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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-30 · Heft 13 (30.3.1869) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 13 (30.3.1869)
Date
1869-03-30
Page
Seite 253 (sequence 9)
Language
German
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253 wenn die Direktion derselben sich anheischig macht für dieselbe ein besonderes Zimmer herzugeben, und somit einem Male aller Sorgen enthoben zu werden. Dieser Vorschlag scheint aber wenig Anklang gefunden zu haben, und wir gestehen, daß auch wir uns für denselben nicht begeistern können. Denn abgesehen, daß hierdurch die Würde der Gemeinde nicht gewahrt wird, indem sie sich durch ein solches Vergehen gewissermaßen bei Lebzeiten den Todtenschein ausstellen würde, ist er auch unpraktisch. Das Studium wäre auf die wenigen Stunden, während welcher die Universitätsbibliothek geöffnet ist, beschränkt, und diejenigen, welche das Studium des Gesetzes als eine religiöse Pflicht ausüben, könnten von einer solchen Bibliothek gar keinen Gebrauch machen, da sie sich eben so wenig entschließen würden, bloßköpfig und leise zu lernen, als bloßköpfig und leise zu beten. Auch darf die Möglichkeit einer Theilung der Universität in eine czechische und deutsche, wie dies bereits mit der Technik geschehen, nicht aus den Augen gelassen werden. Was aber in diesem Falle das Schicksal der Universitätsbibliothek sein wird, kann niemand im Voraus bestimmen. Der Hauptgrund aber, warum wir uns mit dem Vorschläge des H. Prof. Wessely nicht befreunden können, ist, weil wir noch nicht die Hoffnung aufgegeben, daß in Prag ein Rabbinerseminar errichtet werden wird, und in einem Seminar wird sich schon ein Plätzchen für eine Bibliothek finden. So mögen denn die Folianten, wenn es dem Vorstande so beliebt, bis dahin in Frieden schlummern.*) S . . . k. Krakau, im Januar. (Privatmitth.) Mit einer ganzen Reihe von Nachrichten über das Leben und Treiben der hiesigen Gemeinde im Rückstände, will ich es versuchen, meiner Pflicht mich wenigstens theilweise zu entledigen. In der hiesigen Groß - Gemeinde sind zwei wichtige Reformen vor sich gegangen, die einen mehrjährigen Kampf kosteten. Man sieht, daß trotz der eifrigen Bestrebungen einer gewissen Reactionspartei, alles beim alten zu lassen, das Rad der Zeit langsam vorwärts rollt, und ein Bollwerk jener Partei nach dem andern zerstört. Wir sind zwar keine Opti¬ *) In diesem Falle wird der Schlummer ein sehr langer sein, fürchten wir. Redact. misten, denn wir kennen leider aus eigener Anschauung die Lage Galiziens zu gut, um uns einer Täuschung hinzugeben. Es wimmelt überall von Chassidismus, und die Rabbis treiben ihr Unwesen in zu greller Weise. Aber trotzdem bricht sich der Fortschritt langsam Bahn. Jeder nur irgend besser gestellte Mann läßt seine Kinder in den Elementargegenständen unterrichten. Die Toleranz gegen Andersdenkende gewinnt an Boden, und der Geist der Zeit wirft so manche Strahlen in die Ghettis, daß man darüber nur erstaunen muß. Was uns fehlt, ist was wir bereits mehrmals in dieser Zeitung sagten: große Männer, die an der Spitze stehen sollen, und kein Opfer scheuen mögen, um für das Wohl ihrer Glaubensgenossen einzustehen. Bekanntlich hat auch Galizien einen Landesmassa-Fond, der zu Schulzwecken bestimmt ist. Vor einigen Jahren sind Vertrauensmänner berufen worden. Seit dieser Zeit hört man nichts davon, und die Sache scheint eingeschlafen zu sein. Wen anders trifft der Vorwurf als die Notabilitäten in Lemberg, welche so einen eclatanten Jndifferentismus an den Tag legen. Möchten doch die Herren bedenken, daß die Provinzialbewohner gebundene Hände haben und ihre Blicke nach Lemberg richten. Gute Volksschulen, VolkSschriften und Handwerkervereine, das wären die besten Mittel, dem Chassidismus zu steuern. Wir haben ein wenig zu weit ausgeholt und müssen nun zu unserer Sache zurückkehren. Die erste Reform betrifft die Fixirung eines für die hiesigen Verhältnisse ziemlich anständigen Gehaltes für 4 Dajanim, von denen der erste, gegenwärtig der rühmlichst bekannte Herr Abraham Jener, 500 fl. und die anderen 3 je 300 fl. jährlich erhalten. Diese Herren haben bis nun förmlich gedarbt, und kostet die Gehaltserhöhung, wie bereits oben gesagt, einen mehrjährigen Kampf. Der Beschluß ging nicht von der sogenannten orthodoxen Partei aus, da der Rabbiner dagegen war, sondern <hört!) von der meist aus Reformern zusammengesetzten stadträthlichen Abtheilung. Alle Bessergesinnten in der Gemeinde haben diesen Beschluß mit Freuden entgegen genommen. Als Consequenz dieses Beschlusses wurde den Schlächtern ihr bisher inne gehabtes Privilegium: die Einnahmen direct von den Fleischern zu erheben, entzogen und ihnen wie überall die Stellung eines Dieners der Gemeinde angewiesen. — Der Prediger Dankiewicz hält seit dem Beginne des Winterkurscs für die Jugend beiderlei Geschlechtes populäre Vorträge 13

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