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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-23 · Heft 8 (23.2.1869) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 8 (23.2.1869)
Date
1869-02-23
Page
Seite 151 (sequence 11)
Language
German
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151 Spanien. Bonn, im Februar. Wir haben seit längerer Zeit über die jeweiligen Zustände in Spanien und die Aussichten für die Zukunft unsrerseits nichts verlauten lassen und zwar weil sich eben noch nichts klar erkennen läßt aus den Wirrsalen, die in diesem unglücklichen Lande vorwalten. Wer sorgfältig die Geschichte der Spanier seit 1808 überliest, der gewahrt, daß — abgesehen von einzelne n Militärausständen, welche nur die leitenden Personen wechselten, die Revolution nen in Spanien nur aus dem unerträglichen Druck und Elend entsprangen, worein die Mißregierung Staat und Volk gebracht hatte, daß nur in wenigen Köpfen und Herzen ein aufrichtiger Freiheitsdrang Triebfeder der Bewegung war, und gerade in diesen zur äußersten Exaltation umschlug, daß dagegen die Masse des Volkes von allem dem keinen Begriff hatte im innersten Herzen dem religiösen Fanatismus und dem Absolutismus zugeneigt war, und demnächst den Servilen und Ultramontanen bald ebenso wieder zujauchzte, wie kurz vorher den Helden der Freiheit; cs zeigt sich ihm ganz besonders, daß die Religions- und Cultusfreiheit, überhaupt der unumgängliche Kampf gegen die Herrschaft und den Besitz der Priester immer von Neuem die Klippe wurde, an welcher die Revolution scheiterte, und auf welche die Contrercvolution siegreich ihre Fahne aufpflanzte. Wir erkennen gern an, daß die immer wiederholte Strömung immer mehr Stücke von dem alten spanischen Festland des Absolutismus und Obscurantismus losreißt, und hegen daher die Hoffnung, daß einmal der Liberalismus dauernd siegen werde — nur daß wir noch nicht gewiß sind, ob es bereits diesmal der Fall sein werde. Thatsachen, die für die Macht beider sprechen, liegen vor. Die Petitton von 15000 Damen, zum Theil aus den höchsten Familien, gegen die Religionsfreiheit und für die katholische Einheit ist bekannt. Der Mord des Civilgouverneurs in Burgos, der factisch nicht allein die Geistlichkeit, sondern auch dem Pöbel von Burgos zugeschrieben werden muß und welcher gegen das Decret der provisorischen Regierung gerichtet war, durch das die Kunstschätze, Archive und Bibliotheken der Kirchen und Klöster unter die Aufsicht des Staates gestellt werden sollten, ist ein Fingerzeig mehr. Daß die provisorische Regierung allen Vorstellungen, Gesuchen und Forderungen, die Cultusfreiheit zu oecrettren, zum Trotz, einen solchen Erlaß versagt und den Cortes vorbehält, erweist nicht minder, daß sie ein solches noch nicht wagen zu können glaubt. Dagegen verhindert die provisorische Regierung die thatsächliche Uebung der Cultusfreiheit nicht und spricht dies auch geradezu aus; zweimal wurde auch bereits in Madrid ein protestantischer Gottesdienst von Engländern in einem Hause abgehalten, und z>var unter großem Zulaufe, ohne irgend eine Störung, wenn auch dem Besitzer des Hauses durch anonyme Briefe der Tod angedroht wurde, wenn er diese Ketzerei in seinem Haufe ferner dulden würde. An antiklerikalen Demonstrationen fehlte es auch nicht; als die Mordthat von Burgos in Madrid bekannt wurde, riß das Volk das päpstliche Wappen von der Nuntiatur, mißhandelte das Gebäude und verlangte die Streichung der Staatssubvention, die dem Nuntius gezahlt wird. Die Regierung that dies, suchte aber den Nuntius zu beschwichtigen und führte ihn ceremonicü in das Gebäude zurück. Daß also beide Strömungen mit nachhaltiger Kraft vorhanden sind, ist offenkundig; welche die Oberhand behalten, welcher die Cortes sich zuneigen werden, ist zweifelhaft. Auch 1856 wagten die Cortes nicht, die Cultusfreiheit zu votiren. Hier ist also nur abzuwarten, jede unruhige Hast kann eher das Gegentheil bewirken; haben sich erst die liberalen Ideen als nachhaltig in Spanien erwiesen, und ihre Herrschaft dauernd gemacht, so kann die Cultusfreiheit nicht ansbleiben. Es scheint uns daher nicht rathsam, die Cortes unsrerseits eher anzugehen, als bis sie über die Hauptfragen der politischen Reorganisation sich entschieden haben, und wir halten es bis jetzt noch von zweifelhaftem Werthe, daß Herr Guadala von London in Madrid eine Synagoge Herstellen will, wozu er eine schöne Thorarolle nach Madrid abzusenden im Begriffe steht. Wir glauben, dieser Herr sagt doch etwas zn viel, wenn er im Jew. dir. von sich selbst sagt: Er fühle sich bei dem herannahenden Purimfeste gleich Mordechai, wie dieser gegen Ende des Buches Esther bezeichnet wurde!! Die spanischen wie die auswärtigen klerikalen Blätter wüthen, wie sich denken läßt, gegen jeden Einbruch in die „katholische Einheit Spaniens/, worunter sie freilich die Inquisition, die Herrschaft, den unermeßlichen Rcichthum und die Steuerfreiheit der Priester verstehen. Jüngst fielen uns z. B. einige 8*

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