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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-23 · Heft 12 (23.3.1869) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 12 (23.3.1869)
Date
1869-03-23
Page
Seite 226 (sequence 6)
Language
German
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226 anführen. Jedermann weiß, daß die Theaterdirectionen sich durchaus lediglich nach den Einnahmen ihrer Cassen, d. h. nach dem Besuche ihrer Theater richten. Stücke, zu denen das Publicum strömt, geben sie wieder und immer wieder, und greifen begierig nach dem neuen Werke eines solchen Dichters oder Componisten. Wo aber das Publicum wegbleibt und sich nach einer oder mehreren Vorstellungen verliert, streicht die Direction das Stück vom Repertoir und läßt die neuen Arbeiten desselben Producenten bei Seite liegen. Diesem Gesetze der Nachfrage und des Angebots sind selbst die Hofintendanzen unterworfen, die doch Geldopfer nicht zu scheuen haben. Also die letzte Instanz ist stets das Publicum selbst. Und kann nun Jemand, ohne des Wahnwitzes beschuldigt zu werden, behaupten, daß das gesammte deutsche Publicum während mehr als drei Jahrzehenden von den Juden sich beherrschen läßt, um Beifall oder Mißfallen zu empfinden, um anzunehmen oder zu verwerfen, und zwar in einer Kunst, wo am unmittelbarsten die Berührung und Erregung der eigenen Gefühle in jedem Einzelnen schließlich das Urtheil fällt? Kann Jemand nur denken, ohne des gesunden Menschenverstandes verlustig zu sein, daß die außerordentliche Wirkung, die unendliche Wahrheit, die Mächtigkeit und Tiefe, welche Wagner seinen Compositionen zuschreibt, bei dem gesammten deutschen Publicum eindrucks- und spurlos vorübergeht, nur weil die Juden es so haben wollen? Jndeß Deutschland ist ja nicht die ganze Welt. Wagner hat auch in Frankreich, hat auch in England Fiasco und noch vollständiger Fiasco gemacht. Alle Versuche des Herrn W., in Paris Fuß zu fassen, scheiterten; das französische Publicum wies die Wagner'sche Musik zurück, und die französische Kritik verurtheilte sie einstimmig. Ist das französische Publicum auch von den Juden beherrscht? Sind die französischen Kritiker auch Juden, oder stehen sie im Solde der Juden?Es liegt uns eben das 2. Januarheft der Revue des deux Mondes vor. In demselben ist eine Charakteristik Rossini's von Henri Blaze, diesem unabhängigen und freisinnigen Kritiker, diesem genauen Kenner deutschen Wesens und deutscher Literatur. Er hat dabei Gelegenheit, einige Blicke auf Wagner zu werfen, und W. mag das Urtheil lesen, das jener über ihn fällt; Herr W. begnügt sich daher über sein Mißgeschick in Paris mit einigen unbedeutenden Phrasen. Diese reichen aber für England nicht einmal aus, und der tiefsinnige Mann smuß dort für einen andern Grund sorgen. Man höre: die Religion der Engländer wurzele mehr im Alten Testament als im Neuen, darum sollen sie für die Mendelssohn'sche Musik Sinn, für die Wagner'sche keinen habe». Die englischen Juden spricht er also von der Feindseligkeit für ihn los, aber das englische Volk ist alttestamentarisch gebildet und deshalb den Juden gleich geartet. Hier ist der Wahnwitz größer als vie Bosheit. Also mit der Feindschaft der Juden als der Ursache für Wagner's Fiasco ist es nichts, garnichts. Sie ist rein erlogen, und W. glaubt entweder selbst nicht daran, oder es erging ihm wie jenem Lügner, der seine Erdichtung so oft und so lange wiederholte, bis er endlich selbst daran glaubte. Blicken wir nun auf die Ursache, welche W. für die jüdische Gegnerschaft seiner Musik angiebt. (Schluß folgt). Zur Synodalversammlung. VII. Es trafen die Zusagen zur Beschickung der Synodalversammlung ein ferner von den Gemeinden: Dresden, Blieskastel, Heiligenstadt, Oonsistoire israelite de Belgique zu Brüssel. Mögen nunmehr alle diejenigen Gemeinden, welche die Synode zu beschicken gesonnen sind, nicht länger zögern, ihre Erklärung einzusenden. Ebenso ersuchen wir die Herren Rabbiner und Gelehrten, die sich daran zu betheiligen gedenken, uns darüber Mittheilung zu machen. Wir haben an Herrn Rabbiner Dr. S. Adler in New-Aork am 24. Januar 100 Exemplare des Einladungsschreibens mit der Bitte gesandt, sie an die bedeutendsten Gemeinden Amerikas gelangen zu lassen. Die jüngste Nummer des Hebr. Leader besagt, es seien keine Einladungsschreiben nach Amerika gekommen. Wir hoffen, daß dies nur eine Voraussetzung dieses Blattes ist, daß vielmehr Herr Or. S. Adler die Exemplare richtig empfangen hat. —

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