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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-04-06 · Heft 14 (6.4.1869) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 14 (6.4.1869)
Date
1869-04-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 14 33. Jahrqan».?I ( 1 fl C III C t U C Zeitung des Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herallsgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Leipzig, den 6. April. 1869. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einma l Dienstags, in 2 bis 21/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig l Thlr. Inserate werden mit i */2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende . Artikel: Unsere neuesten Gegner. II. — Die jüdische Synode und', das ökumenische Coneil. — Zur ^vynodalversammlung. IX. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. ZeitungsnachrichtenrDeutschland: Berlin,Bonn,Breslau, Karlsruhe. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg, Pupa, Wien. Frankreich: Paris. Belgien: Antwerpen. Schweiz: Lengnau. Feuilleton-Beilage: Betrügerische Spekulation auf die Wohlthätigkeit. — Eine jüdische Favoritin. — Ein Rechtshandel aus dem Jahre 1709. — Correspoudenz. Leitende Artikel. Bonn, 29. März. Unsere neuesten Gegner. II. Es sind nicht blos Kinder, welche man durch Gespensterfurcht schrecken will; es sind nicht allein alte Schlösser und Ruinen, denen die Sage Unheil bringende Erscheinungen anheftet; auch weiß man, daß alle späteren Vernunftsbeweise die Geisterfurcht aus den Seelen, denen sie in der Kindheit eingepflanzt worden, niemals ganz zu verbannen vermögen, und daß alle Entlarvungen plumper oder schlauer Betrüger die Sagen von jenen ominösen Erscheinungen nicht verwischen. Vielmehr geh solche Gespensterfurcht in den verschiedensten Formen auch durch die Geschichte der Menschheit, haftet an dieser, wenn auch ihren Inhalt verändernd und in einzelnen Zeitperioden besonders hervortretend. Erinnern wir uns z. B. der Hexenfurcht, welche Jahrhunderte lang selbst die Rechtspflege beherrschte und die sonst gelehrten und vernünftigen Richter zahllose Scheiterhaufen anzünden ließ. Gedenken wir der Furcht vor den Bassermannischen Gestalten, welche die letzte Zeit der deutschen Nationalversammlung, der Furcht vor dem rothen Gespenst, welche die Jahre 1849 und die folgenden beherrschte, der Kriegsfurcht, durch welche gegenwärtig jeder geschickte Minister seinem Parlamente die außerordentlichsten Opfer zu den umfassendsten Kriegsrüstungen abnöthigt, der Gespensterseherei, von der die Börse unaufhörlich beunruhigt wird. Ganz vorzüglich aber und in wunderlichem Maße besteht seit alter Zeit eine Judenfurcht, welche in den civilisirten Völkern waltet und immer von Neuem von listigen Leuten benutzt und in Scene gesetzt wird. Die Zeit, wo man diese Judenfurcht als Brunnenvergiftung, Hostienentweihung u. s. w. in den Völkern weckte, ist vorüber, aber es sind noch keine drei Jahrzehnte her, daß man sie noch als Kinderraub und Blutsaugerei wieder aufleben machte. Und geschwunden ist sie noch keineswegs. Bald fürchtet man, die Juden würden durch ihre Vermehrung die christliche Bevölkerung verdrängen, wie man dies vor zehn Jahren in Polen und in diesen Tagen wieder in Rumänien statistisch hergerechnet hat, bald daß das Judenthum das Christenthum beseitigen und ein jüdischer Lehrer an einer öffentlichen Schule dieser ihren christlichen Character entziehen werde; bald sieht man alle Macht und Gewalt in den Händen der Juden und schreit mit großem Pathos: man solle nicht die Juden von den Christen, sondern die Christen von den Juden emancipiren; bald giebt man die gesammte Preffe als in den Händen jüdischer Literaten

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