Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1869)
- Date
- 1869-02-09
- Page
- Seite 118 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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118 wickelt worden sein, welche sie während tausend Jahren zu ertragen hatten; und wekin ein Charakterzug deutlicher als ein anderer in dem Juden ist, so ist es Ausdauer, Hartnäckigkeit und unabänderliches Festhalten an dem einmal gefaßten Vorhaben. Ehrerbietung für die Vergangenheit; eine Neigung, ihre ehrwürdigen Väter zu ehren; eine Vorliebe, alle Wechsel der Geschicke der Kinder Israels seit der Zeit, wo sie von Canaan nach Aegypten wanderten, bis zur Gegenwart, zu erzählen, haben dies Gefühl gekräftigt und gereift. Sie sind die Conservativen der Welt. Die Organe, welche eine Neigung für die Veränderung, die Reform, neue Ideen, Erfindung, Verbesserung und Entdeckung bekunden, sind bei ihnen nicht hervortretend durch Causalitätssinn, Construktionssinn und Phantasie angezeigt. Sie sind indessen mehr musikalisch und künstlerisch, als erfinderisch. In ihren Gesichtszügen variiren sie, je nach dem Lande, dem Klima, der Race oder dem Stamme, von dem sie kommen. Es giebt brünette uud blonde Juden; jene aus Polen, Spanien und Italien sind im Allgemeinen dunkel, während die aus Deutschland, Ungarn und Nordeuropa oft helle Haare und blaue oder graue Augen haben; doch in dieser Hinsicht sind sie wie der übrige Theil der Welt, gemischt. Die Nase ist vielleicht der bemerklichste Theil in dem Gesicht des Hebräers. Das Kinn ist auch hervortretend, und der Backenknochen nähert sich dem des nordamerikanischen Indianers. Doch wir brauchen nicht weiter zu spezialisiren. Jeder Leser mag für sich selbst beobachten und in Betreff dieser und anderer Angelegenheiten zu seinen eigenen Schlüssen gelangen. Rev. Morris Jakob Raphall, wurde zu Stockholm in Schweden am 3. Oktober 1798 geboren. Sein Vater, der zu jener Zeit Banquier des Königs von Schweden war, hatte zwei Söhne, welche im Jahre 1803 beide gefährlich erkrankten, und der alte Herr gelobte, daß wenn Gott das Leben eines seiner Söhne schonen wollte, er ihn zum Dienste seines Schöpfers erziehen wolle. Der ältere, Raphael, starb, während der jüngere, Morris, am Leben blieb und sofort seine ernsten Studien beginnen mußte. Im Jahre 1807 wurde er nach Kopenhagen gebracht, wo er während der ganzen Zeit des englischen Angriffs verblieb. Er trat in die hebräische Grammatik-Schule, wo er große Geisteskräfte zeigte, so daß er an seiner Bar Mizwa zum Chober oder Genossen der gelehrten Männer ernannt wurde. In Begleitung seines Vaters ging er nach England, widmete sich dem Studium der Sprachen, reiste durch Frankreich, Deutschland und Belgien, und, nach England zurückgekehrt, heirathete er und hatte sechs Kinder, von denen das älteste und jüngste starb, die andern blieben leben. Nachdem er seine Kräfte als Kämpfer gegen die Gesellschaft für Verbreitung des Christenthums unter den Juden und als Vorleser hebräischer Poesien versucht, begann er sein Leben als Autor durch Herausgabe des „Hebrew Keview, or Magazine of Jewish Literatlire, “ von dem jede Woche ein Bogen erschien. Dieses Werk zog allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, sowohl von Juden, als auch von Christen, und noch bis zum heutigen Tage ist ihm kein ähnliches jüdisches Blatt in England gleichgekommen. Er war jedoch am Ende des Jahres 1836 genöthigt, es aus Gesundheitsrücksichten aufzugeben. Schon früher hatte er die Aufmerksamkeit des verstorbeneu Rev. Dr. Salomon Hirschell, des Oberrabbiners der Juden von Großbritannien, auf sich gelenkt, als dessen Ehrensekretär er die Geschäfte führte, während er zu derselben Zeit die Übersetzungen von Maimonides, von Rabbi Joseph Albo, Rabbi Hertz Wessely, und Originalarbeiten über den Ursprung und Fortschritt der Literatur unter den spanischen Juden, über die Geschichte des hebräischen Königthums, über die religiösen Vorschriften der Juden rc. herausgab. Zusammen mit dem Rev. David A. de Sola veröffentlichte er eine Uebersetzung von achtzehn Abhandlungen aus der Mischna, und dann eine Uebersetzung des Pentateuch, von der jedoch nur ein Band veröffentlicht wurde. Im nächsten Jahre wurde er zum Prediger der Synagoge und Lehrer der Schule zu Birmingham erwählt, wo er acht Jahre blieb. Zu dieser Zeit und immer seitdem galt er für den beredtesten Redner und den Schreiber des reinsten Englisch unter den Juden. Sein Leben in Birmingham war den besten Interessen des Judenthums überaus förderlich. Da er einen bedeutenden Antheil an der Errichtung der hebräischen Schule nahm, bewog er seine talentvolle Landsmännin, Jenny Lind, in einem Concerte zu singen, mit dessen Ertrage von 1800 L. St. die Schuld der Schule vollständig bezahlt wurde. Auch besuchte er mehrere der Hauptstädte Englands und las über hebräische Literatur, jüdische Geschichte und viele andere Gegenstände. In dem Jahre 1849 jedoch verließ er die Stellung, die er in Birmingham einnahm, und kam nach New-L)ork herüber, wo er sogleich zum Rabbiner und Prediger der Gemeinde B'ne Jeschurun erwählt wurde. Als Prediger in der Synagoge zeigte er sich beredt und eindrucksvoll, die jüdische Religion in ihrer Reinheit darstellend und sie verteidigend, wo sie auch immer angegriffen wurde. Zur selbigen Zeit besuchte er auch Philadelphia, Boston, Cincinnati, St. Louis und viele andere Hauptstädte der Republik, wo er überall gleich von den Juden als weiser Rabbiner und von den Christen als bedeutender Gelehrter bewundert wurde. Im Jahre 1861 wurde er nach Washington berufen, wo er das Repräsentantenhaus mit einem Gebet eröffnete, welches sehr bewundert wurde. Er hat auch mehrere Werke geschrieben, unter welchen wir die Andachtsübungen für Israels Töchter, die nachbiblische Geschichte der Juden und noch mehrere andere Bücher nennen wollen. In der jüngsten Zeit hat sich Dr. Raphall vom aktiven Dienst zurückgezogen, da er zu schwach war, um regelmäßig den Pflichten eines Rabbiners und Predigers nachzukommen. Die Gemeinde erkannte seinen schwachen