Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1869)
- Date
- 1869-04-06
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226705--27053-3262616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
267 lassen wir dies den Gegnern, also den Freunden der Wagnerischen Ausgeburt. — Wir haben oben die Verwirrung angedeutet, in welche gewisse Geister durch die W.'sche Broschüre kommen, denen einerseits die musikalischen und künstlerischen Ketzereien W.'s zuwider sind und die gerade das entgegengesetzte Urtheil über Mendelssohn, Meyerbeer und die Musik überhaupt haben, und welchen andrerseits der Judenhaß so eingefleischt ist, daß sie sich von den Gehässigkeiten, die W. ausspricht, sehr befriedigt fühlen. Was sollen diese anfangen? Verurtheilen sie diese Broschüre, so entgeht ihnen die Freude, ihrem Hasse Luft gemacht zu sehen; loben und anerkennen sie sie, so haben sie ihrem musikalischen Gewissen Unrecht angethan. Ein solches Bild eines hierdurch verworrenen Geistes gab uns in derselben „Neuen freien Presse", welche uns vor Kurzem die vernichtende Kritik der Meistersinger (von Professor Lübecke) und die treffliche Beurtheilung der Wäschen Broschüre von Hanslik brachte, die „Chronik der Woche", datirt Berlin, 22. März, von Hans Wachenhusen. In dem ersten Theile derselben tritt der Verfasser ganz auf die Seite Wagner's, und gefällt sich in einem Farbenspiel des Judenhasses, das wo möglich noch über den Tuschkasten des Herrn Wagner geht und in das Blutrothe und Flammenfarbige überspielt. Er stellt sich, als ob er wirklich an eine Verfolgung W.'s seitens der Juden glaube; er übertreibt die eingebildete Machtsphäre der Juden bis in's Aeußerste. So sehr, daß man bisweilen ebenfalls an eine bloße Ironie denkt. Sollte sich hiermit Herr Wachenhusen und die Redaktion der Neuen fr. Pr. unter Umständen vertheidigen wollen, so müßte man diese, und dazu haben wir von vorn herein kein Recht, für völlig uriheilslos Hallen. Denn Herr Wachenhusen spricht mit einem Ernste und einer Bestimmtheit, welche keine Ironie voraussetzen läßt, und in solchem Falle ist der Einwand der Ironie vergebens, denn die erste Bedingung jeder Ironie ist, daß sie dem Leser als Ironie erscheinen müsse. Wenn nun auch der Berliner Chronikschreiber sich gegen die Wagnerische Musik erhebt, und hofft, daß er zur Zeit der Aufführung der Meistersinger nicht in Berlin sein werde, um seine Nerven nicht zu opfern, da er aus „Tristan und Isolde" mit geschundenen Nerven davongegangen, während er Meyerbeer's „Hugenotten" und „Robert" bewundere und trotz Wagner Heines „Buch der Lieder" verehre — so ist dies nur eine Beschwichtigung seines musikalischen Gewissens, legt aber seinen judengehäffigen Aeußerungen nur um so mehr Gewicht zu. Jedenfalls blickt aus den Aeußerungen Wachenhusen's allzudeutlich hervor, daß, wie bei Wagner der Neid auf die Erfolge der beiden jüdischen Componisten das Motiv seines Judenhasses ist, so auch bei Wachenhusen der Mißwille über die Gunst, die einige jüdische Autoren erfahren haben, eine Hauptrolle spielt, von welchen letzteren freilich Einer allzuoft dem Publikum von seinen pekuniären Errungnissen Kunde geben läßt. Trotzdem glauben wir, Wagner sei so weit gegangen, daß eine Reaktion nicht ausbleiben wird, und hoffen, daß, wenn diese neue Gespensterfurcht eine Zeitlang regiert haben wird, sie sich auf eine weitere Epoche wieder verzehrt haben werde. In Mannheim war dies bereits der Fall und die „Meistersinger" wurden bei ihrer ersten Aufführung gründlich ausgepsiffen. Die jüdische Syrrode und das ökumemjche Concil. Es ist ein eigenthümliches Zusammentreffen, daß diese beiden Versammlungen in einem und demselben Jahre stattfinden sollen, ohne daß eine mit der anderen weder in einem äußeren noch in einem inneren Zusammenhänge steht, und der Gedanke zu der einen nicht im Entferntesten aus dem Gedanken zu der anderen entsprungen ist. Schon seit langer Zeit wurde es in jüdischen Kreisen besprochen, eine Synodalversammlung zu Stande zu bringen, das Bedürfniß, die Nothwendigkeit einer solchen anzuerkennen und den Sinn dafür zu verbreiten. Vor zwei Jahren theilte uns bei einem persönlichen Besuche Herr Dr. Grätz mit, daß in Paris ernstlich daran gedacht werde, daß man dort nur das Gesetz über das Vereins- und Versammlungsrecht abwarten wolle — was jetzt freilich seit vielen Monaten erflossen ist — daß namentlich Herr Prof. A. Franck uns ersuchen lasse, für die Synode durch Leitartikel dieser Zeitung zu wirken, was auch unsrerseits schon im Jahre 1867 geschehen ist. Kaum war im Anfang des vorigen Jahres die Aufforderung zu einer Rabbinerversammlung ergangen, als sich auch die Absicht kundgab, aus derselben eine Synodalversammlung hervorgehen zu lassen. Wir führen dies hier noch einmal an, um von vornherein nachdrücklich zu protestiren, wenn Jemand unsere Synode mit jenem Concil in einen gedanklichen Zusammenhang bringen wollte, oder gar, wie es stets zu geschehen pflegt, die Synode als eine Nachahmung des Concils bezeichnete. Aber jenes Zusammentreffen muß uns doch veran- 14*