Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-09 · Heft 10 (9.3.1869) · p. Seite 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 10 (9.3.1869)
Date
1869-03-09
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226690-3226701--26967-3262526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

185 mitten in den hebräischen Theil so eingefügt hat, daß das deutsche Element mit dem hebräischen abwechselt und mit diesem gleichberechtigt wird, sodann daß selbst in der Uebersetzung der hebräischen Gebete der überwundene Standpunkt verlassen und nur der modernen Anschauung gehuldigt und Ausdruck gegeben ist. Es sind darum die Gebete über den Messias und die Wiederherstellung Jerusalems und des Opfercultus nicht in wortgetreuer Uebersetzung, sondern vielmehr gemäß dem vorgeschrittenen Bewußtsein einer geläuterten, höhern Auffassung wiedergegeben worden; ein Verfahren, welches der Bearbeiter der 2. Ausgabe, Hr. vr. Friedmann in seiner Vorrede gründlich motivirt und rechtfertigt. Ist nun solchergestalt eine Ausgleichung erzielt worden, daß der Moderne und der streng Altgläubige im gemeinsamen Gebete Erbauung und Befriedigung finden, so dürfte indeffen diese Vermittelung nur möglich erscheinen in einer Gemeinde, wie die unsrige, wo die Gegensätze sich nicht schroff und feindlich einander gegenüber stehen, auf der einen Seite die Kämpfer gegen alles und jedes Neue, auf der andern die wider alles und jedes Alte, wo vielmehr wahre Toleranz, eine wohlthuende Eintracht besteht, wo eine jede Partei der andern Achtung und Werthschätznng und Vertretung ihrer Ansicht und Richtung willfährig zuerkennt. Unser Gebetbuch ist sonach daS getreue Spiegelbild unserer Gemeinde und deren Physiognomie deutlich daran zu erkennen und eben wie dieser angemessen, so seinem Zwecke vollkommen entsprechend. Was jedoch diesem Gebetbuche erst seinen wahren und vollen Werth giebt und es vornehmlich vor vielen andern auszeichnet, das ist die mustergiltige Liturgie und Gebetordnung, die es einführt, welche den Gottesdienst feierlich, erhebend und weihevoll macht und über deren pünktliche Befolgung nicht nur der Vorstand, sondern jeder Einzelne unserer Gemeinde sorgsam wacht. ES darf uns darum auch nicht wundern, daß unser neues Gotteshaus in den 14 Jahren seines Bestandes an Besuchern nicht ab, sondern vielmehr zugenommen hat — an Sabbathen sehen wir es mäßig, an hohen Feier- und Festtagen übervoll —, daß Biele, welche dem Geschäftsverkehr keinen Tag des Stillstandes gewähren, doch einige Stunden dem Gottesdienste widmen, daß wiederum Andere, nachdem sie ihre Andacht in andern hier bestehenden Synagogen in althergebrachter Weise verrichtet, in dem neuen Gotteshause Erbauung und Belehrung suchen. Wohl sind hierbei hoch andere Anziehungskräfte wirksam, wie der herrliche und vortreffliche geleitete Chor und vornehmlich die lehrreichen wie ansprechenden Kanzelvorträge des Rabbiners, Hrn. vr. Friedmann, dessen eigenchümliche und meisterhafte Predigtweise dauernden Eindrucks sich erfreut. Erwägt man nun, wie sehr die Nutzbarkeit unsres Gebetbuches sich bewährt, welchen Segen es feit seiner Einführung gestiftet hat, so wird man es nur billigen müssen, daß es in seiner bisherigen Gestalt erhalten bleibe. Bei der längst nöthig gewordenen neuen Auflage hat darum der Herausgeber, Hr. vr. Friedmann keinerlei wesentliche Aenderung sich gestattet. Die gegenwärtige Ausgabe unterscheidet sich von der ersten nur in folgenden Punkten: 1. ist die Uebersetzung eine dem hebräischen Texte ganz entsprechende, möglichst wortgetreue und dadurch für den Schulgebrauch mehr geeignet. 2. sind die wichtigsten Gebetstücke aus dem Anfänge (in der k. Ausg.) wiederum an ihre gehörige Stelle versetzt worden, wie solches vom Grh. Oberrathe verfügt worden. 3. endlich wurde die neue Ausgabe vermehrt durch eine große Anzahl neue Gebet- und Erbauungsstücke für alle Vorkommnisse des Lebens, zumeist entnommen dem vortrefflichen Gebet- und ErbauungSbuche von vr. Philippfon, wie durch einen Anhang, die Tefilla für Neujahrs- und Versöhnungstag enthaltend. Die vorliegende, um 12 Druckbogen bereicherte Ausgabe erscheint als eines der vollständigsten und zweckmäßigsten Gebet- und Erbauungsbücher und empfiehlt sich daher dem allgemeinen Gebrauche, ist auch zu diesem Behufe vom Grh. Oberrathe und mehreren Rabbinern des Landes zur Einführung warm empfohlen worden.' Wagner. Aus Rußland, im Februar. Zur Sprachenfrage für die Juden in Rußland. Die ausführlich erörterte und wissenschaftlich behandelte „Sprachenfrage für die Inden" in Nr. 6 diesegeschätzten Blattes hat, im allgemeinen genommen, ihre völlige Richtigkeit; iu Beziehung auf Rußland aber finde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.