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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-16 · Heft 11 (16.3.1869) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 11 (16.3.1869)
Date
1869-03-16
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 Pest, Ende Februar. Der ungarisch-israelitische Congreß. vm. Das „Geschichte machen" und das Fabriciren „epochaler, kulturgeschichtlicher Ereignisie" haben nun ihr Ende gefunden; der ungarisch-israelitische Eongreß gehört der Vergangenheit an. Bevor wir uns erlauben einen kurzen Rückblick auf die Thätigkeit deffelben zu werfen, geben wir hier die Skizze der letzten Sitzungen. Der Eongreß beschäftigte sich in den letzten Tagen mit der allerdings wichtigsten und brennendsten der ihm zur Lösung vorgelegten Fragen, mit der Organisation der Schulen. Die entsendete 25er Kommission legte dem Plenum vier Elaborate vor: über die Errichtung eines Rabbinerseminars, über die Errichtung mehrerer Thalmud-Thoraschulen, über die Volksschule und über die Verwendung des Schulfonds. Bei dieser Gelegenheit trat wieder eine Erscheinung zu Tage, welche ganz geeignet ist den trivialen, französischen Satz von den Extremen zu bestätigen. Die Ultraorthodoxen, deren größter Theil dem Eongreffe ferne geblieben ist, wären in Folge dieser Erscheinung — so paradox es auch klingen mag — die liberalsten Leute. Sie plaidirten für konfessionslose Schulen und trennten sich in dieser Beziehung von ihren sonstigen gemäßigten Gesinnungsgenoffen , die im Einvernehmen mit der Fortschrittspartei die Beibehaltung der konfessionellen Schulen wünschen. Aber die guten Herrn ließen es auch nur beim scheinbaren Paradoxen bewenden, denn die Verwirklichung ihres so eifrig angestrebten Zieles wäre für sie selbst ein Gräuel. Die Idee wurde nur deshalb erfaßt, um nur nicht init der gegnerischen Seite einer Meinung sein zu müssen und um für das nationale Gefühl unserer ungarischen Brüder einen lockenden Köder zu besitzen. Wir wollen die Amalgamirung mit Euch. Jene wollen auch fernerhin die innegehabte Sonderstellung einnehmen — das der erfaßten Idee schlauer Sinn! Unseres Erachtens hat die Majorität des Eongresses mit Rücksichtnahme auf die hierländischen Verhältnisse diesen ganz angemessen gehandelt, als sie die konfessionelle Schule adoptirte. Die Zeit ist für Ungarn noch nicht gekommen, in welcher die Simultanschule ihre hehre Mission erfüllen könnte, um den Anforderungen zu genügen, die an dieselbe gestellt werden; nur Halbes und Einseitiges könnte jetzt damit erreicht werden und das, glaube ich, wollen selbst die nicht, die sich für diese schöne, erhabene Idee begeistern konnten. Möge man uns nicht den Vorwurf machen, als gehörten auch wir zu denjenigen, die da gleich mit dem vermeintlichen Trumpf bei der Hand sind, ja, diese Ungarn sind viel zu ungebildet, die stehen auf einem viel zu niederen Punkte der Bildung u. s. f., als daß bei ihnen dieses Institut Gutes wirken könnte! Man müßte blind fein oder sich fliffentlich die Augen verschließen, wollte man nicht freudigst anerkennen, daß die ungarische Nation und mit ihr die ungarischen Juden, seitdem ihnen die Freiheit der Aktion gegönnt ist, mit Riesenschritten auf allen Gebieten nach Vorwärts geht. — Aber trotz alledem und alledem läßt sich au den jetzigen Verhältniffen nichts so bald ändern, wir wollen das nur andeuteu und wissentlich nicht detailliren, und diese laffen es vollkommen angezeigt erscheinen, die Einführung konfessionsloser Schulen für bessere Zeiten aufzubewahren.* **)) Die Debatte über die Schnlorganisation bot wenig des Interessanten. Kultusminister Evtvös hatte den Wunsch geäußert, daß der Eongreß Ende Februar geschloffen werde, und da hatte der, in solchen Dingen gutgeschulte Präsident gleich ein probates Mittel zur Hand, die Debatte abzukürzen. Er stellte an die Redner die Bitte — natürlich mit dem unvermeidlichen Zusatze, daß es durchaus nicht darauf abgesehen wäre, irgend eine Pression auf die freie Meinungsäußerung üben zu wollen — die Motivirung ihrer Vota in der Generaldebatte und die Behandlung in den einzelnen Paragraphen in der Specialdebatte möglichst kurz zu fassen. Dies könnte um so leichter geschehen, als die Schulkommission — die aus Fachmännern zusammengesetzt war — eine Facharbeit geliefert hat, an der zu mäkeln die übrigen Mitglieder des Congresses als Laien nicht berufen wären. In Folge dieser Bitte beschränkte sich die Generaldebatte, eine Rede des gelehrten Di-. Zipser, Rabbiners zu Rechtnitz, und eine logische, haarscharf kritisirende Entgegnung des Di-. Steinhardt*) auf die Rede des Eiseustädter Deputirten Di-. Hildesheimer ausgenommen, blos auf die allerdings ausgezeichneten Motivenberichte der Kommissionsreferenten. *) Man vergesse nicht, daß hier überall nur von der Volksschule die Rede ist, nicht von den höheren Lehranstalten. Die Redaction. **) In unserem letzten Berichte hieß es in Folge eines wiederholten Druckfehlers ,,Dr. Reinhardt." (Anm. d. Corresp.)

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