Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1869)
- Date
- 1869-02-16
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
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127 durch die Weisheit und den Liberalismus des hochher zigsten Monarchen von allen Fesseln für immer befreit worden, wie könnten wir uns selber ein Centralorgan schaffen, welches uns möglicherweise neue Bande schmieden könnte? Ein solches Centralorgan, welches man vielseitig als einen Popanz hinstellt, um etwa den Zwiespalt der Meinungen zu unterhalten, wodurch man die Einigkeit im Congresse zu gefährden sucht, damit ja nur kein ganzes, das Heil und die Ehre des ungarischen Israel begründendes Resultat zu Stande komme, ein solches Centralorgan existirt in unserem Entwurf nicht, ja ist selbst bis auf den leeren Schall des Namens aus demselben ferne gehalten worden." Nun ging der Redner mit einer gewissen Aengstlichkeit an die Begründung der Errichtung eines Landespräsidiums, welches halbwegs denn dock eine Central stelle ist. Er stellt dasselbe als ein absolut unentbehrliches Organ hin, welches die Wünsche der Gesammtheit zur Geltung zu bringen und deren Beschlüsse zu verwirklichen hätte; als ein Postulat, wie es jede Regierung an die im Lande befindlichen Confessionen stelle. „Würden wir es unterlassen, ein solches Organ zu schaffen, die Regierung würde, um die ihr anvertrauten staatlichen Interessen in dieser Richtung zu vertreten, selbst für einen Ersatz sorgen müssen . . . Meines Erachtens liegt in diesem Vorgänge eine große Jnconsequenz. Auf der einen Seite erhalten wir die Versicherung, daß eine Centralstelle selbst dem „Schalle des Namens" nach vermieden wurde, und auf der anderen Seite wird uns wieder die Errichtung eines Landespräsidiums, unbestreitbar auch eine Centralstelle, als ein unabweisliches Postulat, dringende Nothwendigkeit re. empfohlen! Bei uns zu Lande fällt das augenblicklich in die Augen, da bei uns die Autonomie, im Sinne der wiederhergestellten 1848er Gesetze, die vollste Geltung hat, ja ich möchte sagen, ein zu ausgebreitetes Terrain hat, da es z. B. in neuester Zeit oft der Fall, daß die Eomitate — auf ihre Autonomie pochend — sich den Verordnungen der Regierung widersetzten. Nach dieser kleinen Abschweifung wollen wir zur Rede des Dr. Popper zurückkehren. Der Redner verliert sich noch weitläufig über die im Congresse bereits mehrere mal zur Sprache gekommene Gewissensfreiheit, die in dem Commissionselaborate vollständig gewahrt wäre, und gibt ferner bekannt, daß die Commission auch noch folgende Gegenstände in ihre Berathungen eingezogen : Normativ für die Verwaltung des Schulfonds; gewisse Einführungs- oder Uebergangs-Bestimmungen, welche getroffen werden müssen, damit die zu schaffenden Landesstatuten ins Leben treten können; die mit der Leickenbestattung und Friedhöfeverwaltung zu treffenden Bestimmungen; Vorlage eines Musterstatuts, als Bei spiel, wonach eine jede Gemeinde sich selbst zu organisiren hätte. Zum Schluffe ergeht sich Herr Dr. Popper in die, bisher schon bis zur Abgedroschenheit, oder sagen wir besser, bis zur Abgeschmacktheit tausendmal wiederholte, hier bereits stabil gewordene Redensart: „wenn es je eine Versammlung von frei gewählten Volksvertretern gegeben hat, welche die ihr gestellten, großen Aufgaben znr Begründung und Beförderung des Gemeinwohls in einer gewissen bedeutungsvollen Richtung mit namhafter Hingebung und Begeisterung erfaßt hat, so darf dies, ohne Ueberhebung sei es gesagt, von dem ersten ungarischen israelitischen Landescongresse zugestanden werden. Dieser israelitische Landescongreß — möge es auch versucht werden, das Bild dieses culturgeschichtlichen Ereignisses zu verzerren — hat eine hohe Mission zu erfüllen." Diese bombastischen Worte mußten dem Nüchterndenkenden in dem sonst so ausgezeichneten Berichte auffallen. Stach dem, hier im Auszuge mitgetheilten Berichte entspann sich eine unerquickliche und im höchsten Grade aufgeregte Debatte über die wirklich so geringfügige Lappalie, ob die Generaldebatte über die vorliegenden Elaborate bereits am Montag oder erst Mittwoch beginnen soll. Die größte Erbitterung erregte bei der Linken eine, dem Herrn Paul Wallfisch entschlüpfte, vielleicht etwas unparlamentarische Redeweise, indem er von einer „muthwilligen Zeitverschleppung" sprach. Die hintersten Reihen der Orthodoxen, die Ultras — vom Schlage der Nichtschreiben- und Nichtlesenkönner — schickten bei dieser Gelegenheit das erste Mal ihre Getreuen ins Treffen. Im schlechtesten, unverständlichsten Jargon wurde da zusammengesprochen, was das Zeug hielt. Ja, ein alter Mann behauptete sogar, daß er nur deshalb das Wort ergriffen, weil ihm die Brust zu bersten drohe, wenn er sich nicht sogleich durch einige Sätze Luft mache. Die leidige Affaire endigte damit, daß die Generaldebatte auf Mittwoch verlegt wurde. Montag den 1. Februar findet eine öffentliche Sitzung statt, in der einige vorliegende Anträge zur Verhandlung kommen werden. Unter denselben will ich denjenigen des