Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1869)
- Date
- 1869-03-30
- Page
- Seite 247 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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247 Schumann, Marschner bis auf Lortzing und Flotow? Gab es keinen Rossini, Spvntini, Donizetti, Bellini, Verdi? Gab es keinen Boildieu, Auber, Adam u. s. w.? Haben alle diese keinen Platz in der musikalischen Welt, keinen Raum auf dem Theater eingenommen, keinen Character, keine bestimmende Geltung gehabt? Haben sie wirklich nur als unscheinbare Planeten die beiden Juden begleitet, die allein als Sonnen am musikalischen Firmament der ganzen civilisirten Welt leuchteten, und Tag und Nacht bewirkten? Man sieht, diese Fraubasereien des Herrn Richard Wagner, die neuere Musik als allein von den Juden gestaltet und beherrscht darzustellen und ein „Judenthum" in der Musik" zu schaffen, sinken vor dem einfachsten Lichtstrahl der Wahrheit und Wirklichkeit in Nichts zusammen. Noch weniger fühlen wir uns angeregt, die Juden, die modernen, die gebildeten Juden gegen die Carrikaturzeichnungen des Herrn R. W. zu vertheidigen, diese zu widerlegen und ihre Nichtigkeit, ihre Verlogenheit nachzuweisen. Nur die eine Frage wollen wir erheben: wie ist es möglich, daß diese verkrüppelten, verkommenen, Herz- und schwunglosen, impotenten Menschen, diese verächtlichen Carrikaturen die allgemeine Herrschaft auf allen Gebieten des Lebens und der Kunst erlangen konnten, welche ihnen R. W. zuschreibt? Ferner: wirft er hiermit nicht eine wahre Schmach, die ärgste Beschimpfung statt auf die Juden, erst recht auf alle Völker der civilisirten Welt? Wenn die Juden eine solche despotische Herrschaft besitzen und ausüben, wenn sie dabei solche Mißgeburten sind, wie W. sie schildert — was. müssen das für Nationen sein, die sich bei ihnen in die Knechtschaft begeben, die ihnen das Scepter in die Hand drücken und den Purpurmantel um die Schultern werfen? Was muß dies für eine germanische und für eine lateinische Race sein, welche sich vor diesen zerstreuten , vereinzelten, verachteten, gehaßten Abkömmlingen eines veralteten semitischen Stämmchens in den Staub werfen, ihre größten Genien wie Wagner, Liszt u. s. w. verdrängen lassen, und jenen überall den Vortritt und die Mittel bieten, um sie zu Selaven ihrer Ohnmacht zu machen? Nein! Richard Wagner hat nicht die Juden beschimpft, er hat die gesammte christliche Welt gebrandmarkt! Seine Hand, die ein vergiftetes Schwert zu führen vermeinte, hat dies nicht in das Herz der Juden, sondern in das der christlichen Welt gesenkt — doch nein, nicht gesenkt, sondern senken wollen! Aber da der Wille des Herrn W. ein vernunftloser, nur von niedrigen Leidenschaften beherrschter war, so vermochte sein Wille nicht einmal die Haut zu ritzen, sondern nur — das Zwerchfell zu erschüttern. Enden wir. Richard Wagner hat sich selbst den größten Schaden, und den Juden einen großen Nutzen bereitet. Sich selbst einen großen Schaden, denn er hat in Haupt- und Nebenzügen so viel Niedrigkeit seiner Gesinnung und seines Charakters aufgedeckt, daß mit Recht ein Kritiker den Schluß zieht: R. W. hat uns den Schlüssel zu seinen Mißerfolgen gegeben, aus solcher Seele konnte nichts Großes und nichts Bedeutendes erstehen. Den Juden aber einen großen Nutzen, denn nach der Uebertreibung von der Bedeutung oder der vorgeschätzten Herrschaft der Juden in der modernen Welt, welche R. W. Hu Tuge-gebracht hat, wird jede derartige Behauptung fortan lächerlich erscheinen und verstummen. Zm Uebrigen können wir Herrn R. W. Voraussagen, daß zwar seine Broschüre mehr Lärm machen wird, als damals sein pseudonymer Aufsatz, daß aber auch sie nach vier Wochen vergessen sein wird. Denn sie ist doch nur eine Nuß, die, nachdem man sie zerschlagen, nichts als einen verwesten, widerlichen Kern hat, man wirft Kern und Schale weg — schade selbst um die Mühe, die man sich genommen, sie aufzubrechen l Zur Synodalversammlung. Vin. Zu den 38 Gemeinden und 2 Consistorien, welche sich bis jetzt;ur Beschickung der Synode angemeldet haben, kommen fernerhin: die Gemeinden zu Nordhausen, Hamm (Westfalen), Braunschweig, Potsdam, Sontra, Netra (bei Eschwege), Bonn. Wie wir in voriger Nr. voranssetzten, ist unsre Sendung von Exemplaren unseres Einladungsschreibens in New-Wrk angelangt und hat Herr Dr. S. Adler die Verkeilung bewerkstelligt. Wir ersehen dies soeben aus der „Illinois Staatszeitung," in welcher ein wohlwollender Bericht über die Synode enthalten ist. Nach einigen Auszügen fügt das Referat folgenden Rathschlag hinzu, den wir der Berücksichtigung nur empfehlen können. „Da jedenfalls an viele andere jüdische Gemeinden und ihre geistigen Repräsentanten die gleiche Einladung entweder schon ergangen ist oder noch ergehen wird, so ließe sich durch ein gemeinsames Ausbringen der Kosten die Beschickung wohl in's Werk setzen, ohne die einzel- 13*