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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-30 · Heft 13 (30.3.1869) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 13 (30.3.1869)
Date
1869-03-30
Page
Seite 252 (sequence 8)
Language
German
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252 anderweitiges Wissen in sich vereinigt, sich mit jedem Tage fühlbarer macht. Durch einen in den letzten Tagen vorgekommenen Fall wird wohl auch die Repräsentanz zu der Erkenntniß gelangt sein, daß dieser Posten sobald als möglich besetzt werden muß. An hierzu befähigten Persönlichkeiten fehlt es wahrlich nicht. Mehr aber als alles andere ist die Talmud-Thora geeignet, zu zeigen, wie vieles faul nicht in Dänemark, sondern in der Prager jüdischen Genreinde ist. Allein der Raum dieses geschätzten Blattes gestattet uns nicht, uns des Brettern über dieses Institut auszulassen, und wir beschränken uns darauf, einige Mittheilungen über die mit demselben verbundene Gemeindebibliothek zu machen. Diese umfaßt die Büchersammlungen von Jeiteles, Landau, Jerusalem, Wehli und Rappoport, und sollte nach deren letztem Willen dem öffentlichen Gebrauche übergeben werden. Die Repräsentanz aber hält dieselbe seit länger als Jahr und Tag hinter Schloß und Riegel in Kisten verpackt, weil in Prag kein Local zu finden ist, welches zu einer Bibliothek geeignet wäre. Dieses Verfahren der Repräsentanz ist um so unverantwortlicher und unbegreiflicher, wenn man bedenkt, daß an der von der Gemeinde erhaltenen Talmud-Thoraschule eine Klasse besteht, in welcher der „höhere" Talmud gelehrt wird. Nun weiß Jeder, daß derartige talmudische Vorträge für die Hörer nur dann von Nutzen sind, wenn sie sich vorher mit dem Gegenstand bekannt gemacht haben, was aber den Besuchern dieser Klasse aus Mangel an den nöthigen Büchern nicht möglich ist. Im Gemeiudebudget für 1869 sind zwar für die Bibliothek 500 fl. ö. W. präliminirt worden, aber außer der Repräsentanz weiß kein Mensch — möglich sie selber nicht — wie diese zur Verwendung kommen sollen. In demselben sind auch 600 fl. ö. W. für einen Oberrabbiner präliminirt. Bekanntlich heißt es, daß Ziffern deutlich sprechen, nun diese Ziffer spricht deutlich, daß die Repräsentanz bei Fixirung derselben keineswegs gesonnen war noch in diesem Jahre einen Oberrabbiner aufzunehmen. Wäre es nicht viel besser, beide Summen für die Bibliothek zu verwenden und dadurch wenigstens diese ihrer Bestimmung zuzuführen? Die Repräsentanz würde sich viele zum Danke verpflichten und ein Verdienst um die Wissenschaft verschaffen. In der Neushnagoge hat Parscheth Skalim Herr vr. Tauber seine Antrittsrede gehalten. Die Gemeinde dieser Synagoge kann sich zu dieser Akquisition gratuliren. S . .. k. Prag, 19. Januar. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde, in welcher sich einst die größte jüdische Bibliothek befand, die aber aus bekannten und den Juden keineswegs zur Ehre gereichenden Händen nach Oxford gekommen ist — ist durch das Vermächtniß mehrer gelehrten und frommen Männer in den Besitz einer bedeutenden Bibliothek gekommen. Diese umfaßt nämlich bis jetzt die Büchersammlungen von Jeiteles, Landau, Jerusalem, Wehli und Rappoport. Nun sollte man glauben, der Vorstand der Gemeinde habe sofort die nöthigen Schritte gethan, um die Bibliothek, in deren Besitz er auf so leichte und unverschuldete Weise gekommen ist, ihrem Zwecke, d. i. sie dem öffentlichen Gebrauche zu übergeben, zuzuführen. Aber weit gefehlt, die Erwählten der Gemeinde sind ganz anderer Meinung. Diese halten es für unstatthaft das Gemeindebudget wegen einer solchen Kleinigkeit, wie eine jüdische Bibliothek es ist, um 1000 fl. ö. W. — was beiläufig die Aufnahme eines Locales und eines Custos kosten würde — zu vergrößern, besonders, sagen sie, wenn man in Erwägung zieht, daß die Bibliothek nur von Fremden benutzt wird. Und so sitzen sie am grünen Tische rathlos da, und wissen nicht, was sie mit dem überkommenen Vermächtniß änfangen sollen — die frommen Männer haben es wahrscheinlich im Jenseits zu büßen, daß sie in der letzten Lebensstunde dem Vorstande eine solche Verlegenheit bereitet haben — und die Bibliothek bleibt für die nächste Zeit in Kisten verschlagen. Wir zweifeln, ob der Vorstand bedacht hat, daß er der Gemeinde hiedurch ein testameutum paupertatis ausgestellt, gegen welches, wenn es von einer anderen Seite ausgegangen wäre, er sich strengstens verwahren würde. Auch denken wir von der Gemeinde besser als ihr eigener Vorstand, und glauben, daß in derselben sich viele, die von einer ordentlichen und geordneten Bibliothek Gebrauch machen, treffen würden. Herr Prof. Wessely, der ein Mitglied der Repräsentanz ist und den Werth einer Bibliothek an besten zu schätzen weiß, wahrscheinlich aber mit seiner Ansicht nicht durchgedrungen ist, hat wohl eingesehen, daß ein längeres derartiges Verfahren einer großen Gemeinde nicht würdig ist und daß es keinenfalls in den Intentionen der frommen Männer lag, daß ihre Bibliocheken mit ihnen eingesargt werden sollen, als sie dieselben der Gemeinde vermachten, und daher den Vorschlag gemacht, die Bibliothek in Bausch und Bogen der k. k. Universitätsbibliothek einzuverleiben,

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