Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1869)
- Date
- 1869-03-09
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
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183 Sachkundigen nicht ausgeführt zu werden braucht, und die meisten wurden auch ursprünglich nur zu dem sehr äußerlichen Zwecke ausgewählt, aus den Propheten ein Stück zu geben, welches irgendwie dem aus der Tora verlesenen Abschnitte entspreche, was überdies bekanntlich in vielen nur auf die gezwungenste Weise erzielt wurde; außerdem würden in dieser Hinsicht die alten Haftaren gar nicht mehr zu den ganz abweichenden Paraschen des dreijährigen Cyclus paffen. 2. könnten die bisherigen Haftaren wie die noch auszuwählenden in der Landessprache nicht wohl anders vorgetragen werden, als indem einer jeden eine historisch und sachlich orientirende Einleitung vvrangeschickt würde, und da nach jenem Vorschläge ziemlich an jedem Sabbat aus einem andern Buche der Propheten oder Hagiographen vorzulesen wäre; so müßte unerträglich oft dieselbe Einleitung oder eine ganz ähnliche wiederkehren. 3. erhielte durch solcherlei Haftaren das Volk gleichwohl keine rechte Kenntniß der Bibel, indem a, fortwährend bald das geschichtlich Frühere später vorgelesen würde, bald das Spätere früher; d, der Hörer kein einziges biblisches Buch hinreichend kennen lernen kann, wenn ihnr ein Stück daraus heute, ein anderes daraus nach drei Monaten, und wieder eins daraus vielleicht nach zwanzig Monaten vorgelesen würde, noch dazu wie gesagt häufig ein späteres Stück früher, ein früheres später; und endlich o, auch ein dreijähriger Cyclus der Haftaren noch lange nicht den ganzen Schatz der Bibel erschöpfen kann. Deshalb aber sei mir verstattet, für die Haftaren einen ganz abweichenden Vorschlag zu bringen, dem ich nur voranschicken will, daß wenn einmal die Haftaren dazu benutzt werden sollen, Bibelbekenntniß zu verbreiten, auch in Betreff ihrer ein Weg betreten werden müsse, der wirklich zu diesem höchst wünschenswerthen Ziele führt, und daß hierin eine größere Abweichung von dem Herkömmlichen um so eher gewagt werden darf, als erfahrungsmäßig bei Vorträgen in der Landessprache die Gemeinden viel leichter als bei herkömmlichen hebräischen Stücken fühNeuerungen zu gewinnen sind. Ich schlage demnach vor, daß alle hierzu geeigneten biblischen Bücher entweder wie sie kanonisch auf einander folgen, oder nach einer von einer Rabbinenversammlung gutgeheißenen Reihenfolge in Haftaren vorgelesen werden, also z. B. zuerst alle hierzu tauglichen Stücke des Buches Josua, etwa in 6 Haftaren, alsdann alle hierzu geeigneten Stücke des Bnches der Richter, etwa in 10 Haftaren hierauf ebenso Samuel u. s. w. 3m Grunde empfiehlt Philippson das Nämliche, nur nicht so durchgreifend und was ich da Vorschläge, ist nicht etwa eine noch völlig unversuchte und also vielleicht unpractische Idee, sondern ich habe (bei der Lage der Dinge nothgedrungen auf eigene Hand) schon seit 1820 in dieser Weise ziemlich alle biblischen Bücher in Haftaren vorgetragen, natürlich mit Ausscheidung des hierzu Ungeeigneten, und zusammenziehend oder bloß auszüglich, wo dies räthlich erschien. Nach einigen einleitenden Worten begann ich allsabbatlich mit dem ersten hebräischen Verse des Stückes, ließ dann deffen Übersetzung folgen, und schloß mit seinem letzten hebräischen Verse; die einzustreuenden Erklärungen oder Bemerkungen aber machte ich durch etwas gesenkten Ton als solche kenntlich, sodaß für die Hörenden hinreichend hervortrat, wo das Bibelwort wieder anhebe; und den einzelnen biblischen Büchern schickte ich eine etwas größere, jedoch gedrängte Einleitung voraus. Hierbei befolgte ich nicht die kanonische Reihenfolge der Bücher, sondern las dieselben nach der chronologischen Folge ihres Inhaltes; desgleichen das so unchronologisch geordnete Buch Jirmeja nicht in der herkömmlichen Reihenfolge seiner Kapitel, sondern in der chronologischen Folge derselben; und dem entsprechend die Psalmen nicht in ihrer biblischen Folge, sowie überhaupt nicht alle hinter einander, sondern ich vertheilte sie so: diejenigen Psalmen, deren Alter mehr oder weniger sicher zu ergründen war, schob ich (bald einzeln, bald in kleinen Gruppen) in oder hinter die Bücher gleichalterigen Inhaltes ein, z. B. die verläßlich davidischen in die entsprechenden Stellen des Buches Samuel, und die Psalmen aus unbestimmbarer Zeit gab ich erst ziemlich zu Ende der Bibel mit der hinzugefügten Erklärung, daß deren Alter unbestimmbar sei. Sogar die Sprüche und Hiob trug ich vor, die ersteren so, daß wo es nöthig schien, auf jeden Spruch eine ganz kurze Erklärung desselben folgte. Ich bin sehr entfernt von dem anmaßlichen Glauben, daß diese Art, die Bibel in Haftaren vorzutragen, nicht vielfach verbessert'werden könnte, allein ich habe über dieselbe recht oft die Urtheile verständiger Hörer eingezogen, und man fand sie sehr geeignet. Uebrigens trug ich auch die Bücher Mosis in derselben Weise als Haftaren vor: warum sollten gerade diese von der näheren Kenntniß der Gemeinden ausgeschlossen bleiben? gelte dies auch nur als Targnm. In Rücksicht aber, daß die Psalmen „das Herz der Bibel" bilden, habe ich eine größere Vertrautheit mit ihnen noch in einer doppelten Weise zu verbreiten angestrebt, indem ich 10*