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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-09 · Heft 6 (9.2.1869) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 6 (9.2.1869)
Date
1869-02-09
Page
Seite 119 (sequence 19)
Language
German
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119 Gesundheitszustand, und während sie ihn als Rabbiner behielt, mußte sie das Predigen seinem Ermessen überlassen. Dr. Raphall ist von mittlerer Größe und sehr korpulent. Sein Gehör hat sich sehr geschwächt. (Er ist seitdem verstorben.) — Rev. Samuel M. Jsaacs wurde zu Leeuwarden in Holland, im Januar 1804 geboren. Sein Vater war ein Banquier in jener Stadt, aber da er sein ganzes Vermögen während des französischen Krieges verlor, wunderte er nach England aus. Er nahm dort die Stelle eines Rabbiners an, und unterrichtete seine fünf Söhne, damit sie Lehrer in Israel würden. Bier von ihnen ergriffen diesen Stand, einer starb vor mehr als dreißig Jahren. Ein anderer erhielt einen Ruf an die Gemeinde von Sidncy in Australien; zwei Jahre darauf starb er. Ein dritter, Rev. Professor D. M. Jsaacs, ist jetzt Geistlicher einer großen Gemeinde in Manchester in England, und wird sehr geachtet wegen seiner schönen Talente und merkwürdigen Beredtsamkeit, da er der vorzüglichste Kanzelredner — in der englischen Sprache — unter den englischen Juden ist. Der Gegenstand dieser Skizze nun war mehrere Jahr Vorsteher einer Erziehungs- und Wohlthätigkeits-Anstalt in London, unter dem Namen Neve Tsedek bekannt. Im Jahre 1839 erhielt er einen Ruf von der alten Elm-Sireet- Synagoge in New-Aork, und kam er im Herbste jenes Jahres in dieser Stadt an. 1845 bildete sich eine neue Gemeinde aus dieser und er wurde zu ihrem Geistlichen erwählt. Dies war die ^Voo8ter-8w66l-Synagoge, welche 1845 erbaut wurde; aber da sie der Veränderung der oberen Stadt weichen mußte, wurde sie 1864 verkauft. Die Gemeinde, unter dem Namen Shaara Tefila oder die Pforten des Gebetes bekannt, übernahm dann das Gebäude an der Ecke der 36. Straße und des Broadway, welches sie augenblicklich noch einnimmt, bis ihre neue Synagoge fertig ist, ein Gebäude, welches jetzt in der West 44. Streel nahe der 6. Avenue erbaut wird. Nev. S. M. Jsaacs könnte der Vater der jüdischen Geistlichkeit in dieser Stadt genannt werden, da er hier länger als irgend ein anderer Geistlicher wohnt. Seine Reden in der alten Elmstraßen-Synagoge pflegten eine Menge von Besuchern anzuziehen — auch Christen in großer Anzahl, da er natürlich in englischer Sprache vortrug; und so wenig war damals von den Juden und dem Judenthum bekannt, daß die Leute sehr erfreut waren, über diese Gegenstände unterrichtet zu werden. Ehedem Vorbeier sowohl als Prediger, fanden seine Reden nur alle vier Wochen statt, aber seit der Verlegung der Gemeinde hat er seine Kräfte ausschließlich den Pflichten des Preoigers gewidmet, und er spricht regelmäßig einen Samstag um den andern. Er wird allgemein von seinen Glaubensgenossen in diesem Lande geachtet, denen kein Rabbiner ausgedehnter bekannt ist. Sein langer Aufenthalt hier, seine Beziehung zu der Presse und feixt eigener untadelhafter^Charakter vereinigen sich, ihm einen umfassenden Ruf zu geben. Er ist jetzt 64 Jahre alt und erfreut sich vortrefflicher Gesundheit, die er seinen regelmäßigen Gewohnheiten und seinem unermüdlichen Fleiße verdankt. Er steht sehr früh auf und wohnt jeden Morgen dem Gottesdienste vor sieben Uhr bei. Er hat eine Frau und acht Kinder, von denen zwei ihm bei der Herausgabe des Jewisli Messender beistehen — eines wöchentlichen Journals von großer literarischer Geschicklichkeit, welches er die letzten elf Jahre hindurch herausgegeben. Er ist mit allen jüdischen WohlthLtigkeitsanstalten dieser Stadt bekannt, von denen er manche mit errichten half. Rev. M. Jsaacs ist von mittlerer Größe, von sehr thätigem Temperament, hat ein klares braunes Auge, sein Haar ist mit Grau gesprenkelt, sein Bart weiß. Sein Charakter bezeugt Liebenswürdigkeit, Wohlthatigkeit, Frömmigkeit, Festigkeit nnd einen frischen Humor. (Fortsetzung folgt.) Ein neues exegetisches Curiosum. Frankfurt a. d. Oder, 18. November Dr. G. Barzilai in Triest, — derselbe Gelehrte, von welchem (wie in dieser Zeitung bereits 2 Mal zu lesen war) der Sonnenstillstand desJosuain das Phänomen einer Sonne n sin st er n iß umgewandelt worden, — hat jetzt eine andere Bibelstelle, und zwar die Salzblock-Metamorphose des Weibes Lot's (Gen. 19, 26), zum Gegenstände einer kritischen Studie gemacht und auch hier einen Irrthum, der bisher von Niemandem erkannt wurde, nachzuweisen sich bemüht. Das betreffende Schriftchen, vor Kurzem in Triest erschienen, heißt: „La staiua di sale“ (Die^ Salzsäule) und stellt sich die Aufgabe, die Verse 23—26 im 19. Capitel im 1. Buch Moses so zu erklären, daß mit deren Schlußsatz nb?a a^x: 'n.ni nicht Lot 's Frau, sondern nur die Ge'gend'von Sodom rc. gemeint sei, daß also nicht jene, sondern diese zu Salzmasse geworden wäre. — Und wie sucht der gelehrte Italiener diese wunderbare Entdeckung aus dem Texte heraus-, oder vielmehr in denselben hin einzulesen? — Man höre und staune! — Der Vers nba a’ss 'irtrn T-nNu irnps aarn wird zerrissen, und der Nachsatz auf den Schluß von V. 25, nvLi. bezogen, der Vordersatz dagegen mit dem Schluffe von V. 23, Na aibi, verbunden. Das -tutn „sein Weib" in V/26 könne, me der Vers, ansführt/ zu dem unmittelbar ihm Vorangehenden schon darum in keinerlei Beziehung stehen, weil hier von Lot selber gar nicht mehr gesprochen werde. — Und, in der That, ist in den Versen 24 und 25 nur von der Katastrophe — und auch nicht mit einem Wort von der aus ihr geretteten Familie — die Rede. — Daß aber der Satz: „Und sein Weib schaute hinter ihn" dem V. 23, welcher lautet: „Die Sonne ging auf über der Erde, da Lot in Zoar ankam," anzureihen sei, will der

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