Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1869)
- Date
- 1869-03-30
- Page
- Seite 249 (sequence 5)
- Language
- German
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849 tet zur sorgenfreieren Betreibung ihrer Studien zu verschaffen; und für die Ausbildung Mischer Religionslchrer Sorge zu tragen. Ein Jeder wird sofort einseheu, daß durch die Abführung dieser beiden Aufgaben zwei gewaltig große Mängel beseitigt werden, die bis jetzt um so stärker hervorgetreten sind, als einerseits dem unbemittelten jüdischen Studenten nur äußerst wenig Universitätsbeneficien zugänglich sind und die geringen Privatunterstützungen nicht genügen können, andererseits gerade in unserer Provinz der Mangel an zeitgemäßen Lehrkräften eine Lebensfrage geworden ist. — Es ist wohl zu erwarten, daß dieser Verein «nt dem hohen Ziele, das er sich gesteckt, bei der regeu Betheiligung unserer Glaubensgenossen «ich unter der Leitung solcher Männer, wie sie gegenwärtig an der Spitze desselben stehen, Ersprießliches leisten wird. Schließlich will ich «och bemerkm, daß die Gründung des Vereins durch Herrn Rabbiner vr. Bamberger und durch Herrn vr. Laser Hierselbst angeregt und durch die rege Betheiligung von Männern, wie Professor vr. H. Jacobson, Medicinalrath vr. Pincus, Geheimer Commerzienrath Moritz Simon Hierselbst, Redakteur Silbermann in Lhck, Commerzienrath Goldschmidt und Stadtrath vr. Hirsch in Danzig, Rechtsanwalt und Notar Werner in Mohrungen u. a. m. schnell zu Stande gekommen ist. F. Fürth, im Februar. Die rasche und energische Weise, in welcher gegenwärtig in Oesterreich zur Verwirklichung der dem Staatsgrundgesetze einverleibten Grundrechte vorgegangen, und ihnen eine gesetzliche Festigkeit gegeben wird, welche selbst spätem Reaktionen kaum zu überwindende Hindernisse schaffen muß, sowie die Verhältnisse und Besserstellungen in mehreren deutschen Staaten, macht es uns jurn Bedürfnis einmal daH Princip in nähere Betrachtung zu ziehen, welche in Bayern in konfessioneller Beziehung gehandhabt wird. Die bayrische Verfassung erkennt das Princip der Gleichberechtigung an, erklärt alle Bayern vor dem Gesetze gleich, alle bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten von dem Glaubensbekenntnisse unabhängig. Mit der Ausführung dieses Prineips verhält eS sich jedoch anders, da bis jetzt die bayrischen Juden von allen Staatslehranstalten und Staatsämtern ausgeschlossen waren, so daß ihnen nur die Kewerbefreiheit und Freizügigkeit gewährt war. Wir hegten schon lange die Hoffnung nick Ueberzeugung, daß das gegenwärtige Ministerium diese Frage einer gewissenhaften Prüfung unterwerfen und dieselbe so zum Abschluffe bringen werde, wie es de« BeftimMmgen der Verfassung entsprechend und dem Geiste der Zeit würdig ist. Unsres Wissens habe« bis heute die jüdischen Candidateu, deren eS ziemlich viele gibt, noch nicht das Recht erhalte«, Zutritt zu den Richterstellen zu erlangen, dagegen ließ ma« sie im Schulfache eher zu. I» jüngster Zeit erst konnten wir den Triumph des Rechtes in der Anstellung des sowohl als Pädagogen sowie durch Herausgabe mehrerer Werke, wie des Deutschen Handels- und Wechselrechtes, der Deutschen Sprache re. auch in weitern Kreise« rühmlichst bekannten vr. Brentano als kgl. Rector der hiesigen Gewerb- und Handelsschule erkennen, welcher inzwischen als Director an die «eu errichtete städtische Handelsschule in München berufen wurde. Sein Nachfolger als Lehrer der Handelswissenschaft ist Herr Silberschmidt, ebenfalls ein Jsraelite. Soeben 'lesen wir auch von einigen Anstellungen von Jude« im Medicinalwesen und zwar die Ernennung des vr. Joieph Engelmann als Vorstand und Oberarzt der Kreisirrenanstalt von Oberfranken, und die -noch bedeutungsvollere des vr. Jacob Herz zum ordentlichen Professor der Mediein an der Universität Erlangen. Für unsre Glaubensgenossen ist das bisherige Leben dieses in unsrer nächsten Mhe wohnenden Mannes, über dessen langjährige, wahrhaft segensreiche Thätigkeit, über dessen Bedeutug und -uneigennütziges Wirken nur eine Stimme herrscht, von zu hohem Interesse, als daß wir nicht die wichtigsten Momente in diesem Archive des Zudenthums niederlegen sollten. Unter den vielen Männern an der Universität Erlangen sehen wir uns vergebens nach einem verdienteren um. Vom Jahre 1840 an gehört Herz dem Lehrkörper der Universität an, zuerst 8 Jahre lang unter mehrfach wechselnder und zeitweilig vacanter Direction der chirurgischen Klinik als Assistenzarzt dieser; die in diese Zeit fallenden Kanal- Eisenbahn- und Tunnel-Bauten lieferten der chirurgischen Klinik ein reiches Material, und bei seiner eminenten Strebsamkeit und Thatkraft, gepaart mit einer seltenen Humanität, Aufopferung und UneWUnützigkeit, gelangte Herz frühzeitig zu dem Ruse nicht nur eines Chirurgen, sondern eines Arztes überhaupt, der auch über Deutschlands Grenzen drang und Kranke in großer Zahl von Nah und Fern hierher führte und