Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1869)
- Date
- 1869-03-09
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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182 gere Zert genügendes Ziel unserer Bestrebungen hinsichtlich dieses Theils des Cultus. Ersichtlich aber sind für seine Einführung einige vorgängige Feststellungen und Vorarbeiten unerläßlich. Denn 1. ist festzustellen, bis wie weit die Vorlesungen des ersten und des zweiten Jahres reichen sollen, sowohl in Rücksicht daß die zu bildenden drei Theile der Tora von ziemlich gleichem Umfange seien, als auch daß jeder der beiden ersten Theile einen angemessenen Schluß erhalte. Beides würde erreicht werden, wenn der erste Theil mit 2. Mos. 18, 27, der zweite mit 4. Mos. 10, 36, geschlossen würde: denn jeder der hierdurch gebildeten drei Theile umfaßte ziemlich genau ein Drittel der Tora, zugleich aber reichte der erste Theil dann bis unmittelbar vor die Ankunft am Sinaj, und der zweite schlöffe mit dem Abzug von diesem, sodaß passend dieser ganze mittlere Theil von dem Aufenthalte am Sinai ausgefüllt wäre. 2. Jeder Theil müßte, wie früher die ganze Tora, in 54 Sabbathabschnitte zerlegt werden, damit es nicht in einem Schaltjahre an einigen Vorlesungen fehle, und jeder dieser kleineren Abschnitte müßte möglichst einen abgerundeten Inhalt und einen ansprechenden Schluß erhalten,'; die schwierige Arbeit, dieses herauszufinden, kann wohl nur einer besonderen Commission zugewiesen werden; die alte Paraschentheilung der Maffora und die in unserer Zeit versuchten sind bei vielen Paraschen keineswegs sachgemäß. 3. Eigentlich müßte nun auch jede einzelne Sabbathvorlesung in 7 kleine Stückchen für die 7 Aufzurufenden zerlegt werden, aber bekanntlich stellen sich bedeutende Schwierigkeiten dem entgegen: oft wird die Parascha ga nicht einmal 21 Verse enthalten; und daran ist gar nicht zu denken, daß jedes der 7 Stückchen einen passenden Schluß erhielte, was doch sehr zu wünschen wäre. Aber diesen Schwierigkeiten könnte abgeholfen und zugleich ein weiterer schöner Fortschritt erzielt werden, wenn gleichzeitig das „Aufrufen" abgestellt würde, welches durch das 3—7 und auch wohl 8malige Hin- und Znrückgehen der Aufgerufenen ebensosehr die Ruhe wie durch das gleich ofte Wiederholen der nämlichen Benedictionen die Weihe stört; auch würden bei einem dreijährigen Cyclus, wonach auf jeden Aufgerufenen nur drei oder vier Verse kommen, dieses rasche Hinnnd Hergehen und die 7 oder 8malige Wiederholung der Benedictionen offenbar noch ungleich störender sein. Bekannt ist aber, wieviel leichter eine Reform Eingang findet, wenn sie an Altes sich anlehnt; und in vorliegendem Falle könnte dies erreicht werden. Vor geraumen Jahren habe ich einmal in der Stuttgarter Synagoge die schöne Einrichtung wahrgeuommen, daß am Sabbat die 7 Männer, welche über die Tora den Segen sprechen sollten, sämmtlich schon vor Anfang der Vorlesung im Hintergründe des Almemmor in einem Halbkreise Platz nahmen, dann der Erste von ihnen vorgetreten den Segen sprach, während der Vorlesung des ersten Stückes neben dem Vorleser blieb, und nach seiner zweiten Benediction wieder zurücktrat, ebenso jeder Folgende derselben, und daß sie schließlich wieder alle zugleich sich zu ihren Tempelstellen zurückbcgaben. Dies verdiente sogar Nachahmung, wenn auch sonst nichts weiter hieran geändert würde. Allein nach Nech. 8, 4 kam es schon Uralters war, daß zu Hebung des Eindruckes den Vorleser eine größere Anzahl von Männern umgab; ferner haben noch zu unserer Zeit am 8imobas-tora die Cohanim und ebenso die Leviten gemeinschaftlich über die Tora den Segen gesprochen. Hierauf gestützt erlaube ich mir den Vorschlag, daß alle 3—7 Männer zugleich auf den Almemmor sich verfügen, zusammen die erste Benediction sprechen, sowie nach der ungetheilten Vorlesung zusammen die zweite Benediction, und dann sämmtlich zugleich zu ihren Tempelplätzen zurückkehren. Auch ist es wohl nur so möglich, die Sprechung der beiden Benedictionen noch durch die Vortragsweise zu verschönern. 4. Die Wiederholung der letzten Verse für den Maftir müßte wegfallen, dem einzigen schwachen Grunde für diese Wiederholung, daß auch dem Maftir ein Weniges aus der Tora vorgelesen werde, läßt sich dadurch Rechnung tragen, daß dieser unter den Olim-latora fidj befinde; und da hinfort wohl jedesmal der Geistliche die Haftara vortragen wird, so läßt sich eine würdige Sprechung der beiden Torabenedictionen noch leichter erzielen. 5. Hätte die nächste Versammlung sich darüber zu einigen, ob auch bei dem dreijährigen Cyclus jährlich 8iwebas-1ora gefeiert werden solle, und event. wie in den beiden ersten Jahren desselben. Was sodann die Haftaren betrifft, so begrüßeich zwar freudig den Beschluß, daß dieselben in der Landessprache vorzutragen seien, habe aber gegen die Beibehaltung der bisherigen und gegen den Vorschlag, für die übrigen zwei Drittel des dreijährigen Cyclus andere, biblische Stücke zu Haftaren auszuwählen, die ernstesten Bedenken. Nämlich 1. viele herkömmliche Haftaren eignen sich sehr wenig zu einem solchen Vorlesen, was