Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1869)
- Date
- 1869-03-09
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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188 au College Rabbinique de Padoue. R6digd par son fils Joseph Luzzatto 64. 8. 8. Gleichzeitig erlauben wir uns die Freunde der hebr. Literatur auf den „Catalog einer kleinen aber werthvollen Sammlung hebr. und jüdischer Werke," Amsterdam, Friedrich Müller, aufmerksam zu machen. Die Cataloge des Herrn Friedrich Müller zeichnen sich durch Genauigkeit und Sachkenntniß vortheilhaft aus. Der angezeigte Catalog enthält unter der Rubrik Judaiea sehr viel Hispauica, jüdisch-spanische Werke, die jetzt zu den größten Seltenheiten gehören. Petersburg, im Febr. Hier wird nächstens ein russisches Tageblatt unter dem Titel „Vermittler" als Organ der in Rußland lebenden Israeliten herausgegeben werden. Die Regierung hat mit größter Bereitwilligkeit die Conceffion zu diesem publicistischeu Unternehmen ertheilt, weil sie in demselben ein willkommenes Mittel zur Ruffisizirung der Juden erblickt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 25. Februar. In der heutigen Sitzung des Herrenhauses wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Eide der Juden, verhandelt. Berichterstatter Graf von Rittberg empfiehlt auf den Antrag der Commission die Annahme. Der einzige Redner dagegen ist der Baron v. Senfft-Pilsach; aber es kann uns nicht zugemuthet werden, dessen Gerede, um das mildeste Wort zu brauchen, der Nachwelt zu überliefern. Er unterscheidet zwischen ehrlichen und leichtsinnigen Juden. Jener sei ein ganz conservativer Mann und habe großen Respekt vor dem Eide. Die Vorlage mache einen gewaltigen Riß in das ganze bestehende System der Eidesleistung. Der Herr Baron hat die historische Entdeckung gemacht, daß es eher Judeneide als Christeneide gegeben, und man wolle nun „den armen Juden zwingen, einen verstümmelten Christeneid zu schwören, von welchem man nur das Bekenntniß des Evangeliums weggelassen habe." Im Verlaufe seiner Auslassungen vertauscht er nun „die ernsten Juden" mit den „ehrlichen," und insinuirt den ersteren, durchaus nur in der Synagoge und mit Gebetmantel und Gebetschnur schwören zu wollen. Es war selbst dem Präsidenten des Herrenhauses zu viel, eine solche Unterscheidung zwischen ehrlichen und leichtsinnigen Juden zuzulassen, und er wies diese zurück. Der frühere Minister Herr v. Bernuth sprach für den Commissionsantrag, wobei aber die äußerste Rechte so viel Lärm machte, daß seine Worte kaum verstanden werden konnten. Der Regierungskommissar, Geheimer Justizrath Herzbruch, beruft sich auf die zahllosen und immer wiederholten Petitionen der Synagogengemeinden. Der Justizminister bemerkt, daß die Regulirung der Eidesleistungen im Allgemeinen durch den norddeutschen Bund geschehen werde. Bei der Spezialdebatte nimmt Herr v. Senfft- Pilsach noch mehrmals das Wort, ohne etwas Neues vorzubringen. Herr v. Thaden: Ich habe eine dreißigjährige richterliche Erfahrung, hiernach nehmen es die Juden mit dem Eide sehr gewissenhaft; auf die Form kommt es nicht an. Wenn der Jude bei seinem Gott schwört, so schwört er wohl niemals falsch. Die Atheisten kommen nicht in Frage. Nehmen Sie die Vorlage an. Nach einigen Gegenreden v. Senfft's erklärt der I u st i z-M i n i st e r: Ich bitte Herrn v. Senfft daraus, daß ich ihm nicht widersprochen habe, nicht zu folgern, daß ich mit ihm einverstanden bin. Damit schließt die Debatte. Das Gesetz, wie es aus dem Abgeordnetenhause gekommen, wird mit großer Majorität angenommen. Dagegen Kleist-Retzow, Senfft-Pilsach, Waldaw-Steinhöfel rc. Oesterreichischer Kaiserstaat. Gr. Becökerek, 14. Febr. (Privatmitth.) Immer stürmischer wälzen sich die Wogen der Wahlbewegungen heran. Immer heftiger entbrennt der Kampf der Parteien, je näher der Tag der Entscheidung anrückt. Die glückliche Aera, welche jetzt durch das in fast vollendeter, nie dagewesener Vollkommenheit hergestellte Verfassungswerk vom Jahre 1867 für das Vaterland angebrochen, hat das politische Bewußtsein der Nation im hohen Grade wachgerufen, wodurch eben die gegenwärtige Wahlgemeinde eine außerordentliche Bedeutung und Tragweite erhält. Ja, schon darum, daß ein nicht unerheblicher Bruchtheil der Bevölkerung, daß die Juden zum ersten Male von ihrem