Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1869)
- Date
- 1869-02-09
- Page
- Seite 108 (sequence 8)
- Language
- German
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108 erfolgt durch die je nach der Art des Eides hierfür zuständige Behörde. — §. 3. In wiefern hierbei ein Rabbiner oder jüdischer Gelehrter zuzuziehen, bleibt lediglich dem Ermessen der Behörde anheimgestellt. — $. 4. Die für die Eidesleistung der Juden eingeführten sonstigen besonderen Förmlichkeiten und Vorschriften sind aufgehoben. — Abg. Thilo wird dem Plenum schriftlichen Bericht erstatten. Es steht zu hoffen, daß das Herrenhaus dies Mal keinen Strich durch die Rechnung macht. Wenn in Preußen die die Juden betreffenden Fragen entschieden werden sollen, müssen sie zu überreifen Früchten geworden sein, die bei der geringsten Bewegung des Baumes von selbst abfallen. Schon vor einem Vierteljahrhundert sind die Judeneide in anderen Staaten abgeschafft oder doch angemessen modifizirt worden; nur in Preußen wurden sie mit allen Schroffheiten conservirt, und wir fürchten, daß sie ihr zähes Leben noch wenigstens bis zur nächsten Session ausdehnen werden, da das Herrenhaus sich nicht beeilen wird, sich damit zu beschäftigen, und die Session im nächsten Monat zu Ende gehen soll. Breslau, 28. Januar. < Privat mit th.) Der gestern ausgegebene „Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars" giebt die Zahl der gegenwärtigen Hörer — das Lehrerseminar ist bekanntlich aufgehoben — auf 53 an, gewiß eine recht entsprechende Anzahl. Eigenthümlich ist es, daß, wenn wir uns eine Linie westlich von Königsberg, der Provinz Posen, Schlesien und den österreichischen Ländern denken, kein einziger Hörer des Seminars dem westlichen Deutschland angchört, mit Ausnahme von drei Badensern und einem Württcmberger. Die Jahresschrift ist von Herrn vr. I. Freuden thal verfaßt und bespricht die dem Flanius Josephus beigelegte, von der Kritik aber abgesprochene Schrift „über die Herrschaft der Vernunft", die in der vom Institute z. Förd. d. isr. Lit. herausgegebenen „Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller über Judenthum und Juden," Bd. II übersetzt worden ist. (Wir werden auf diese Abhandlung zurückkommen. Red.) Aus der Pfalz, 21. December. (Privatmitth.) In unsrer Provinz, Bezirk Frankenthal, war zeither viel Bewegung. Wir theilten absichtlich hierüber nichts mit, um zuvor abzuwarten, daß sich die Dinge erst etwas austragen mögen. Der vor einigen Jahren hier gewählte Bezirksrabbiner, vr. Salvendi nämlich, hat sich so viele Ausschreitungen erlaubt, daß endlich eine große Zahl von Gemeindevorständen sich dagegen erhob. Am l3. d. versammelten sich zu Speyer 17 Vertreter israelitischer Gemeinden. Biele Vorstände hatten ihr Nichterscheinen entschuldigt und ihre Uebereinstimmung mit dem Zweck der Versammlung kundgegeben. Unter diesen 17 waren nur 4, welche gegen die Wahl des vr. Salvendi gestimmt hatten, also 13, die für seine Wahl gestimmt. Dieser Versammlung wurde aber bereits ein Reskript der kgl. bayrischen Regierung mitgetheilt, welches im Wesentlichen enthielt: 1) Daß der Bezirksrabbiner nicht befugt ist, Religionslehrbücher in den isr. Schulen einzuführen." (Es machen sich daher alle Lehrer, welche die vom Herrn B.-R. verfaßten und von ihm colportirten Gcbet-Uebersetzungen eigenmächtig einführen, einer Uebertretung bestehender Verordnungen schuldig, und wir fordern alle Diejenigen, die so schwach waren, dem Andringen nachzugeben, auf, solche dem Herrn Verfasser zu beliebigem anderweitigem Gebrauch zurückzugeben. — Welche elgante Uebersetzung und geschmackvolle Auswahl der Gebete für die israelitische Zugend der Herr Rabbi übrigens zu treffen weiß, davon müssen wir doch unseren Lesern ein Paar Beispiele geben. So heißt es in dieser Jugeudschrift: „Gelobet seiest Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der mich nicht geschaffen hat als Nichtisraelite." Die bisherige Uebersetzung lautete: „der mich nicht zum Heiden erschaffen." Das Mannheimer Gebetbuch hat: „Der mich zum Israeliten bestimmt hat." — „Gelobet seiest Du re., der mich nicht geschaffen hat als ein Weib." (Diese, die orientalische Ansicht von der Stellung der Frauen ausdrückende Benedeiung ist in den neueren Gebetbüchern weggelassen.) Auch das Gebet von den „verschiedenen Oeffnungen, verschiedenen Höhlungen" am Menschenkörper, „so sich weiter aufthnen oder schließen möchte, eine von jenen," ist in die von der Jugend „durchzunehmenden" rituellen Gebetstücke ausgenommen. Undeutsche und unklare Wendungen: „ich bücke mich zu Deinem heil. Tempel," „der Herr der Welt ist, der regiert hat." „Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches," „daß sie sich machen Schaufäden an die Zipfel (!) ihrer Gewänder bei allen Geschlechtern" (!?), „der