Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1869)
- Date
- 1869-02-16
- Page
- Seite 137 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. FeiMcton-Seilagc M Ar. 7. Leipzig, den 16. Februar 1869. Die hervorragenden jüdischen Geistlichen in Amerika. iNach dem Phrenological Journal.] (Fortsetzung.) Rev. Jsaac Leeser ist ein geborener Westphaleund jetzt über 62 Jahre alt. Er wanderte schon sehr früh nach Amerika und wurde sehr schnell mit der Sprache und den Sitten der Ver. Staaten vertraut. Bei dem Tode des verstorbenen H. Keys, des Vorbeters an der Cherry Street-Synagoge in Philadelphia, wurde Herr Leeser zu seinem Nachfolger erwählt. Seine Talente machten ihn bald in seiner Gemeinde beliebt, und während einundzwanzig Jahre blieb er ihr Führer, bis eine neue Gemeinde, die Lei El Emeth, die in der Franklin-Straße ihr Gotteshaus hat, für ihn gebildet wurde, welche Stellung er jetzt noch inne hat. Vor beinahe vierzig Jahren (1828) begann Herr Leeser seine Thätigkeit für das Judenthum, indem er zu jener Zeit in der Stadt Richmond, wo er damals wohnte, ein Buch schrieb unter dem Titel „Die Juden und das mosaische Gesetz, enthaltend eine Vertheidigung der Offenbarung im Pentateuch, und der Juden wegen ihres Glaubens an diese." Diese Arbeit wurde in Philadelphia im Jahre 1834 veröffentlicht, nebst einer Reihe von „Essays über die relative Bedeutung des Judenthums und Christenthums". Herr Leeser war in hohem Grade ein öffentlicher Charakter. Neben der ernsten Aufmerksamkeit für seine eigene Gemeinde, bewies er, wo immer sich die Gelegenheit bot, seine Identität mit der jüdischen Sache durch seine Bemühungen für diese — einmal, indem er hunderte von Meilen reiste, um eine Synagoge einzuweihen oder eine Hochzeitsceremonie zu vollführen; ein ander Mal, indem er seine kräftige Feder für seine Brüder in Bewegung setzte, wenn sie in der öffentlichen Presse angegriffen oder geschmäht wurden. Er hat das Verdienst, der erste gewesen zu sein, der das Kanzelreden in der Landessprache eingeführt, und hat regelmäßig an Sabbathen und Festtagen seine Predigten gehalten, wenn er nicht durch Krankheit daran verhindert wurde. Herr Leeser besitzt zu einem Kanzelredner jede Befähigung. Obgleich er nun schon so viele Jahre öffentlich spricht, so haben doch seine Reden nichts von ihrer originellen Anziehungskraft verloren. Mit wenigen Ausnahmen hält er seine Predigten ex tempore, ohne Notizen oder Manuscript. Eine Eigenthümlichkeit, welche wir erwähnen müssen, macht sich dabei bemerkbar — seine Stimme und Art und Weise sind beim Beginn der Rede übereilt und etwas ängstlich!; aber wenn sein Gegenstand ihn ganz erfüllt und erwärmt, dann wird seine Stimme wahrhaft beredt, seine Bewegungen imponirend, und bald erweckt er in den Geistern seiner Hörer eine Sympathie für den Gegenstand, eine Bewunderung für den Sprecher. Seine Reden sind stets voller Kenntnisse, und seine allgemeine Bildung ist höchst umfangreich. Herr Leeser wird gerechter Weise als ein Mann der höheren Gelehrsamkeit angesehen. Er hat eine große Menge von Arbeiten geschrieben und übersetzt, unter welchen besonders seine werthvolle Uebersetzung des alten Testaments hervorragt, welche allgemein für die beste im Gebrauch befindliche angesehen wird. Neben diesem großen Werke hat er eine Reihe von Büchern gearbeitet, welche die täglichen Festgebete und eine Anzahl religiöser Abhandlungen, Katechismen, hebräischer Schriften u. dgl. umfassen. Er ist der Pionier der jüdischen Presse, da er den Occident, ein monatliches Magazin, vor fünfundzwanzig Jahren veröffentlichte, welches er noch mit Geschicklichkeit herausgiebt. Er hat gewiß mehr dazu beigetragen, die Intelligenz unter den Juden im Lande zu fördern und in ihnen eine Liebe zur ihrer Religion und ihrem alten Glauben zu erwecken, als irgend ein anderer Mann. Was die Anschauungen des Herrn Leeser betrifft, so ist er unnachgiebig orthodox, ein System, welches er immer von Anfang an vertheidigte; und für seinen Ernst und seine Beständigkeit wird er sowohl von seinen Freunden als von seinen Gegnern geachtet. Rev. Mr. Leeser hat nie geheirathet. Er ist von mittlerer Größe und schlank, hat ein rein geformtes Gesicht und langes graues Haar. Er leidet jetzt an einer ernsten Krankheit, welche ihn vor Monaten bei Erfüllung seiner Pflicht überfallen. Seine ihm ergebene Gemeinde