Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1869)
- Date
- 1869-02-16
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226690-3226698--26909-3262465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
128 Herrn Salonion Beutu m hervorheben, welcher nichts Anderes enthält, als, da die Juden Siebenbürgens durch keinen Haynau'schen Erlaß dazu gezwungen waren, eine Blutsteuer zu zahlen, aus welcher der so oft erwähnte Schulfond besteht, aber dennoch an den Segnungen desselben participiren werden, sollen die Juden Siebenbürgens die auf sie entfallende Quote jetzt bezahlen. In der Schulcommission ist endlich auch die Seminarfrage aufs Tapet gekommen. Das minutenlange Stillschweigen, welches vor der Berathung herrschte, unterbrach Herr Israel Grün, ein Siebenbürger Orthodoxe, indem er sich dazu hergab, den so vielfach aufgeworfenen Satz zu wiederholen, die Seminarfrage involvire eine religiöse Frage. Die Anhänger der Fortschrittspartei sandten nun alles, was sie an Gegengründen Vorbringen konnten, ins Gefecht. Vorzüglich war es Rabbiner Hochmuth, der diese Frage von allen Seiten beleuchtete. Ein sonderbar naives Geständniß förderten die Berathungen dieser Commission zu Tage. Herr Vicerabbiner Ferdinand Fischmann aus Preßburg sagte nämlich, der Rabbiner oder Prediger bedürfe keiner homiletischen oder sonstigen Kenntnisse, es genüge Mischnah und Thora — wie dies das Beispiel seiner selbst beweist. Wer ihn aber predigen gehört, diesen Herrn, der gehört auch zu Denjenigen, die da sagen „einmal und nicht wieder." Schreiber dieses war es gegönnt, einer solchen Predigt angewohnt zu haben; was er da zu hören bekommen, überstieg — die unzähligen Sprachfehler abgerechnet — alle seine Erwartungen l? Bei fortlaufender Thätigkeit wird auch diese Commission bald in der Lage sein, dem Plenum ihr Elaborat vorzulegen. Daß es auch da Separatvota regnen wird — brauche ich vielleicht gar nicht zu sagend) Samuel Singer. *) Nach den neuesten Nachrichten haben die Orthodoxen („die Linke" im Congreß) in den Sitzungen vom 3. und 4. Februar unter furchtbarem Tumult den Sitzungssaal verlassen, und sind am 5. nicht wieder erschienen. Es fand die Generaldebatte über den Gemeindestatutenentwurf statt, und abwechselnd sprach ein Redner von der einen wie von der andern Seite. Von beiden Seiten sielen harte Worte, aber die Orthodoxen nahmen irgend einen Ausfall zum Vorwand. Näheres in nächster Nummer. Redaktion. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 8. Januar. 'An Schriften kleineren Umfangs kamen uns in diesen Tagen folgende zu: Geschichte der Herzoglichen Franzschule (Handelsschule) in Dessau von ihrer Entstehung 1799, bis zu ihrer Auflösung 1869. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Gu stav Philippson, Lehrer au der Herzoglichen Franzschule. Dessau, A. Desbarats, 1869. Dieses Schriftche» bietet ein gutes Stück jüdischer Culturgeschichte dar, und besitzt so nicht blos vom pädagogischen Standpunkte aus mannigfaches Interesse. Ein eigenthümlichcs Gefühl beschleicht uns, wenn wir erwägen, wie dieses Dessau — nicht etwa als Geburtsort Mendelssohns, denn das war Zufälligkeit und hatte weder für Mendelssohn noch für Dessau eine besondere Wirkung — eine wichtige moderne jüdische Eulturstätte war, und jetzt als solche aus der Reihe der strebsanieu Gemeinden geschwunden ist. Mit Recht führt der Verfasser die Entstehung der Franzschule auf den allgemeinen Einfluß zurück, welchen Mendelssohn auf die Judenheit geübt hatte. Aber er hätte auch andrerseits ausführcn oder wenigstens andeuten müssen, daß gerade Dessau für das pädagogische Streben ein besonders günstiger Platz .war, da hier unter der Aegide des Fürsten Leopold Franz sehr viel für Pädagogik geschehen, geschaffen und experimentirt worden. Wir erinnern an das berühmte Philanthropin, an Basedow, seine Anhänger und Nachfolger. Darum auch die sofortige Geneigtheit des Fürsten, die jüdische Schule unter seinen Schutz zu nehmen, ihr seinen Namen zu geben und ihr eine jährliche Geld- und Holz-Unterstützung zu gewähren — das erste derartige Beispiel in der ganzen Geschichte des Judenthums; daher auch die Bereitwilligkeit tüchtiger christlicher Lehrer, an der jüdischen Schule mitzuwirken, und von Seiten der Juden die Geneigtheit, solche Kräfte zu benutzen. Es ging dies aus einem Geiste der Humanität hervor, der das Dessauer Ländchen durchwehete, trotzdem die mittelalterlichen Einrichtungen von Judenschutz, Leibzoll, Beschränkung der Niederlaffung, Beschränkung der Juden auf gewisie Stadttheile, Nichtaufnahme der Juden in die Zünfte u. s. w. noch in voller Kraft bestanden und zum größten Theile erst 1848 beseitigt wurden. Auf diesem Boden erwuchs die Franzschule, und nun mögen unsere Leser nach dem interessanten Schriftchen selbst greifen. — Bibliai Törtenetek, Olvasökönyv izraelita Iskoläk szämära. Irta