Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1869)
- Date
- 1869-02-16
- Page
- Seite 138 (sequence 18)
- Language
- German
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138 und sein großer Kreis von Freunden sehen seiner Genesung entgegen.*) — Rev. Abraham de Sola wurde in London geboren. Sein Vater war einer der eminentesten hebräischen Gesetzausleger, und den theologischen und biblischen Kritikern durch seine vielen werthvollen Arbeiten wohlbekannt. Nachdem er die üblichen akademischen Studien gemacht, widmete sich der junge de Sola fast ausschließlich seinen Lieblingsstudien; und schon vor seinem zwanzigsten Jahre erhielt er mehrere Berufungen für ehrenvolle und einträgliche Stellen unter seinen Brüdern. Er nahm den Ruf der hebräischen Montreal-Gemeinde an und langte im Jahre 1817 in dieser Stadt an. Bald erwarb er sich das Vertrauen und die Zuneigung seiner Gemeinde und ist seitdem immer in den herzlichsten Beziehungen mit ihr geblieben. Während seines ersten Jahres in Montreal trug er der „Mereaniib* Library Association“ jener Stadt über die Geschichte der Juden in England vor. Auch las er dieser Gesellschaft und dem Institute der Mechaniker jeden folgenden Winter vor, so lange wie sie eine Reihe von Vorlesungen veranstalteten. Er ist der gegenwärtige Präsident der uaturgeschichtlichen Gesellschaft von Montreal. In dieser Gesellschaft las er auch über die Zoologie der h. Schrift, über die Weltschöpfuug und die Botanik in der Schrift. Im Jahre 1848 wurde er zum Professor der hebräischen und orientalischen Literatur in Mc-Gill College ernannt, und er ist seitdem den Pflichten seines Amtes immer zur Zufriedenheit aller Betreffenden nachgekommen. Verschiedenen periodischen Zeitungen lieferte er Artikel, unter denen besonders seine gelehrte Abhandlung über „Heilanstalten der Hebräer" zu bemerken ist. Unter seinen anderen Veröffentlichungen sind hervorzuheben: „Notizen über die Juden Persiens", „Hanagids Einleitung in den Talmud", „Der jüdische Kalender" lznsammen mit Rev. I. I. Lyons, von New-Aork!, und verschiedene Erziehungs-Werke. Außer seiner literarischen Thätigkeit hat sich Herr de Sola stets an jeder Bewegung betheiligt, welche das geistige Fvrtschreiten der Gemeinschaft fordert, der er angehört. Er wurde von verschiedenen literarischen und wisienschafrlichen Gesellschaften sowohl in Europa wie in Amerika zum Ehremnitgliede erwählt, und das Wohlwollen seiner Freunde machte ihn zum Empfänger mehrerer Beweise von schmeichelhafter und werthvoller Art. Rev. Mr. de Sola ist ein talentvoller Mann von höchst liebenswürdigem Charakter und ein Freund angenehmer Gesellschaft. Er ist groß, neigt etwas zur Korpulenz, hat breite, freundliche Gesichtszüge, dunkle Augen und dunkles Haar und ist zusammengenommen ein Muster eines gebildeten und feinen jüdischen Geistlichen. *) Seitdem das Obige geschrieben, ist, wie man uns berichtet, Herr Leeser der Krankheit erlegen und er schied am L Februar 1868 aus dem Leben. (Fortsetzung folgt.) Erinnerungen. Bon vr. L. Pb. (Fortsetzung.) Neben dieser dem Boden gewidmeten Pflege, neben dieser Verschönerung des ganzen Landes durch die Hand der Kunst, hatte der edle Fürst ganz besonders seine Aufmerksamkeit dem Erziehungs- und Unterrichtswesen zugewendet. Unter seiner Regierung, bald nach deren Beginn, waren in Dessau die praktischen Versuche mit der Erziehungslehre Rouffeau's und der Unterrichtslehre Basedow's vorgenommen worden, die in ihrer Art eine kulturhistorische Bedeutung für die ganze civilisirte Welt hatten. Freilich lag dies schon meiner Geburt weit voran, aber die Spuren waren noch sichtbar, einzelne übrig gebliebene Männer aus jener Zeit kannte ich noch, und der Geist, der in dieser Bewegung gelebt, wehte noch in meine Kindheit hinüber. Man pflegt jetzt vornehin auf viele Erscheinungen des vorigen Jahrhunderts zurückzublicken, und lächelnd die Achseln darüber zu zucken. Man thut Unrecht damit. Ich sehe davon ab, daß unsere Zeit und ihre Errungenschaften gar nicht möglich gewesen wären yhne diese fast durchgängig revolutionären Proccsse des vorigen Jahrhunderts, daß sie unsere Zeit vorbereiteten, daß wir auf den Schultern jener Männer stehen. Die Nachwelt erst wird in diesem Rangstreite zweier, einander so nahe berührenden Epochen ein gerechtes Urtheil fällen, die Vorzüge und Schwächen beider unparteiisch abwägen, und jeder von beiden ihr historisches Gebiet zuweisen. Im vorigen Jahrhundert mußte man überall aus veralteten, versteinerten, geistlosen Zuständen, denen aber gerade darum die ungeheure Wucht des Materiellen und Formellen cinwohnte, herauskommen, oder vielmehr Herausstürzen, die Schranken und Mauern mußten durchbrochen und niederaerissen werden; man sah sich va überall auf freiem Felde mit ungebahnten Wegen: die Ziele schaute man vor sich, aber die Pfade dahin bestanden noch nicht. Was Wunder, daß man da vielfach herumirrte, in den Mitteln sich vergriff, die Ziele ganz nahe sah, während sie noch in weiter Ferne standen, die Arbeit leicht nahm, während sie noch schwer und voller Mühsale und Kämpfe vorlag? Man bedurfte einer ungeheuren Kraft, um das Alte, Verkommene, Versteinerte zu zersprengen, und hatte da nicht gleich so viel an Kraft übrig, um auf festen Fundamenten gegründete und mit starken Mauern und geschlossenen Dächern versehene Gebäude aufzuführen. Man zimmerte leichte Sommerhäuschen, dünne Lustschlößchen, kleine Tempel, die nur aus einer kühnen Wölbung auf einigen schlanken Säulen bestanden, und glaubte bereits Wohnstätten und Prachtbauten für die Ewigkeit errichtet zu haben. Aber selbst dieses Gleichniß paßt nicht ganz, denn es giebt allerdings einige Monumente des vorigen Jahrhunderts, welche nicht allein noch durch unsre Zeit hoch aufragen, sondern für alle Zeiten in dem großen Westminster der Menschheit ihre Stelle behalten