clerus verbunden sind, oder sich verbinden werden, giebt es überall noch viele, die, beim Eintritt politischer Ereignisse auch zu starken werden können, und in der Benutzung der Umstände war der Clerus stets Meister. Wir sind keine Schwarzseher, aber schließen auch nicht gern unsere Augen, wo es gilt, sie offen zu halten; wir sehen sogar den Kampf für nothwendig an, um die Entwickelungskraft lebendig zu erhalten; aber wo Kampf ist, bestehen auch Gefahren, und wer es scheut, diese scharf ins Auge zu fassen, giebt ihnen schon den halben Sieg. — Von welch verschiedener Natur ist nun die jüdische Synode, die beabsichtigt wird, und zu deren Verwirklichung sich bereits so viele Gemeinden und Männer geeinigt haben! Ihr Ursprung liegt durchaus in der freien Vereinigung. Sie soll nicht aus Standesgenossen, sondern aus Rabbinen, Gelehrten und Gemeindevertretern bestehen. Die Betheiligung an ihr ist kein Gebot, sondern der freie Entschluß jedes Einzelnen. Ihre Zusammensetzung ist daher nur durch die Natur der Sache beschränkt. Sie selbst bestimmt die Gegenstände ihrer Berathung, die ihr nur zur Vorlage vorbereitet werden. Ihre Discussion und Beschlußnahme ist eine völlig freie. Ihre Beschlüsse haben keine Gesetzeskraft und beanspruchen diese nicht, sie besitzen allein die Autorität, welche jede Vereinigung in sich trägt, und die zugleich aus der Bedeutung der Mitglieder uud aus der Weisheit der Beschlüsse selbst fließt. Die Gemeinden selbst, welche sich bei dieser Synode vertreten lassen, haben nur eine moralische Verpflichtung, die Beschlußnahme in ernstliche Berücksichtigung zu ziehen. Die Verhandlungen wie die Beschlüsse haben wesentlich den Zweck, den Geist und die religiösen Bedürfnisse der Zeit, auf dem geschichtlichen Boden des Bestehenden zum gemeinsamen Ausdruck zu bringen. So beruht nicht allein die Synode auf der Gewissensfreiheit und bewahrt sie nach jeder Seite hin, sondern sie ist so recht das Erzeugniß derselben. Dem gegenwärtigen Menschen wohnt eine zweifache Richtung ein, die nach der persönlichen Freiheit und die nach der Association, nach der Vereinigung; die eine treibt auch zur anderen hin; die persönliche Freiheit bethätigt sich erst recht in der freien Vereinigung; was die erstere individualisirt, isolirt und auflöst, also an Können und realer Kraft verlustig macht, das giebt die zweite wieder zurück; die persönliche Freiheit ohne Association hat geringe Wirksamkeit, die freie Association eröffnet der persönlichen Freiheit das Feld der Thalkraft und Verwirklichung. Welche ist nun die Aufgabe dieser Synode? Sie will die Errungnisse der menschengeschlechtlichen Ent-

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