Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1869)
- Date
- 1869-02-23
- Page
- Seite 159 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Berg Moriah» war rings mit einem Walle umgeben, von dem bis jetzt hauptsächlich erst der südliche Zug erforscht ist. Auf dem Grunde des vom Tyropöonthale aufsteigenden Felsens ist zunächst eine Erhöhung von rohen Steinen und Erde aufgetragen, welche dazu diente, den Gipfel des Moriah-zu einer ebenen Fläche zu machen. Hierauf ruht ein Lauf von schräg behauenen Steinen in der Höhe von drei bis sechs Fuß, und hierauf ein „Wall aus rauhen Steinen, der mit den behauenen Steinen zusammengenommen eine Höhe von 36 Fuß erreicht, so daß der Gipfel des Walles 2436 Fuß über dem mittelländischen Meere liegt. Dieser südliche Wall ist nun durch drei Thore unterbrochen. Das erste, das sogenannte Einfache Thor, ist durch eine Art Spitzbogenwölbung geschlossen. Das zweite, das Dreifache Thor, besteht aus drei Durchgängen mit Tonnenwölbung. Endlich das dritte oder Huldah-Thor, ist wieder einfach, gleicht aber in seiner Construction dem Dreifachen Thore. Es scheint, daß diese beiden letzten Thore einer anderen Epoche angehören, als das sogenannte Einfache Thor. Im November 1868 wurde auch die Erforschung des Ostwalles begonnen. Der Felsen ist hier niedriger, als auf der Südseite; er ist weich und bröckelig. Der Eckstein des Südostwinkels ist zwei Fuß tief in den Felsen eingelassen, über den er noch zwei Fuß hervorragt. Nun kommt eine Reihe Steine, welche, roh behauen, eine Höhe von 41/2 Fuß haben. Ein dritter Zug Steine ist vier Fuß hoch; ein vierter 33/4 Fuß, ein fünfter, besonders sorgfältig ausgearbeiteter, 3-/3 Fuß. Auf diesen Steinen fand man vier Buchstaben, über deren Charakter, ob phönizisch oder hebräisch, man noch nicht einig ist. Sie sind 5 Zoll hoch, in rother Malerei, augenscheinlich mit einem Pinsel aufgetragen; wahrscheinlich sind sie Steinbruchmarken und also aufgetragen, ehe die Steine in die Mauer gefügt waren. Der Gipfel des Walls ist 2416 Fuß über dem Meeresspiegel. — Unter der Oberfläche der Haram-Area sind unzählige weite Wassergraben ausgehöhlt. Der „Große See" enthält eine Million Gallonen Wasser, ein anderer See in der Aksa 700,000 Gallonen, die Cisternen auf der Haram-Area zusammen fünf Millionen Gallonen. Im Westen der Aksa steht die Moschee dieses Namens, und unter ihr ist eine Cisterne angebracht, welche den Namen „die Quelle des Blattes" trägt. Ueber diese Cisterne existirt eine merkwürdige Legende. Ein Mann, welcher dort hinabstieg, fand eine Thür, die in einen prächtigen Garten führte: er pflückte ein Blatt von einem der Bäume ab und kehrte zu seinen Gefährten zurück, um ihnen das Gesehene zu erzählen. Einer von ihnen aber sagte ihm, er sei ein großer Thor, zurückgekommen zu sein, da er im Paradiese gewesen, in das er nicht so leicht wieder gelangen werde. Indem Lieutenant Warren diese Grube untersuchte, fand er auf ihrem Grunde einen merkwürdigen gewölbten Gang, der nach Westen führte, aber es war zu viel Wasser in demselben, um ihn zu erforschen. Nach der Voraussetzung des Lieutenants muß er aber nach dem sogenannten Koththore führen, vor dem viele Gärten lagen. Dies ist eine Probe, wie den örtlichen Sagen der Araber fast stets ein Faktum zu Grunde liegt. Unter der Aksa ist ein System von Gewölben, welches die „Ställe Salomon's" heißt, und in dem älteren Theile darunter fand man einen Gang von drei Fuß Breite, bedeckt mit großen Schwellen, und die Ueberbleibsel eines cementirten Aquädukts, mit einer Art von Stufe auf jeder Seite. Man glaubt, es sei der Gang, durch welchen das Blut der Opfer weggeführt wurde. Eine völlige Ausgrabung des Ganges ist unmöglich,' da die sogenannten „Ställe Salomon's" auf demselben ruhen, so daß eine Ausgrabung einen unermeßlichen Einsturz herbeiführen könnte. Die Pfeiler dieser „Ställe" sind in regelmäßigen Zwischenräumen geordnet. Westlich vom Moriah, zwischen diesem und dem Zionsberge, zieht sich das Kasemacherthal oder Tyropöon hin. Es wurde auf übereinanverstehenden Bogen eine Straße von dem Moriah zum Zionsberge hergestellt, welche eine Höhe von 120 Fuß über der niedrigsten Thalsohle hatte. Zuerst war dieser Viadukt nur 20 Fuß breit, und neben ihm wurden im Thale Häuser erbaut. Dann aber fand man es nothwendig, ihn bis auf 40 Fuß zu verbreitern, und man benutzte die unten errichteten Häuser, um auf ihnen die Bogen zu construiren. Nur die letzten 42 Fuß des Hochweges nach dem Haram-Walle hin, wurden durch einen einzigen schönen Bogen überbrückt, der noch existirt und nach dem schon erwähnten Kapitän Wilson genannt wird. Dieser Bogen mit seiner Höhe von 80—90 Fuß ist ein glänzendes Beispiel für die Bautüchtigkeit der Hebräer. Zahlreiche Wasserleitungen und Kanäle durchschneiden den Viadukt und das Käsemacherthal. Noch großartiger ist ein Bogen, „Robinson's Bogen" genannt, der vom Südwest-Winkel des Haram-Walles aus das hier sehr schmale, aber tiefe Kasemacherthal in einer Höhe von fast 120 Fuß überwölbt. Dies war indessen nur der ursprüngliche Bogen. Dieser wurde offenbar im Laufe der Zeit zerstört, wovon noch jetzt mächtige Quadersteine auf dem Boden des ehemaligen Thales Kunde geben. Dann wurden 32 Fuß von der untersten Thalsohle aus mit Steintrümmern gefüllt, die oben mit einem Pflaster bedeckt wurden, und hierauf erst der neue Bogen errichtet. Auf der Thalsohle zieht sich ein 111/2 Fuß tiefer und unten 6 Fuß breiter, in den Felsen gehauener Kanal hin, dessen eines Ende in einem Teiche, 30 Fuß südlich von Robinson's Bogen, gefunden ist. Es ist merkwürdig, wie von den Quellen oft geheime Gänge nach versteckten Gewölben führen; so z. B. von der Jungfrau-Quelle im Kidronthale nach der Höhe des Berges Ophel, des südlichen Ausläufers des Moriah. Wahrscheinlich wurde die Quelle, die außerhalb der Stadtmauern liegt, von außen vermauert und verborgen, wenn der Feind nahte, während die Belagerten