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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-30 · Heft 13 (30.3.1869) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 13 (30.3.1869)
Date
1869-03-30
Page
Seite 251 (sequence 7)
Language
German
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dankte nun der auf einem mit Blumen, Guirlanden und seinem Namenszuge geschmückten Katheder stehende Jubilar allen seinen Gönnern und Freunden, Collegcn und Zöglingen, und die schöne Feier schloß daraus, wie sie angefangen, mit einem feierlichen Gesang der Schuljugend, unter Leitung unseres ersten Cantors und Gesanglehrers, Hrn. Grünwald. Zwei Tage später wurde zu Ehren des Jubilars ein Festmahl veranstaltet, an welchem ca. 60 Personen — worunter Vorgesetzte, College» (ohne Unterschied der Confessio«), Freunde und ehemalige Schüler des Hrn. Cohn vertreten waren — sich betheiligten. Gleichzeitig sei erwähnt, daß durch die Bemühungen des Rectors Huch, unterstützt vom Rabb. Dr. Joel, im vorigen Jahre ein jüd. Frauenverein ins Leben irat, der die Bekleidung armer Schulkinder zum Zwecke hat. Theils durch regelmäßige Beiträge, theils durch Verlosung eingehender Geschenke wird es dem Vereine möglich, jedes Jahr stimmt liche arme Schulkinder beiderlei Geschlechts vollständig zu bekleiden. Ja, der 12. Paragraph der Statuten, der da besagt, daß bei ausreichenden Mitteln die Wohlthat auch auf andere Confessionen ausgedehnt werden solle, fand schon in diesem Jahre insofern seine Verwirklichung, als eine Anzahl christlicher Schulkinder zu Anfang dieses Winters aus Vereinsmittcln bekleidet worden ist. Oefterreichischer Kaiserftaat. Prag, Ende Febr. (Privatmitth.) Die Einladung zur Synodalversammlung hat hier in maßgebenden Kreisen nicht diejenige Aufnahme gefunden, welche auf eine Beschickung von Seiten der hiesigen Gemeinde hoffen ließe. Der Grund hiervon ist aber nicht, daß man etwa die Nothwendigkeit einer solchen Versammlung nicht einzusehen vermöchte, sondern liegt in der Natur der Zustände der hiesigen Gemeinde oder vielmehr Gemeinden. In der That giebt es hier so viele autonome Gemeinden als Synagogen und Betstuben. Jede derselben nimmt sich nach eigenem Belieben ihre Rabbiner oder Prediger, führt nach eigenein Ermessen zeitgemäße Reformen ein oder behält die alten aus des Golems Zeiten herstammenden Mißbräuche bei. So kam es, daß es gegenwärtig hier 7 Rabbiner und Prediger giebt, und daß fast alle mit der Zeit entstandenen Richtungen im Judenthume hier vertreten sind. In zwei Synagogen, Tempel und Meiselshnagogch sind Orgel und Choralgesang eingeführt, in zwei andern Choralgesang allein, in einer ist mit der Aufnahme eines neuorthodoxen Predigerleins blos das Almemor nach oben gerückt worden, und in mehreren anderen werden sogar noch all majnrem Dei gloriam die Mizwoth laut licitirt. Diese Mizwothlicitation, welche keineswegs dazu beiträgt, den Gottesdienst zu heben und zu veredeln, sollte wenigstens in der Altneusynagoge, welche oft von hervorragenden Persönlichkeiten anderer Confessionen auch während des Gottesdienstes besucht wird, abgeschafft werden. Man sieht, daß hier Jedem die Gelegenheit geboten ist, nach einer ihm beliebigen Faxon selig zu werden, uttb es ist nicht zu leugnen, daß dies viel zur Erhaltunng des Friedens beitragt. Es darf aber auch nicht übersehen werden, daß durch eine solche Zersplitterung der Kräfte die Prager Gemeinde viel von ihrem früheren Ansehn und Einfluß nach außen eingebüßt hat, und daß die Institutionen der Gesammtgemeinde unter sothanen -Verhältnissen leiden müssen. Die Mitglieder jeder einzelnen Synagoge denken zunächst an ihre Synagoge, und in zweiter Reihe kommen erst die Interessen der Gesammtgemeinde. Jeder noch so kurze Zeit sich hier Aufhaltende macht die Wahrnehmung, daß, während man sich im Allgemeinen für die Angelegenheit der einzelnen Synagogen sehr lebhaft interessirt, den Angelegenheiten der Gesammtgemeinde gegenüber ein Jndifferentismus herrscht, wie vielleicht in keiner zweiten Gemeinde mehr. Es wäre daher die Pflicht der Repräsentanz der Gesammtgemcindc, den in ihren Ressort gehörigen Angelegenheiten ihre volle Aufmerksamkeit zuzuwenden, und dies um so mehr, als sie nicht, wie Vorstände anderer Gemeinden, mit Gitter, Piutim, Slichoth und wie sonst diese Fragen alle heißen mögen, molestirt wird. Allein viele der Herren, welche im Rathhause der Josefstadt am grünen Tische sitzen, scheinen ihren Sitz blos als Piedestal zu betrachten, um weiter nach oben zu steigen. Vom jüdischen Rathhaus ist eine kurze Strecke nach dem städtischen Rathhaus, und von da führt ein geebneter Weg in den böhmischen Landtag. Denn nur so ist es erklärlich, daß die Auflösung der Josefftädter Haupt- und Unterrealschule nahe bevorsteht — der zwar Niemand eine Thräne weihen wird, aber schlimm genug, daß es so ist —, daß die seit anderthalb Jahren erledigte Oberrabbinerstelle nicht besetzt wird, trotzdem der Mangel eines Oberrabbiners, der talmudisches und

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