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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-23 · Heft 8 (23.2.1869) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 8 (23.2.1869)
Date
1869-02-23
Page
Seite 149 (sequence 9)
Language
German
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149 ist in der jüdischen Gemeinde fast einstimmig zu Gunsten der gemischten Schulen ausgefallen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pest, im Februar. (Privatmitth.) Daß die Juden, nachdem sie ihre Gleichstellung, also auch das aktive und passive Wahlrecht erlangt haben, gewillt sind, davon auch Gebrauch zu machen, kann nicht auffallen- Daß sie aber, ohne der politischen Partei, der sie angehören, ungetreu zu werden, innerhalb dieser Parteifärbung doch auch daran denken, im Interesse ihrer eigenen Stellung zu wählen, ist zwar gewiß gerechtfertigt, wird ihnen jedoch von radikaler Seite sehr übel genommen. Wir haben dieselbe Erscheinung berests in andern Ländern gesehen. Wir erinnern uns z. B. der Berichte aus Hamburg, welche diese Zeitung vor einigen Jahren brachte, daß nämlich, so lange die Rechtsgleichheit in Frage steht, die Radikalen für die Sache der Juden eintreten, sich aber sofort zu der letzteren Gegner machen, - wenn sie finden, daß nicht sämmtliche Juden Radikale sind, noch mehr, wenn die Juden irgend eine Selbständigkeit in ihren politischen Ansichten zeigen und der Meinung sind, daß es mit der faktischen Gleichstellung nach Erlangung einiger Gesetzesparagraphen noch immer nicht sehr fest steht und die desfallsigen Bestrebungen dafür noch nicht aufgegeben werden können; am meisten endlich, wenn sie finden, daß die Juden bürgerlich gleichberechtigt seien, aber ihre positive Religion nicht aufgeben wollen. Wir sehen dann oft die Radikalen auf's Heftigste gegen die Juden losfahren, und schließlich sich in diesem Punkte ziemlich den Feudalen gleich geriren und Spott und Verachtung über die Juden ergießen. Dies darf uns nun nicht irre machen. Wir brauchen einige namhafte jüdische Vertreter im ungarischen Deputirtenhause, wie wir ihrer ehemals in der französischen Deputirtenkammer selbst nach der Julirevolution bedurften, wie wie ihrer noch jetzt im preußischen Abgeordnetenhause bedürfen. Die Juden in Pest streben danach, die Wahl des Herrn Moritz Wahrmann zu sichern; die Regierung hat ihnen deshalb einen Compromiß angeboten. Wir gestehen, daß wir dergleichen Vorgänge nicht lieben, aber wenn sie unumgänglich, sahen wir sie schon zu oft auch von anderen Parteien, z. B. von den Radikalen mit den Klerikalen, vornehmen, als daß wir daraus ein politisches Verbrechen machen könnten. Uns kann nur die Frage obliegen, ob Wahrmann ein würdiger und befähigter Vertreter des ungarischen Volkes und insbesondere der Juden ist. Den Beweis erwarten wir, wenn der Gewählte im Hause thätig sein wird; ein Urtheil maßen - wir uns jetzt noch nicht an. — Von ungarischer Seite -übrigens reflektirt man jetzt in Pest zur Deputirtens wähl auch auf den bekannten Nationalökonom Horn? in Paris, Ungar und Israelit, ohne daß man bis jetzt ' weiß, ob er die Wahl annehmen, und seine sehr gün stigen Verhältnisse in Paris verlassen werde. — In den , öffentlichen Blättern werden immer mehr Stimmen von jüdischer Seite laut, welche die Auflösung des Congresses und zwar unter der Form einer Vertagung ad calendas graecas verlangen. — Die hiesige Gemeinde denkt gegenwärtig an die Wiederbesetzung deSdurch den Tod des seligen Weisel erledigten Rabbinates, will jedoch keine Concurrenz ausschreiben. Pest, 27. Januar. In der Pester Stadtrepräsentanz fand heute eine große Debatte über nichtconfessionelle Elementar- Schulen statt. Bei den in Zukunft auszuschreibenden Lehrerconcursen werden Befähigte aller Confessionen zur Bewerbung aufgefordert werden. Donaufürstenthümer. Bukarest, 26. Januar. Der Israelit. Rom. theilt ein Decret des Fürsten, gegengezeichnet von Ghika, mit, durch welches den Juden wieder gestattet wird, bei den öffentlichen Arbesten zu concurriren. Hier sprach allerdings der ökonomische Nutzen des Staates ebenso laut mit, wie die Gerechtigkeit , so daß wir daraus noch keinen besonderen Schluß ziehen können. Nur der maßlose Haß, der unter dem Ministerium Bratiano alle Schritte der Regierung gegen die Juden kennzeichnete, konnte sich zu solcher verkehrten und gemeinschädlichen Maßregel bestimmen. Biele Israeliten von Braila haben an das Ministerium ein Schreiben gerichtet, worin sie den Charakter als Rumänen beanspruchen, nur allein der rumänischen Gerichtsbarkeit unterworfen sich erachten, und die Theilnahme am Militärdienste fordern. Welche Antwort wird ihnen werden? Allerdings ist allen unsren Glanbensgenossen 8

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