Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1869)
- Date
- 1869-03-23
- Page
- Seite 243 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Fuß gegeben. — Außerdem sieht man noch zwei hohe Thürme über dem Haupt-Eingange majestätisch sich erheben. Letzterer besteht aus einer Reihe von Bogen zwischen Pfeilern und ist sonach ein — an altrömische Baukunst erinnernder — Arcaden-Eingang. Die zu demselben führenden breiten steinernen Stufen haben 63 Fuß Länge. Durch fünf breite Portale, die mit reichem Schnitzwerk verziert und passenden hebräischen Inschriften versehen sind, gelangt man von der Arcade in das Vestibül oder die Vorhalle. Dieselbe ist sehr geräumig, und die rechts und links sich erhebenden Treppen führen ,ju den Gallerten oder Chören hinan. — Aus dem Vestibül in's Auditorium gelangt, sieht man dasselbe durch zwei lange Säulengänge in das Mittelschiff und zwei Seitenräume getheilt. — Das ganze Innere wird durch ein gedämpftes Licht erhellt, fallend durch Fenster von buntem Mosaik, welche hoch über die Gallerten hinaufragen. — Anlangend die Ausschmückung, so ist bei der äußern, wie bei der innern, der Alhambrastyl obwaltend. Die Verzierungen selber sind — was namentlich die Thürme, die äußeren Säulen, Gesimse rc. betrifft — ganz von Stein. — Die Decke im Innern ist ultramarinblau gemalt und mit goldenen Sternen besäet. Die Wandmalereien sind farbenreich, die Figuren alle höchst symmetrisch und bei ihnen Gold und Roth vorherrschend. — An des Hauses östlichem Ende befindet sich ein besonderer Ausbau für die heilige Lade. Beziehentlich dieser letztern sind namentlich alle Berichte, die wir gelesen, des höchsten Lobes voll. Bor Allem schildern sie die Pracht der vier maurische» Säulen, mittels deren — im Osten des Mittelschiffes — der Raum, der die „heilige Lade" enthält, abgetheilt ist. Diese Pracht aber, so groß sie auch ist, — sie schwindet wiederum fast ganz und gar vor der noch unendlich größer«, die alles Das entfaltet, was zwischen und hinter jenen Säulen sich befindet. — Vor der heiligen Lade erblickt man die Predigerkanzel, wie vor dieser die Cantvrtribüne, — beide mit den köstlichsten Draperien in Silber, Sammet und Seide. Wie oberhalb des Tabernakels die Sänger- Ei aller re, so ist ihm gegenüber — und zwar oberhalb des Einganges — die Orgel angebracht. — Fast unzählig endlich sind die, aus den vielen Candelabern, Krön- und Wandleuchtern hervor strahlenden Gasflammen, die bei Abendgvttesdieusten den ganzen innern Raum erhellen.— Der Total-Eindruck wird von allen Berichterstattern als ein feenhafter, bezaubernder geschildert, und die gedachte „N. I. Z." geht sogar soweit, zu sagen, daß „ein Tempel des Plutus kaum reicher zu erscheinen brauchte, als dieser Tempel des Jehovah." — Als die Haupt-Architekten sind Eidlitz und Feuerbach genannt. Frankfurt a. d. Oder im März 1869. Weyl. Curiosum. Die „Neue fr. Pr." enthält in ihrem Feuilleton aus einem unter der Presse befindlichen Werke, verfaßt von v. Z., Charakteristiken über Rumänien, die haarsträubend sind, andrerseits aber auch sehr unterhaltend. Hat mau sie gelesen, und sie wiederholen doch zum Theil nur das, was man längst über die Bewohner dieses Landes, ihre Halbcultur, ihre Rohheit und Unwissenheit weiß, so wundert man sich nicht länger, daß hier die Juden so oft und so sehr verfolgt werden. Es geht Anderen dort auch nicht besser, am wenigsten allen ehrlichen Leuten. Wir heben daraus folgendes Gefchichtchen hervor. In einer rumänischen Provinzstadt der Moldau, in I., fand ein daselbst in Garnison stehender Officier die Gattin eines israelitischen Kaufmannes seiner Aufmerksamkeit würdig und sann auf Mittel, sich ihr nähern zu können. Als das einfachste stellte sich ihm dar, ihr brieflich den Eindruck, den sie auf ihn gemacht, zu schildern und sie um die Erlaubniß zu bitten, sie besuchen zu dürfen. Mit diesem Briefe wurde sein Privatdiener geschickt und ihm aufgetragen, eine Stunde zu erspähen, wo der Mann nicht zu Hause wäre, und der Frau selbst das Billet in die Hand zu geben. Der Privatdiener ersah wirklich seine Zeit, fand aber einen Argus, der das Haus hütete, in einem davor postirtem Knechte, der ihm den Einlaß unerbittlich wehrte. Der Diener kommt unverrichteter Sache zurück; der Officier giebt ihm nun einen Ducaten mit der Weisung sich damit die Bestellung des Briefchens zu erkaufen. Der Diener kehrt also wieder zurück und bietet dem Knechte diesen Ducaten an. „Gut," sagt dieser, „ich will meine Frau davon in Kenntniß setzen, und wenn sie erlaubt, will ich dich zu ihr führen." Er geht und läßt nach einer Weile unseren Boten ins Haus und vor die Dame, die etwas überrascht das duftende Briefchen entsiegelt und, nachdem sie es gelesen, dem Ueberbringer bedeutet, daß er morgen um dieselbe Stunde die Antwort holen könne. Nach einer Weile kommt der Kaufmann nach Hause, seine Frau giebt ihm den Brief und er heißt sie den verliebten Officier für den nächsten Abend bestellen. Als am anderen Tage der Privatdiener seinem Officier meldete, daß die angebete Dame ihn Abends erwarte, gerieth er außer sich vor Freude. Aufgeputzt und parfümirt eilt er zur bestimmten Stunde in das Haus, vor denr ihn bereits unser Jacob erwartet und ihn mit verhängnißvollem Lächeln zu seiner Dame führt. Diese empfängt ihn in ihrem großen Staat im Salon. „Legen Sie Ihren Degen ab," beginnt sie nach dem ersten Willkommen, „und setzen Sie sich zu mir und erzählen Sie mir, wie es kommt, daß Sie mich, gerade mich unter allen Anderen zu bemerken die Güte hatten." Der Offieier entsprach natürlich sogleich dem Wunsche seiner Dame, und wie er bei ihr auf dem Sopha sitzend, ihr mit poetischer Emphase von ihrer Schönheit, Liebenswürdigkeit und Unvergleichliche spricht und, sich immer