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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-23 · Heft 8 (23.2.1869) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 8 (23.2.1869)
Date
1869-02-23
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
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146 Stuhlweißenburg, der das Vethältniß deS Rabbiners zur Gemeinde besprach, und ferner noch einige energische Worte des Präsidenten, in welchen er das Vorgehen der Orthodoxen in kurzen, aber markigen Worten bloßlegte. Der Entwurf der Commisston wurde mit überwiegender Majorität als Grundlage für die Specialdebatte angenommen. Samuel Singer. Literarischer Wochenbericht. Berlin, im Januar, nnw ■,,v<a5 (Gesänge Juda's, eine Sammlung hebräischer Gedichte) von Leo Go.rdon. Wilna 1868. 8. S. VIII. 140. (Sn Berlin vorräthig in der B. Baer'schen Buchhandlung). Ein Unglück für die neuhebräische Litteratur ist es, daß die Mehrzahl ihrer jetzigen Scribenten sich auf die Bersmacherei wirft. Wer einen Satz leidlich zusammenstellen kann, fühlt sich heut zu Tage in der Regel berufen den Pegasus zu besteigen, und dünkt sich ein Poet. Daher ist es gekommen, daß eine wahre Fluth von Dichtungen die heutige hebräische Litteratur überschwemmt hat, inhaltsleere Machwerke, die nicht nur dem Geiste der hebräischen Sprache, sondern auch aller Grammatik Hohn sprechen und den Geschmack der jüdischen Jugend, die sich mit dem Hebräischen befaßt, verderbt haben. Diesem Unwesen kann nur dadurch gesteuert werden, daß wahrhaft begabte Dichter ihre Gerstesproducte jenem Treiben entgegenstellen und den Geschmack zu veredeln bestrebt sind. Ein solches Ziel hat sich die Eingangs erwähnte Gedichtsammlung gesetzt, die unstreitig eine rühmliche Ausnahme von den wuchernden Alltagspilzen macht, und die hebräische Poesie kann sich zu diesem Zuwachs nur Glück wünschen. Der Verfasser ist in der jüdischen Litteratur als Meister in der Handhabung der hebräischen Sprache und durch seine kunstvollen Dichtungen hinlänglich bekannt, und seine größeren Werke, das Epos Ahavath David und Michal, und Mischls Jehudah, sind ihrer Zeit auch in diesen Blättern nach Verdienst gewürdigt worden. Die vorerwähnte Sammlung bekundet in noch höherem Maße das Talent und die Dichterader des Autors. Der Raum dieses Blattes gestattet uns nicht ein näheres Eingehen auf das Einzelne. Hervorheben wollen wir nur das erste Gedicht „zwischen den Zähnen des Löwen," das eine Episode aus dem jüdisch -rönüschen Kriege behandelt und gleichzeitig beherzigenswerthe Winke für die Gegenwart enthält. Voll herrlicher Gedanken sind die Gedichte „in den Tiefen des Meeres," „Osnath," „David und Barsilai." Wehmüthig ergreifend ist „die Frau und ihre Kinder," und als durchaus ansprechend in Form und Inhalt sind die zehn Sonnette (S. 70— 7 9) beachtenswerth. Die drei Elegien „auf dem Friedhof" fließen von Gefühl und reichen Gedanken über. Auf diese und die übrigen Lieder der trefflichen Sammlung können wir hier nur in Kürze verweisen. Wir sind aber überzeugt, daß jeder des Hebräischen kundige und fühlende Leser die genannten Formen und den Geist der Dichtungen bewundern und das Buch nicht unbefriedigt aus den Händen legen wird. Di. Ehrlich. Zeit un gs Nachrichten. Deutschland. Bonn, im Februar (Privatmitth.) Einige Streiflichter auf den gegenwärtigen Zustand des Unterrichtswesens in Preußen wird auch Folgendes werfen. In Posen besteht seit 1840 ein Erzieherinnen-Seminar. Ein Bericht über dasselbe im Decemberheft des „Centralblattes für die gesummte Unterrichts-Verwaltung in Preußen" besagt wörtlich: „Es mußte beabsichtigt werden, den Zöglingen des Seminars, die sich zu Erzieherinnen der Töchter höherer Stände ausbilden, auch eine Uebungsschule zu verschaffen, in der ihnen Gelegenheit gegeben würde, sich für den eine höhere Bildung bezweckenden Unterricht vorzubereiten. Es gelang allmälig, aus den Töchtern bedürftiger Subalternbeamten-Familien und den Töchtern, derjenigen besseren jüdischen Familien, welche die in die höhere Töchterschule nachgesuchte Aufnahme nicht erlangt hatten, eine vierklassige Uebungsfchule zu bilden, die zwar das Ziel einer höheren Töchterschule verfolgt, dasselbe aber nicht vollständig zu erreichen sich bestrebt, so daß die 4 Klassen derselben als die unteren und mittleren Klassen einer sechsklassigen höheren Töchterschule anzusehen sind." Die jüdischen Mädchen werden also hier als Unterrichtsmaterial für die Seminaristinnen angesehen.

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