Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1869)
- Date
- 1869-02-09
- Page
- Seite 117 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung -es Zu-enthums. Feuilleton-Beilage )u Ar. 6. Leipzig, den 9. Februar 1869. Die hervorragenden jüdischen Geistlichen in Amerika.*) In New-Aork erscheint eine Monatsschrift „American Phrenologieal Journal on Life, Illustrated,“ heransgegeben von S. R. Wells. Das Aprilheft des vorigen Jahres bringt in einem Tableau die Porträts von zwölf Rabbinen und jüdischen Predigern in Amerika. Diesen ist eine biographische Skizzirung hinzugefügt, und es wird unsere Leser sicher interessiren, dieselbe hier in wörtlicher Übersetzung wiedergegeben zu sehen, wobei wir nur bedauern, daß uns die Beifügung der Portraits selbst nicht möglich ist. „In so mancher Hinsicht sind die Israeliten ein eigenthümliches Volk." Wenn man auf dieses Tableau blickt, so fesseln mehrere Besonderheiten unsere Aufmerksamkeit. Die erste gleich ist die körperliche Kraft. In den zwölf Gesichtern entdeckt man kein einziges Zeichen von geschwächter Gesundheit oder physischer Schwäche. Im Allgemeinen kann man leicht erkennen, daß die Basis des Gehirns sehr breit ist. Von Ohr zu Ohr erscheinen die Köpfe sehr breit, und sind sie alle über die Augenbrauen hin stark ausgearbeitet. Solche Bildung verleiht dem Besitzer eine starke Neigung für das Leben und seine Freuden; einen scharfen Blick für physische Dinge und ihre Beziehung zur Menschheit. Leute, deren Köpfe hoch, breit und oben ausgearbeitet, hingegen an der Basis schwach und verengt sind, haben eine schwache Constitution, leben hauptsächlich in dem Reiche des Geistes und des Idealismus und schätzen das Gebiet der Wirklichkeit sehr wenig. Solche Menschen sind in ihren Neigungen und Tendenzen nicht sinnlich, wenigstens nicht in hohem Grade. Die hier abgebilveten Männer jedoch sind stark ausgebildet in jenen Organen, welche an das wirkliche Leben sich halten, welche eine Neigung zu starker körperlicher Handlung geben, welche das Vergnügen an sinnlichen Freuden bekunden — an Speise, Trank, Bewegung, Geselligkeit. *) Wir treten unsererseits freilich nicht dafür ein, daß die von dem amerikanischen Journal als „eminent" aufgeführten Rabbiner sämmtlich dies sind, sowie andererseits mehrere hervorragende jüdische Geistliche unter den erwähnten fehlen. Die Red a et io n. Auch der untere Theil der Stirn bei ihnen ist stark ausgebildet, was eine höhere Kraft der Beobachtung, des praktischen Talents, der Kenntniß der Dinge, der Befähigung zur Erlernung realer Kenntnisse anzeigt. In der ganzen Gruppe ist kaum ein rein theoretischer Kopf. Einer von ihnen, der Rev. Samuel M. Jsaacs, zeigt einen breiten Gipfel der Stirn. Wir halten ihn für einen größeren Theoretiker als irgend einen anderen Mann in der Gruppe. Ein anderer Zug zeigt sich ganz bestimmt in dem Juden, der des Gedächtnisses; und in jedem Kopfe vor uns ist das Organ der Eventualität, oder des geschichtlichen Gedächtnisses, beträchtlich über den Durchschnittsgrad. Seit dem Beginn ihrer Geschichte sind die Juden daran gewöhnt, die Thaten Gottes an ihren Vätern zu erzählen. Es wurde ihnen ganz besonders befohlen, die Wunderthaten Gottes den Kindern und Kindeskindern zu erzählen, damit die kommende Generation sie erführe. Dies haben sie treulich gethan, und es hat einen Einfluß auf die Entwickelung der Geistesfähigkeiten ihrer Nachkommenschaft ausgeübt. Ein anderes ausgesprochenes charakteristisches Talent ist das der Sprache. Ein großes Auge ist den Hebräern eigenthümlich; und wir begegneten nie Jemandem aus beiderlei Geschlecht, der nicht gewandt im Sprechen. Die Juden sind auch gute Finanziers. Ihre Köpfe sind am Erwerbssinne breit. Ihr großer Wahrnehmungssinn giebt ihnen ein gutes Urtheil über Besitzthum, während ihr großer Erwerbssinn sie dazu führt, zu erwerben und zu sparen. Es ist constatirt, daß kein einziger Jude eine Unterstützung aus unseren öffentlichen Wohlthätigkeitsinstituten empfängt. Unter den Anzeichen trefflicher Gesundheit, welche diese Portraits aufweisen, bemerkt man auch die Breite der Backenknochen. Dies zeigt Lungenkraft an; und wir glauben, daß Auszehrung diesen Leuten nicht viel anthun wird. Die Backen vom Munde ab sind rund, was bei Geistlichen anderer Bekenntnisse selten vorkommt und auf vortreffliche Verdauung hinweist. Noch andere auffallende Charakteristiken zeigen sich in diesen Portraits. Das eine ist das der Festigkeit, welche Standhaftigkeit, Ausdauer und unabänderlichen Entschluß verleiht. Diese Eigenschaft mag wohl in diesem Volke durch die Bedrückung und Verfolgung ent-