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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-06 · Heft 14 (6.4.1869) · p. Seite 266

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 14 (6.4.1869)
Date
1869-04-06
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 befindlich aus, und bald sollen einzelne Stände und Berufsarten von den Juden völlig überfluthet sein. Was nützt es, alle diese Gespenster immer wieder an das Licht des Tages zu ziehen und hiermit sie in ihrer Nichtigkeit zu erweisen, oder den Betrügern das Leichentuch und die Larve abzureißen — das einzelne Gespenst verschwindet, aber die Gespensterfurcht bleibt und ersteht nach kurzer Zeit in einer neuen Fiction. Was läßt sich dagegen thun? Bei der einzelnen Phase muß man die Rückkehr der Vernünftigkeit, der klaren Einsicht in die einfache Wirklichkeit und Wahrheit abwarten und das Mögliche thun, um das Gespenst zu entlarven — aber die in den Seelen nistende Gespensterfurcht läßt sich nicht entwurzeln, so lange auf der einen Seite Haß und Rache sich dieser Furcht immer von Neuem als Mittel für ihre Verfolgungssucht zu bedienen suchen, von der anderen Seite Vorurtheil und Mangel an Selbstvertrauen jenen den Spielraum offen lassen. Ja, dieser Mangel an Selbstvertrauen, an Vertrauen in die eigene Macht und Stärke! Warum haben Engländer und Franzosen diese Judenfurcht niemals gehegt, und spotteten stets über die Argumente, welche man daraus gegen die Juden zog? Warum sind es gerade die Deutschen, die sich wie Kinder von den Ammen diese Gespensterfurcht von den Judenhassern immer wieder einreden lassen? Das deutsche Nationalgefühl hat bereits sich so weit erstarkt, daß es endlich auch inne werden sollte, wie unwürdig es ist, daß eine große und herrliche Nation von 45 Millionen Seelen sich vor einer halben Million zerstreuter Menschen fürchten solle, denen soeben die einschränkendsten Bande abgestreift worden! Hoffen wir, daß endlich an diesem Nationalgefühl die von unseren Feinden immer wieder geweckte Judenfurcht als eitler Gespensterspuk verflattern werde. Unsere neuesten Gegner unterließen es daher nicht, diese Judenfurcht als wirksamstes Mittel in Bewegung zu setzen. Es versteht sich, daß man, um hiermit zu wirken, sehr stark auftragen muß. Deshalb hat der Versuch Mohl's nur geringe Beachtung gefunden, weil am Ende der gelehrte Mann, der mitten in seinen Vorurtheilen nach objectiver Betrachtung strebt, zu abgenutzte und schwächliche Mittel verwandte. Dagegen gelang es Richard Wagner, großes Aufsehen zu erregen, indem er einen ganz neuen Schauplatz für sein Gespenst eröffnete und die dicksten und gröbsten Farben aufzutragen nicht verschmähete. Daß die Musik und die ganze musikalische Welt durch Mendelssohn Bartholdy und Meyerbeer jüdisch geworden, aber auch die jüdische Masse in allen Theatern, Conzert- und Tanzsäälen die unbedingte Herrschaft führe, das war etwas Neues, Unerhörtes, das, noch weiterhin mit dem schärfsten Pfeffer der Judenkarikatur gewürzt, auch dem verwöhntesten Gaumen einen kräftigen Reiz gewähren mußte. Wir unterschätzen den Erfolg Wagners durchaus nicht. Wir konnten voraussetzen, daß eine Menge Gegner erstehen würden, daß namentlich auch die Gegner der Wagnerschen Musik diesen Fehdehandschuh wohl aufheben würden; zum Glück hatte Wagner einen todten Componisten angegriffen, der allgemeine Verehrung besitzt, dabei der offenbaren Wahrheit so sehr ins Gesicht geschlagen, daß das eigentliche llrtheil des Publikums gar nicht beirrt werden konnte. Aber ein anderes ist die Gespensterfurcht d. i. die Judenfurcht und der Judenhaß — diese hat R. W. ins Feld geführt, und wenn ihm nun auch außer seinen blinden Anhängern Jedermann in thesi Unrecht giebt, ihn der Selbstvergötterung, des Größenwahnsinns zeiht, in praxi sind zahllose Gemüther von ihm afficirt, und, daß wir es nur offen sagen, denn die Illusion taugt niemals etwas, zahllose Seelen durch seine Expektorationen über die Juden befriedigt worden. Man sage nicht, das seien kleinliche Seelen. Es giebt in jedem Menschenherzen kleinliche Seiten, und nur äußerst wenige Geister können sich kleinlicher Regungen ganz oder nur bald entschlagen. Sonst hätte ja die Wagnerische Broschüre als ein Produkt des Wahnwitzes spurlos vorübergehen müssen. Wir sind Entgegnungen auf das jüngste schriftstellerische Erzeugniß W.'s bereits vielfach begegnet. Als die beiden besten — die Broschüre des Dr. B. (Breslauer j haben wir noch nicht zu Gesichte bekommen — erschienen uns die Hanslik's in der „Neuen freien Presse", welche kräftig auf das Thatsächliche einging, und die von A. F. (Albert Fränkel) in den „Deutschen Blättern", der Beilage zur „Gartenlaube", welche den sittlichen Standpunkt festhielt, von welchem W.'s Machwerk einen wahren Horror einflößen muß. In der „Köln. Z." versuchte ein vorgeblicher „Verehrer Wagner's" eine ironische Erwiderung, die wohl besser gemeint, als geschickt durchgeführt war. Dahin gehörte auch eine Beurtheilung in dem Feuilleton zur „Berliner Börsenzeitung" vom 21. März. Wir finden es nicht sehr geschickt, die starken Ausdrücke des Judenhasses aus dem Pamphlet W.'s auszuziehen, wiederzugeben und durch die Tagesblätter erst recht ins allgemeine Publikum zu bringen. Ueber-

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