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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-23 · Heft 12 (23.3.1869) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 12 (23.3.1869)
Date
1869-03-23
Page
Seite 242 (sequence 22)
Language
German
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242 Entwickelung der modernen Zeit den Aufschwung zu einer höheren Staffel der Menschheit verursachen konnte. Noch , seichter und oberflächlicher ist aber jene Aeußerung inhaltlich. Die Lehre Mosis und der.Gottesbegriff Spinoza's dehen sich in ihrer Aehnlichkeit und in ihrem Gegensätze sturchaus näher, als die christliche Gotteslehre — diese in ihrem dogmatischen Aufbau und nicht in irgend einer Verschwommenheit aufgefaßt — Beiden. Nach der Lehre Mosis ist Gott eine vollkommene Einheit, und die Welt eine einheitliche Hervorbringung des göttlichen Gedankens und Willens. Nach dem Begriff Spinoza's ist Gott eine Einheit, aber auch eine Einheit mit der Welt, Gott und Welt sind identisch, ein Sein. Wir wollen hier nicht näher erörtern, wie dennoch Spinoza bald wieder zum Dualismus gelangte, indem er Denken und Ausdehnung unterschied (und unterscheiden mußte», und beide dürftig genug als Attribute eines und desselben Wesens zusammen zimmerte. Man sieht aber hier deutlich den Coincidenzpunkt der mosaischen und der spinozistischen Lehren. Anders verhält es sich mit dem Christenthume. Ln ihm wurde als oberstes Princip nichts anderes als die mosaische Lehre gegeben, sofort aber dieses einige Wesen Gottes in drei Personen der Gottheit gespalten, und diese Spaltung als ein von der Vernunft unbegreifliches Mysterium dem Glauben überantwortet. Wer sieht also nicht ein, daß die christliche Gotteslehre dem Spinozismus viel ferner steht als der Biosaismus, sowohl nach dem Inhalte seiner Lehre als nach seiner Forderung des Glaubens. Wer sieht nicht, daß das Christenthum so weit vom Mosaismus zurückwich, daß es, um zum Spinozismus zu gelangen, zuvor wieder zum Mosaismus vergehen mußte, was freilich dem Luden Spinoza erspart war. Sv wenig wir daher die spinozistische Lehre als über dem Mosaismus stehend gelten lasten können, noch weniger kommt es der Wahrheit nahe, daß die christliche Lehre ein Zwischenglied für beide abgab, eine Entwickelungsstufe zwischen dem Mosaismus und Spinozismus. Auch hier ist eine nähere und detaillirtere Auseinandersetzung leicht geboten. Vor Kurzem schrieb uns unser alter bewährter Hamburger Correspondent: „Neulich trug mir ein junger Materialist, und das sind ja alle unsere jungen Leute, sein Büchnersches System vor. Ich erwiderte: Das kann ich nicht acceptiren, dazu besitze ich nicht Gläubigkeit genug! — Wieso? fragte er erstaunt. — Wie? gchört denn nicht viel weniger Glauben zur Anerkennung einer Gottheit, als dazu, daß der Zufall alle diese Uratome so zweckmäßig zusammengebracht hat? daß Milliarden Zahre gezüchtet haben, um aus einer Ziege ein Schaf zu machen? u. s. w." — Wir halten dies für einen zutreffenden Gedanken und schlagend ausgedrückt. Wie lachen diese Leute über den altvaterischen Glauben an Wunder und spotten des natürlichen Abhängigkeitsgefühles von Gott — und erwägen nicht, daß sie diese weise geordnete Welt auf eine phantastisch wunderbare Weise zusammenbauen und eine Gläubigkeit an mühsam zusammengestoppelte und höchst fragliche Fakten entwickeln , wie der blindeste Glaube an vernunftwidrige Dogmen nicht größer ist! Sie nennen sich mit Stolz Ungläubige und halten ihr System auf Unglauben beruhend, und verwenden dabei mehr Gläubigkeit für Verstandloses und mühsam Verbundenes, als jemals in irgend einer positiven Religion gefordert worden. Daher auch die nicht seltene Erscheinung, daß ein solcher Ungläubiger plötzlich zum Pietisten und Mucker wird. Ein solcher wechselt nicht seine Gläubigkeit, sondern nur den Gegenstand derselben, wenn ihm zuletzt der des Pietismus doch sicherer scheint als sein früherer Atheismus. Eine amerikanische Synagoge. Auf den Ban jüdischer Gotteshäuser wird immer mehr Kunstfleiß, immer mehr Prachtentfaltung, immer wehr Geld verwendet. Und wenn dies schon bei uns hier der Fall, um wie viel mehr erst bei unfern amerikanischen Brüdern drüben, wo — wie man allgemein sagt — Gold und Silber ja in reichern Maffen fließen und Prunk und Pracht — namentlich in architektonischer Beziehung — auch in weit höherm Course stehen! — Was Wunder also, wenn die reiche Gemeinde Emunaih- E1 zu New-Uork einen Tempel aufgestellt, der — wie die betreffenden Berichte behaupten — an Glanz und Schönheit, an Kunst und Erhabenheit dort seines Gleichen sucht? — Die Einweihung dieses Tempels hat am 11. September v. I. stattgefunden, und dieser feierliche Akt ist es eben, von welchem eine spätere Nummer der „New-Horker Jllustrirten Zeitung" (<1. d. 3. Oktbr. 1868) eine — wie sie sagt — getreue Abbildung bringt. Letztere bedeckt zwei volle Seiten jenes, durch sein Riesenformat ausgezeichneten Blattes, und gewährt einen — in der That imposanten — Anblick vom ganzen Innern des Gebäudes, sehen lassend das Schiff mit seinen Säulengängen, die drei übereinander liegenden säulengetragenen Chöre, die Tribüne des Vorbeters, die Kanzel des Predigers, das Tabernakel mit seinen reichen Verzierungen, die Krön- und Armleuchter, — ebenso aber auch (die heilige Handlung selber anlangend) ein reizendes Miniatur-Conterfei gebend von dem feierlichen Umzuge mit den Thorarollen, den vrnatbedeckten Cantor an der Spitze, dem Musik-Orchester, dem Sänger-Chor und den dichtgedrängten Bolksmaffen. Nach den Mittheilungen, von denen diese Illustration begleitet ist, sowie nach anderen amerikanischen Berichten, welche den genannten Tempel besprechen, ist deffen Baustyl maurisch und nur da und dort etwas neugothisch angehaucht. Die Ausdehnung des Gebäudes anlangend, so ist die Front 104, die Tiefe 184 Fuß messend. Das Haus hat 4 Eckthürme, zwei hohe vorn und zwei niedrigere hinten. Jedem der erstrrn ist eine Basis von 18 Quadrat-Fuß und eine Höhe von

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