Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1869)
- Date
- 1869-02-23
- Page
- Seite 160 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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160 vom Ophelberge zu ihr htnabstetgen und Wasser holen konnten, ohne daß die Feinde es bemerkten. Weiter hinab das Kidronthal liegt die „Joab-Ouelle", über die es viele merkwürdige Ueberlieferungen giebt, die sie vielfach mit dem alten Tempel in Verbindung bringen. Sie ist indessen noch nicht genugsam erforscht. Hundert Fuß tief, steht sie anscheinend mit keiner Wafferrinne in Verbindung, und doch wächst sie nach einem starken Regen und fließt sogar über. Fünfhundert Ellen südlich davon befindet sich ein Platz, welchen die Araber „Stufenquelle" nennen, und von dem sie behaupteten, er stehe mit der Joabquelle in Verbindung. In der That entdeckte Lieutenant Warren einen Aquädukt, der von dieser Quelle in eine große, in den Felsen gehauene Kammer führt, welche unter dem „Stufenqnelle" genannten Platze liegt. Diese Leitung und Kammer dienten wahrscheinlich dazu, das bei Regengüssen überlaufende Waffer der Joabquelle aufzunehmen, vielleicht stehen sie auch mit dem Tempel in Verbindung, um dem von diesem weggeleiteten Unrath als Behältniß zu dienen. Wir haben schon des südlichen Moriahausläufers, des Ophels, erwähnt. Seine Ostseite, in südwestlicher Richtung von dem Südostwinkel des Haram laufend, ist durch einen sehr alten Wall geschützt, welchen Warren genau untersucht hat. Er ist 12 bis 14 Fuß dick und feine Grundlinie auf dem Felsen senkt sich von 2292'2 Fuß absoluter Höhe an jenem Südostwinkel bis zu 2275 Fuß an dem südlichsten bis jetzt untersuchten Punkte. Der Wall ist durchschnittlich 59 Fuß hoch und mit mehreren Thürmen befestigt. Der erste Thurm liegt 75 Fuß von dem Südostwinkel des Haramwalles und springt 6-/3 Fuß vor. Der zweite ist von dem ersten 310 Fuß entfernt, springt 62;3 Fuß vor und ist 22 Fuß lang. Vor ihm liegt noch ein Extrathurm, der weitere 16 Fuß vorspringt, und an den sich eine vordere Reihe von Befestigungen nach Südwesten hin geknüpft zu haben scheint. Wahrscheinlich wird zwischen Thurm 1 und 2 ein weiterer Thurm noch entdeckt werden, da die Entfernung zwischen beiden eine allzu große ist. Nr. 3 liegt 97 Fuß von Nr. 2, springt 6 >.'2 Fuß vor und ist 23 Fuß lang. Zwanzig Fuß über dem Felsen besteht der Wall aus rohen Bruchstücken. Hierauf liegt ein Gnrtsims von wohlbehauenen Steinen. Darauf befinden sich mehrere Züge von behauenen Steinen, die an wichtigeren Stellen, besonders an den Winkeln der Thürme, vollständig geglättet sind. Dies sind in großen Zügen die bisherigen Ergebnisse der Erforschungen des Palestine Exploration Fuml. Sie sind wichtig genug und stellen noch bedeutendere Resultate in Aussicht. Freilich gehören dazu starke Fonds, zu denen auch die Kontinentalvölker nach Kräften beitragen müssen. Wir halten es daher für unsere Pflicht, auch die Leser dieser Zeitung auf die so trefflichen Bestrebungen, auf ihre bedeutsamen Ergebnisse und auf die Pflicht aufmerksam zu machen, welche besonders die Abköinmlinge des Volkes haben, das jene großartigen, nun seit so langer Zeit zertrümmerten, aber noch jetzt in ihren Resten ehrwürdigen Werke gebaut hat. Möge sich unter ihnen so Mancher finden, der für die Alterthümer feiner Nation Sinn genug hat, uin der gedachten Gesellschaft einen Beitrag zuzuwenden.*) _ _ Dr. M. Philippson. *1 Die Adresse der Gesellschaft ist: Palestine Exploration Fund,!) Pall Mall East, London. Kleine Mittheilnngen. Je mehr die Juden sich in der Musik auszeichnen, um so weniger haben sie bis jetzt in der Malerei und Bildhauerkunst geleistet. Es ist deshalb doppelt erfreulich, daß — nach den Berichten des Educ. Isr. — wenigstens in der Malerei die Juden Italiens, des gelobten Landes dieser Kunst, mit Eifer und auch mit Erfolg thätig sind. Der Graf Corinaldi, ein eifriger Mäcen, hat unserm Glaubensgenossen Caratti ein Bild aufgetragen, welches den Pendant zu einem ausgezeichneten Gemälde des bekannten Malers Zona bilden soll. Noch einem anderen jüdischen Maler, Toniolo, hat Graf Corinaldi ein Bild aufgetragen. Für denselben Kunstfreund hat die israelitische Malerin Elisa Benata Beltrami drei Portraits und ein Seestück ausgeführt. Dieselbe Künstlerin hat vom König Biktor Emanuel eine goldene Medaille erhalten. Emire human um est! Auch in der jüdischen Presse des Auslandes finden sich öfters kleine Irrungen, die aus mangelhafter Kenntniß der Sachverhältnisse entspringen. So machte jüngst ein englisches Blatt den pietistischen und feudalen Hesekiel, den Verfasser des Buches über den Grafen v. Bismarck — zu einem Juden, wahrscheinlich vom Namen verleitet. — Bor einiger Zeit rühmte ein französisches Blatt Preußen wegen seiner liberalen Fortschritte, weil — in Jena ein Jude als Professor angestellt worden! Die Vergeltung spielt den Menschen oft einen argen Streich, und das alte Wort „Maaß umMaaß" findet öfter seine Bethätigung als man gewöhnlich annimmt. Im vorigen Jahrhundert lebte in Prag ein Graf Canal, der einen herrlichen Garten anlegte, und in seinem Testamente verordnet, daß jener für ewige Zeiten dem Publikum erschlossen bleiben sollte. Cr war enragirter Freimaurer, aber dies hinderte ihn nicht, am Eingänge des Gartens eine Tafel mit der Inschrift anzubringen: „Hunden und Juden ist der Eintritt verboten/' Nun, ein Jude, Namens Zedekauer, kaufte den Garten. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. Druck von Z. B. Hirschsetd. Verantwortlicher Redakteur tVZu. H. Lotze.