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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-16 · Heft 11 (16.3.1869) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 11 (16.3.1869)
Date
1869-03-16
Page
Seite 207 (sequence 7)
Language
German
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207 äußerung unterdrücken und Urtheile - nun, die hätten wir eben nur rosenfarben. Der ungarisch-israelitische Landescongreß gehört nun auch zu den Todten. Es ist uns gegönnt, über denselben einige offene Worte zu sagen, nachdem wir das Bild seiner Thätigkeit vor Augen haben. Einen Zug müssen wir hervvrheben und der muß hoch angeschlagen werden, der allerdings in die Kategorie des „nil nim bene" gehört, daß wir nämlich ebenso von Seite der ungarischen Regierung und insbesondere des Cultusministers B. Eötvös, als auch von Seite der so oft und manchmal mit Recht getadelten Fortschrittspartei das aufrichtige Streben wahrgenommen, das ungarische Judenthum aus dem Bereiche der geistigen Versumpfung zu bringen, in welches dasselbe — besonders in den nördlichen und östlichen Theilen des Landes — unter der Leitung jener Rabbinen gerathen, die schon bei mehrfacher Gelegenheit sich in so famoser Weise bloslegten; die ungarischen Jude» auf jenen Punkt zu heben, auf welchem zu stehen sie immer berufen waren und dem sie nur dieser Leitung und vielleicht auch der Ungunst der Verhältnisse zufolge entrückt wurden. Auch bei uns mußte man die Wahrnehmung machen, daß z. B. in der Hauptstadt oder in den westlichen und südlichen Theilen der Israelit zur Intelligenz der Bewohnerschaft gehörte, während unsere Brüder in den übrigen Gegenden nichts weiter als eine vermehrte Auflage Lithauens abgaben. Andrerseits aber — hier wird man glauben, daß wir graue Brillen aufgesetzt — können wir nicht genug tadeln, daß durch und im Congreffe eine Erscheinung hervorgerufen wurde, die wir mit dem Namen eines staatlichen Kirchenorganismus benennen möchten und nichts anders als die Bildung einer jüdischen Kirche ist. Die Herren pochten ja so oft bei ihren Argumentationen auf das Einberufungsschreiben des Cultusministers, in welchem die Aufgaben des Congresses klar und scharf abgegrenzt gekennzeichnet waren. Wir konnten demselben nichts Anderes entnehmen, als daß es zu den Aufgaben des Congresses gehören wird die jüdischen Gemeinden uud Schulen zu regeln und ein Wahlstatut, sowie eine Geschäftsordnung für künftige Congreffe auszuarbeiten. Das bestätigten auch die zahllosen Programme der verschiedenen Parteimänner, die zur Zeit der Wahle» das ganze Land überschwemmten. Nun kommen aber wieder die verschiedenen Rechenschaftsberichte der Abgeordneten von überall zu uns — die Epiloge des Parlamentspielens — und in denselben finden wir als die aufgezählten Erfolge der Thätigkeit des Congresses nicht nur die Regelung des Gemeinde- und Schulwesens angeführt, sondern mit großer Verve wird es der ganzen Welt zu wissen gegeben „auch die jüdische Confession als solche ist organisirt." Daß es ein Bedürfniß und eine Forderung der Zeit ist, die jüdische Confession als solche zu recipiren, das verstehen wir; aber die jüdische Confession als sol che zu or ganisiren, das verstehen wir wohl auch, aber wir können es nicht billigen. Nie und nirgend hat der Cultusminister es gewünscht oder lag es in den Intentionen unserer Regierung, das vom Congreffe zu verlangen. Wir verfallen vielleicht in die Rolle der Orthodoxen, wenn wir bei diesem Anlasse es aussprechen, derCongreß habe seine Competenz überschritten, indem er dort, wo er die einzelnen Gemeinden zu regeln gehabt, factisch eine Kirche organisirt hat. Wir wollen diese Idee hier bloß angedeutet haben, vielleicht wird es uns späterhin mit Erlaubniß der verehrlichen Redaction gegönnt sein darauf zurückzukommen. Hievon abgesehen können wir in Summa init den Resultaten des Congresses zufrieden sein. Das durch ihn ausgearbeitete Gemeindestatut entspricht zwar nicht immer den Anforderungen des Liberalismus, was wir schon an geeigneter Stelle gesagt haben, aber im großen Ganzen besitzt es den Character der Durchführbarkeit, und damit können wir uns vor der Hand zufrieden geben. Aber offen müssen wir es sagen, daß durch dieses Gemeindestatut der Zankapfel aus den Gemeinden nicht entfernt, sondern erst echt in dieselben hineingeworfen wird. Ueberall giebt es diffentirende Theile, und für diese ist eben nicht am Väterlichsten gesorgt. Ueber das Schulstatut haben wir uns ebenfalls erlaubt ein freies Wort zu sprechen, und so bleibt uns denn nichts Anderes übrig, als diese Zeilen mit den Worten zu schließen: Möge der Congreß zum Wohle der ungarischen Juden getagt haben! Samu el Sin ge r. Bonn, 9. März. Zur Lyno-alversammlung. VI. Es haben noch die Beschickung der Synode zugesagt, die Gemeinden von Glogau, Hildesheim, Alzey

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