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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-09 · Heft 10 (9.3.1869) · p. Seite 184

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 10 (9.3.1869)
Date
1869-03-09
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 nämlich für die Festtage (mit Ausschluß von Jom-kippur fast nur Psalmen zu Haftaren wählte, schon weil eS für die meisten Festtage schwerlich geeignetere Haftaren giebt, und indem ich an jedem Sabbat und Festtage unter Wegfall des „Tagespsalms" die Uebersetzung oder Bearbeitung eines Psalms vor Alenu vorlese; ich fand deren 63 verwendbar hierzu. Man wolle es entschuldigen, daß ich hier so ausführlich meine eigenen Versuche besprach: mein Vorschlag ließ sich nicht anders gehörig ins Licht setzen, und ich stelle diesen einzig in dem Bewußtsein, zur Verbreitung von Bibelkenntniß mithelfen zu wollen, einer freundlichen Erwägung meiner Herren Cvllegen anheim. Für den Fall, daß er Beachtung fände, habe ich noch hinzuzusetzen, daß diese Vortragsweise der Haftaren den Geistlichen selbst natürlich zur Ausführung nach eigenem Ermessen überlassen werden müßte, einfachen Lehrern aber nicht anders empfohlen werden könnte, als wenn ihnen zugleich eine von kompetenten Männern hiefür anzufertigende Bearbeitung der Bibel in die Hände gegeben wird. Mannheim, im Februar. Vas Mannheimer Gebetbuch. Sie, Hochg. Herr Redacteur! haben in den letzten Nummern Ihres gesch. Blattes der CultuSfrage wiederum die gebührende Aufmerksamkeit zugewendet und ihr neuerdings eine eingehende, gründliche Erörterung gewidmet, daß es mir angemessen und Ihnen willkommen erscheinen mag, wenn ich auf das vor wenigen Monaten im Verlage von I. Bensheim hier in 2. veränderter und vermehrter Ausgabe erschienene: „Israelitische Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht; zunächst für die israelitische Gemeinde in Mannheim" Hinweise und die Grundsätze hervorhebe, auf die es gebaut worden, wie die Erfolge, die es erzielt hat, um damit einen Beitrag zu liefern, wie unter gegebenen Verhältnissen die Cultussrage annähernd gelöst werden könne. Das hier angezeigte Gebetbuch, bisher von der jüdischen Presse übergangen, verdient deren Beachtung und Würdigung aber um so mehr, als es seit seinem ersten Erscheinen im I. 1855 nicht blvs unserer hiesigen Gemeinde ein unschätzbares Gut, werth und theuer geworden ist', sondern auch in viele andere Gemeinden deS In- und Auslandes Eingang gefunden hat. Indessen dürfte eine richtige Beurtheilung desselben auch nur dem gelingen, der innerhalb unserer Gemeinde steht, mit deren religiösem Standpunkt wie der Genesis des BucheS vertraut ist. Dem außerhalb stehenden Kritiker hingegen, der a priori, d. h. von einem festen Principe oder Gesichtspunkte ausgehend, einen bestimmten Maßstab anlegen wollte und müßte, dürste unser Gebetbuch als nach keiner Seite hin befriedigend erscheinen, für den Orthodoxen zu reformatorisch und für den Reformator zn conservativ, kurz, sein Standtpunkt als schwankend und principlos erfunden werden. Versuchen wir daher eine Besprechung dieses BucheS, indem wir dessen Genesis voranschicken. Als vor 14 Jahren der selige Rabbiner Präger sein Amt in hiesiger Gemeinde antrat, war seine erste und vornehmste Sorge der Reform des öffentlichen Gottesdienstes gewidmet. Die Gemeinde, größtentheils der extreinen reformatorischen Richtung huldigend und darum dem bestehenden veralteten, gänzlich verwahrlosten Gottesdienste entfremdet, hatte in ihrer Mitte auch eine beträchtliche Anzahl conservativer Mitglieder, die wohl nicht neuerungssüchtig, jedoch religionsbedürftig sind, auS warmem Interesse für die Erhaltung des väterlichen Glaubens eine Beffergestaltung der öffentlichen Gottesverehrung sehnlichst herbeiwünschten und kräftigst anstrebten. Es war somit wie die Aufgabe, so deren Lösung dem Rabbiner angezeigt. Es mußte ein CultuS geschaffen werden für die Gesammtgemeinde, allen deren Richtungen Rechnung tragend und trotz ihrer Verschiedenheit alle vereinigend. Die neuerbaute Synagoge sollte Allen geöffnet, nn DW bah ribcn ein Bethaus für Alle werden, sowohl die bisherigen Besucher feffeln, als die Fernstehenden herbeiziehen. Diese Aufgabe in ihrem ganzen Umfange wohl begriffen und glücklich gelöst zu haben, bleibt das unsterbliche Verdienst des sel. Rabbiners Präger. Das von ihm geschaffene Gebetbuch ist allen vorhandenen Parteien, den Conservaliven wie Reformern gleich gerecht geworden; den Erster», indem es mit Ausschluß der Piutim sämmtliche hebräische Gebete in ihrer ursprünglichen Fassung unverändert erhalten und nur einige wenige unwesentliche Stücke theils ausgeschieden, die sogar auf Anordnung des Grh. Oberrathes in einem Anhänge wieder ausgenommen werden mußten, theils Deutsch bearbeitet hat; den Letzter», indem es erstlich viele neu« deutsche Gebete und Lieder ausgenommen und

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