Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1869)
- Date
- 1869-03-16
- Page
- Seite 208 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Barchfeld, St. Lengsfeld, Herlichhausen (Kr. Eschwege). — Von Berlin ist das amtliche Schreiben eingelaufen, und sagt die Beschickung der Synode Seitens des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung zu. Mehrere andere große Gemeinden haben noch einige Vorfragen an uns gerichtet, die wir beantwortet haben. Die eine derselben veranlaßt uns zu der ausdrücklichen Erklärung, die jedoch sich von selbst versteht: 1. daß jede Gemeinde, welche die Synode beschickt, und jeder Rabbiner und Gelehrte, der an ihr persönlich Theil nimmt, das Recht hat, Anträge zu stellen. Wünschenswerth ist es, daß dieselben rechtzeitig eingesandt werden, um veröffentlicht und angemessen eingereiht werden zu können; 2. daß die Synode aus den vorgelegten Anträgen und Vorlagen ihre Tagesordnung selbst bestimmen wird. Literarischer Wochenbericht. B^onn, 5. März. Der Stoffandrang zur A. Z. d. I. war in der letzten Zeit wieder so groß, daß die literarischen Berichte darunter leiden mußten, da es allerdings bei der Literatur nicht geradezu auf den Augenblick ankommt, und die Druckschriften nicht so schnell veralten wie die Zeitungsnachrichten. Holen wir daher das Versäumte nach, wobei wir bemerken müssen, daß man uns der Parteilichkeit nicht zeihen dürfe, wenn wir der Broschüren und kleineren Schriften eher Erwähnung thun als der größeren Werke, was uns darum geboten erscheint, weil größere Werke ihren Weg selbständig zu machen pflegen, während die leichtwiegeuden in unsrer schnell lebenden Zeit auch leicht verflattern. — Das erste Heft der in Chicago von Dr. Chronik erscheinenden Monatsschrift „Zeichen der Zeit" ist uns zugekommen. Den Inhalt bilden folgende Aufsätze des Verfassers: Religion, Philosophie und Gesellschaft in ihrer Zusammengehörigkeit; Schleiermachers und Jacobson's hundertjährige Geburtsfeier im Jahre 1868; die weibliche Frage oder die Frage der Weiblichkeit; Situationsbriefe über Deutschland und Europa; ist der Materialismus eine Philosophie? Schon diese Ueberschriften der Artikel zeigen, daß auf den 16 Seiten dieses 1. Heftes mehr die Thesen der zukünftigen Durcharbeitung als diese selbst gegeben werden konnten. Gedankenschärfe und Stylgewandtheit zeichnen Dr. Chronik aus; ob auch Systematik und Klarheit vorhanden, muß die Folge dieser Zeitschrift erweisen. — „Die Philosophie auf dem Gebiete der Naturwissenschaft und in ihrer Selbständigkeit. Ein Bortrag, gesprochen von Dr. S. Formstecher." Wir machen bei dem jetzigen Wirrsaal der Ansichten auf diesen Vortrag besonders aufmerksam, da er sich ebenso durch Klarheit und Präcision, wie durch Objektivität der Anschauungen auszeichnet. Die Selbsttäuschung der Naturphilosophie, die Nothwendigkeit, aber auch Abhängigkeit der Philosophie auf dem Gebiete der Naturwissenschaft, welche letztere eben nur durch sie zur Wissenschaft werden kann, und die Selbständigkeit der Philosophie auf dem Gebiete des Geistes als Logik, Aesthetik und Ethik werden mit Schärfe nnd in überzeugender Weise nachgewiesen. — „Herr Robert von Mohl und die Judenemancipation. Eine Erwiederung von Dr. Isidor Kaftan. Berlin, Späth 1869." Robert v. Mohl hat im 3 Bde. feines Werkes „Staatsrecht, Völkerrecht, Politik" sein altes Lied aus der Paulskirche von 1849 noch einmal wiederholt, so schlagend ihm auch damals Rießer nachgewiesen, daß die Melodie veraltet und unharmonisch und die Intonation falsch sei. Alte Singvögel können sich einmal von ihren Weisen nicht losmachen. Gegen den Aufsatz „Judenemancipation" in gedachtem Werke richtet Dr. Kastan die vorliegende Broschüre. Sie ist zutreffend, schlagend, energisch. Aber wir hätten gewünscht, daß sie ruhiger und von allen Persönlichkeiten fern gehalten wäre. Die Welt und wir in ihr sind Gott sei Dank so weit vorgeschritten, daß wir uns nicht mehr über einen Gegner zu ereifern brauchen, wenn wir auch die Abwehr noch nicht unterlassen dürfen, weshalb auch Herr Dr. K. unseren Dank verdient hat. — inian Diese hebräische Monatsschrift, herausgegeben von H. Peter S molenski in Wien im Verlage von Jacob Schloßberg, nnd als ein Organ für „Wissenschaft, Bildung und Leben" bestimmt, schreitet rüstig vorwärts, und enthalten die jüngsten Hefte sehr viele lesenswerthe und durch Mannigfaltigkeit anziehende Artikel. — Bon den in Warschau erscheinenden Biographien jüdischer Größen des 19. Jahrhunderts, in polnischer Sprache vonJosephGoldschmidt herausgegeben, ist das 2. Heft erschienen, welches die Lebensbeschreibung von Achilles Fould nebst dessen Bildniß enthält. — rraiai min Ein sehr gewandtes und tief gefühltes hebräisches Danklied von Marcus Strelisker, gedruckt in Czernowitz 1868, dessen Ertrag einem wohlthätigen