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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-03-02 · Heft 9 (2.3.1869) · p. Seite 169

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 9 (2.3.1869)
Date
1869-03-02
Page
Seite 169 (sequence 7)
Language
German
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m Werfen wir einen Blick in die hiesigen Parteiverhältnisse, so wäre zu erwähnen, daß die hiesige orthodoxe Partei seit der Errichtung der durch dieselbe in's Leben gerufenen israel. Bürgerschule ziemlich festes Posto gefaßt, und an Anhang zngenommen hat. Letztere wurde im Jahre 1861. und zwar in Anbetracht, daß die hiesige isr. Jugend zu sehr der Ignoranz auf religiösem Gebiete verfallen war, von einigen einflußreichen Vertretern der Orthodoxie gegründet, und an dieselbe eine äußerst tüchtige und befähigte Kraft in der Person des vr. Auerbach als Director berufen. Ein Beweis der Opfer, die diese Partei für ihr religiöses Princip bringt, ist der, daß sowohl die Kosten der Gründung der Schule, die Erhaltung derselben, als auch die Aufführung eines neuen, stattlichen Gebäudes im Gesammtbetrage von ca. fl. 35,000 von derselben Heils durch freiwillig geleistete Beiträge, theils durch Spenden beim Aufruf zur Thora rc. aufgebracht wurde, so daß die Erhaltung des Instituts eine völlig gesicherte ist. Der neologen Partei dagegen, obgleich dieselbe in überwiegender Majorität sich befindet, fehlt die zur Wahrung ihres Princips nöthige einheitliche Leitung, und bekundet dieselbe einen Egoismus in allen gemeindlichen Fragen, obgleich dieselbe durch die in den jüngsten Gemeindewahlen gewonnenen Erfahrungen und Resultate (sie unterlag nämlich der orthodoxen Partei) Veranlassung nehmen dürfte, die Hände etwas fleißiger zu regen, und nicht so gemächlich in den Schoos zu legen. Die von der neologen Partei errichtete Lehranstalt für Knaben ist nach kurzem Bestehen — aus welchem Grunde, ob wegen, Mangel an Theilnahme und Unterstützung, oder in Folge verkehrter Einrichtung, wissen wir nicht — eingegangen, trotz des von der Gemeinde bewilligten Zuschusses von fl. 1500, und ist nun mit der städtischen Real- und Lateinschule unter der Bedingung vereinigt, daß die isr. Gemeinde jährlich i/3 des Deficits zu decken hat. Auch der Gottesdienst in der Hauptshnagoge läßt trotz einzelner Reformen, die daran vorgenommen, viel zu wünschen übrig, wenn derselbe zur Erweckung religiöser Gefühle gepflegt und gefördert werden soll, und wären sowohl unsrer Gemeinderepräsentanz, als auch dem verchrl. Rabbinate die in Ihrer geschätzten Zeitschrift so gediegenen Abhandlungen betreffs des öffentlichen Gottesdienstes mit Orgel rc. sehr zur Aneignung und Beherzigung zu empfehlen. Es ist nicht zu leugnen, welch' maßloser Jndifferentismus bei der hiesigen neologen Partei in den meisten gemeindlichen Angelegenheiten herrscht, und dürfte derselben das einige, feste Zusammenstehen der orthodoxen Partei zur Nachahmung dienen, und sie zu ersprießlicherer Thätigkeit für die Gemeindewohlfahrt aneifern. Wir glauben, daß diese Andeutung genügt, vor Unterschätzung des Einflusses und der Macht der orthodoxen Partei zu warnen, und Anlaß zu größerer Rührigkeit und gemeinsamer Bekämpfung der Erbfeinde religiöser Freiheit, freier Wissenschaft und Erkenntniß seitens der neologen Partei bei der in diesem Jahr stattfindenden entscheidenden Gemeindewahl zu geben, woraus sich dann das Maaß der Begeisterung für Gemcindeangelegenheiten kundgeben dürfte, wenn zuweilen ein herausforderndes Signal dazu veranlaßt. Stuttgart, 17. Febr. (Schwab. Merk.) Wie der evangelischen Kirche des Landes, so soll auch der israelitischen Religionsgesellschaft eine Kirchenverfassung verliehen werden. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand werden seit längerer Zeit unter dem Vorsitze des Herrn Cultministers v. Golther gepflogen und auch im Laufe der Woche noch fortgesetzt. Die erste Frucht der Verhandlungen dürfte ein umfassendes Kirchenstatut sein, das, ehe in der Sache weiter vorgegangen wird, wahrscheinlich einer größeren Versammlung von Religionsgenossen vorgelegt werden dürfte. Diese Nachricht wird von den Israeliten des Landes freudig begrüßt, besonders der Umstand, daß das Laienelement in der isr. Oberkirchenbehörde auch Vertretung findet. Palästina. Bonn, im Februar. Wie wir in d. Bl. mitgetheilt, hat die All. isr. univ. sich dem Plane zugeneigt, eine jüdische Ackerbaucolonie in Palästina zu versuchen. Wir haben unsrerseits davon abgerathen, da weder die Bodennoch die klimatischen und politischen Verhältnisse günstig dafür sind und ähnliche Versuche von christlicher Seite und mit des Ackerbaus kundigen und gewohnten Leuten mißglückt sind und die darauf verwendeten Mittel verloren waren. Wir meinten, daß es viel wichtigere und näher liegende Angelegenheiten giebt, für welche unsere Aufmerksamkeit und unsre Kräfte noch nothwendig sind. Die in Paris erschei- 9

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