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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-30 · Heft 13 (30.3.1869) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 13 (30.3.1869)
Date
1869-03-30
Page
Seite 250 (sequence 6)
Language
German
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250 führt. Im Jahre 1848 übernahm Herz die Stelle des Proscktors und theilte sich mit dem damaligen, schon erkrankten Prof. Dr. Flcischmann in die Vorlesungen über specielle Anatomie. Gleichzeitig begann er Vorlesungen über chirurgische Anatomie, welche damals nur an einigen der größten deutschen Universitäten gehalten wurden, und zwar mit einer Meisterschaft, daß ihn selbst Specialfachgenossen als die erste Autorität Deutschlands anerkennen. Mit dem Nachfolger Fleischmann's, dem Histologen Gerlach, theilte er sich wieder in den Unterricht der Anatomie, und dem Zusammenwirken dieser beiden Männer ist es zu verdanken gewesen, daß die Erlanger medicinische Facultät so viele Hörer gerade in den ersten Jahren des Fachstudiums aufzuweiscn hat. 1854 wurde bei eingetretener Vacatur der Direction der chirurgischen Klinik Herz primo loco dieser Stelle würdig erachtet; der Grund, daß er sie nicht erhielt, konnte bei den damals maßgebenden politischen Anschauuungen der Regierung nur in den confessionellen Verhältnissen liegen, wie es ja sogar auch noch vor wenigen Jahren große Schwierigkeit hatte, bis Herz nach Senatsvorschlag eine außerordentliche Professur bekam. Allgemein wurde erwartet, daß bei der im April 67 eingetretenen Erledigung der Professur der chirurgischen Klinik diese nun bebestimmt Herz übertragen würde, es war daher, als von Seite der medicinischen Facultät ein andrer Vorschlag geschah, auch die Ueberraschung eine allgemeine, sogar in Universitats kreisen. Es hatte sich dies damals auch in der Presse kundgegeben, denn die Zeit war reif genug, alte Zöpfe abznschneiden. Doch das Verdienst bricht sich Bahn. Herz gewann täglich mehr Zutrauen, sein eminentes ärztliches Talent, seine Unermüdlichkeit bei Tag und Nacht, seine Humanität und Uneigennutz nid;t allein, daß er von Unbemittelten kein Honorar nimmt (et* unterstützt vielmehr die aus Nah und Fern bei ihm Rath und Hilfe Suchenden auf das Hochherzigstes, vcranlaßte den Magistrat und das Gemeindccollegium Erlangen zn dem beide Theile gleich ehrenden, im April 67 einstimmig gefaßten Beschlüsse, daß Herz zum Ehrenbürger der Stadt ernannt und allerhöchst bestätigt wurde, nachdem ihn einige Tage vorher der König von Bayern mit dem Verdienstorden des hl. Michael 1. Classe decorirt hatte. Und jetzt, nach 29jähriger segensreicher Wirksamkeit erfolgte endlich seine Ernennung zum ordentlichen Prosessor der Mediciu an der Universität Erlangen. Diese Beförderung hat somit als ein Zeichen liberaler Anschauungen in den bestimmenden Kreisen und als ein Schritt zur Verwirklichung des in der Verfassung verbürgten Grundsatzes von der Gleichberechtigung aller Confessionen eine nicht zu unterschätzende, principielle Bedeutung, und ersticht hieraus die tröstliche Ucberzeugung, daß unsre Gegner doch schon weit von Positionen zurückgewichen sind, die sie vor kurzer Zeit für uneinnehmbar erklärten. Nur noch wenige Schritte — und das Kampffeld ist geräumt?» Sigmund Henmann. Krotoschin, 15. Januar. lPrivatmitth.) Je seltener von Seiten der Gemeinden Handlungen der Anerkennung gegen ihre Lehrer gemeldet werden können, um so mehr verdient jede Ausnahme in Ihrem gcscb. Bl. eine Stelle zu finden. Vor Kurzem feierte dir hiesige jüd. Gemeinde das 25jährigc Amtsjuöilämu eines ihrer Lehrer, des Hrn. Marcus Cohn, und zwar zunächst durch eine würdige Schulfeier, bei welcher dir Vorgesetzten des Jubilars — Hr. Pastor Füllkrug als Schuliuspector und Hr. Bürgermeister Rhode als Vorsitzender des Schulvorstandes — in herzlichen Worten ihre Anerkennung gegen den Lehrer ausgesprochen, der nun schon ein Vierteljahrhundert „zur zeitlichen und ewigen Wohlfahrt der Jugend" berusstreu an dieser Anstalt wirke. Nachdem dann auch Hr. Rabbiner Dr. Joel Namens der jüdischen Gemeinde dankend hervor hob, wie der Jubilar gerade für die heiligen Urkunden der Religion, die Schriften der Bibel und der hebräischen Literatur, stets eine besondere Vorliebe gezeigt, überreichte ihm der Corporationsvorsteher Hr. Louis Bendix, unter einer kurzen aber innigen Ansprache, einen kostbaren silbernen Pokal im Namen der Gemeinde. Hierauf richtete der Rector der Schule, Hr. Huth, schöne Worte der Anerkennung an den Jubilar und überreichte ihin Seitens der Lehrerschaft eine sehr geschmackvoll . gearbeitete silberne Dose. Es traten dann nach einander ein Schüler und eine Schülerin der ersten Classe auf, Worte des herzlichsten Danlcs an ihren Lehrer richtend, und demselben das Geschenk der Schuljugend, bestehend in einem sehr schönen nur bequemen Lehnsessel, präsentirend. Gertihrten Herzens ^Berichtigung. In meiner Statistik in Nr. 6. muß es heißen: Fürth hat über 3000 jüd. Seelen, statt über 300.

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