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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-16 · Heft 7 (16.2.1869) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 7 (16.2.1869)
Date
1869-02-16
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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im Pest, 29. Januar. Der Myarisch-ijraelitischr Longreß. VI. Nun endlich sind wir am Ende des Anfangs angelangl. Heute bin ich doch in der Lage Ihnen Erfreulicheres mitzutheileu, als ich das in meinem früheren Berichte thun konnte. Die Gemeilldeorganisationscommission hat nämlich in der gestrigen (14.) öffentlichen Sitzung ihr Elaborat dem Congresse unterbreitet. Wir wissen es den Mitgliedern dieser Commission Dank, daß; sie es durch ihre angestrengte, früh und Abend unausgesetzte Thätigkeit endlich einmal dahin gebracht haben, - daß wir ein greifbares Resultat der Thätigkeit des Eongrosses zu Gesicht bekamen. Es war dies um somehr; bereits eine nnabweisliche Nothwendigkeit, als die öffentliche Meinung nur schon zu laut gegen ein solches Muuunenschanzgebaren von Parlamentspielen, welches bis heute beobachtet wurde — gesprochen, nachdem sie lange genug auf den Wartesvld gesetzt wurde. Lautlose Stille herrschte im Saale, auf allen Gesichtern war die gespannteste Aufmerksamkeit zu lesen, als der Berichterstatter dieser Commission, Oe. Leopold Popper, Abgeordneter für Miskolz, die Tribüne bestieg, um das Elaborat auf den Tisch des Präsidenten niederzulegen und dasselbe mit einigen beleuchtenden Worten zu begleiten. Aber diese wenigen Worte gestalteten sich zu einer solch' brillanten, wohldurchdachtcn und eindrucksvollen Rede, wie sie im Congresse noch nicht gehört wurde. Der einmüthigste und enthusiasmirteste Zuruf seiner Gesinnungsgenossen mochte Herrn Dr. Popper überzeugt haben, wie sehr er aus dem Herzen Aller gesprochen, die sich zur Fortschrittspartei bekennen, ebenso wie die oft wiederholten Ohorufe von der entgegengesetzten Seite die in meinem letzten Briefe ausgesprochene Voraussetzung rechtfertigen, daß die Orthodoxen an dem Elaborate der Majorität mitberathen werden, diese Majorität wird — von einer vielleicht oder ganz gewiß zu großen Friedensliebe geleitet — denselben die eine oder die andere Concession machen, wodurch ihr Elaborat nur verdorben wird, und schließlich treten sie dennoch mit einem Separatvotum auf. Ja, wenn sie's nur bei dem einen bewenden ließen. Wre die Pilze schießen sie hervor. Außer dem, im Namen der ganzen Partei eingel gebenen Separatvotum liegt noch ein Sondergutachten! des Herrn Emanuel Eisler vor und -haben wir — wie ich von gutunterrichteter Seite erfahren — in den allernächsten Tagen noch ein solches Sondergutachten ebenfalls von orthodoxer Seite zu gewärtigen. In der obenerwähnten Rede entwickelte Herr Dr. Popper die Principien, welche die, vom Congresse Behufs Ausarbeitung eines Gemeindeorganisationsentwurfs entsendete Commission bei Lösung ihrer Aufgabe geleitet haben. Nachdem Redner in einigen Worten dem Schmerze Ausdruck verliehen, daß er nicht in der angenehmen Lage sei, den „hiermit vorgelegten Commissionsentwurf als den Ausfluß der Uebereinstimmung in den Ansichten sämmtlicher Commissionsmitglieder zu bezeichnen" geht er zur meritorischen Darlegung dieser leitenden Principien über. „Die Grundideen des vorgelegten Entwurfes wurzeln einerseits in der unerschütterlichen Treue und Anhänglichkeit, mit welcher wir an dem nach so vielen, beispiellosen Prüfungen abermals in seine Rechte wieder eingesetzten Glauben unserer Väter festhalten; andrerseits entsprangen die uns leitenden Ideen aus der Ueberzeugung, daß, wie jede gleichberechtigte Confession in unserem geliebten Vaterlande den geänderten Beziehungen eines modernen Rechtsstaates volle Rechnung tragen müsse, auch wir uns dieser gebieterisch an uns herantretenden Forderung nicht länger verschließen dürfen, ohne den theuersten, gerade mit unserem confessionellen Leben eng verbundenen Jutereffen die empfindlichsten Nachtheile zuzufügen." Nun ergeht sich der Redner in eine kurze Rechtfertigung dieser zweifachen Rücksichten und sagt ferner: „Ein oberstes Princip erblickten wir in dem auf allen socialen und staatlichen Gebieten der Gegenwart sich immer mächtiger gellend machenden Grundsätze der Autonomie, der freien Selbstbestimmung." Redner führt den Nachweis, daß „die Autonomie, diese felsenfeste Grundlage jeder echten Volksfreiheit, vom Urbeginne an mit den Institutionen des Judenthums auf das engste verwachsen war." Als zweiten leitenden Grundsatz führt Redner „die Vermeidung jeder Bevormundung oder Centralisation" an. „Wir konnten diesen Grundsatz um so leichter zur Geltung bringen, als bei uns auf confessionellem Gebiete die Nothwendigkeit des Centralisirens in einem bei Weitem geringeren Maße obwaltet, als auf dem der politischen Administration. Sind wir Israeliten in Ungarn und Siebenbürgen durch die Macht der Zeitideen,

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