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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-02 · Heft 5 (2.2.1869) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 5 (2.2.1869)
Date
1869-02-02
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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91 ist, begünstigt, hält die herrschende typhöse Krankheit eine grausige Ernte, viele jedoch ziehen den Tod einem in solchem Elende hingeschleppten Leben vor, und mit Gleichgültigkeit, fast mit Freude sehen sie ihre Lieben Hinsterben. Da ist in der israel. Kreisstadt Telschen, welche von 8—10,000 Glaubensgenossen bewohnt wird — ein Fuhrmann, bekannt ob seiner an Schwachheit grenzenden Zärtlichkeit für seine Kinder, denen er für die sauer verdienten Pfennige stets Näschereien mit heimbrachte. Dem sind zwei Kinder Hungers gestorben. — „Ich bin," so erzählt er, „ihrer Bahre so ab aiüm rtnuiaa (fröhlich und wohlgemuth) gefolgt gerade als ging es zu ihrer Chnppe (Hochzeit)." Von der Stadt Plungian, etwas kleiner als die eben genannte, liegt uns die Liste der Armen- und Krankenpfleger vor; 266 liegen am Typhus darnieder, eben so viele sind seit etwa 4—6 Wochen gestorben. Die Gemeinde thut ihr Mögliches. In allen Straßen haben sie Volksküchen, darin Hafer- und Buchwaizen- Grütze für die Allerbedürftigsten gekocht wird. Die letzten und liebsten Besitzthümer der Gemeinde, die unp ’bD, die goldenen und silbernen Behänge rc. der Thorarollen haben sie bereits verkauft. Nur die Schusterzunft besitzt noch ein Exemplar, ein wunderschönes, echt Tuler Arbeit, und hat sich lange gesträubt auch dieses herzugeben; endlich, der Noch und den Bitten nachgebend, waren sie geneigt, dieses ihren ganzen Stolz ausmachende Besitzthum zunächst in Münze und dann in Nahrungs- und Arzneimittel für die Hungernden und Kranken der Stadt umwandeln zu lassen; da erhielt diese die ersten 60 Rubel vom hiesigen Counts, und die Schusterzunft hat die Hoffnung ihre Kle-kodesch behalten zu können; auf wie lange, weiß man freilich nicht. Es ist dem Unterzeichneten einer allzugroßen Arbeitslast wegen für jetzt unmöglich mehr zu schreiben. Er hat Euch, ihr Brüder, nur noch zuzurufen: Eilet mit eurer Hülfe, ehe menschliche Hülfe überhaupt zu spät ist. N. S. Soeben geht uns die Nachricht zu, daß sich in Frankfurt a/M. ein Counts, Herr Rabbiner vr. Ab. Geiger an der Spitze, zu unseren Zwecken gebildet hat und daß unserem Schatzmeister die ersten 600 Thlr. bereits von demselben zugegangen sind. Ein gleiches besteht bereits in Posen, ins Leben gerufen von den beiden Bankhäusern Mamroth und Saul, und in Gnesen gegründet von Rabbiner vr. Zuckermandel, dem Cantor Blaustein und Herrn I. Witkowski. Den vollen ungeschmälerten Rettungsdank der schwerheimgesuchten Brüder den edeln Männern! vr. Rülf. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 18. Januar. Freih, von Rothschild hat 200,000 Fl. für ein zu gründendes israelitisches Spital gespendet. Diese Mittheilung wurde in der gestrigen Sitzung des Cultusvorstandes kund gemacht. Auch die Cultusgemeinde errichtet ein Spital, dessen Kosten sich auf 500,000 Fl. belaufen sollen.*) — In Wien spricht man davon, daß unter Anderem zwei Israeliten in das Herrenhaus kommen sollen: der Abgeordnete Winter st ein und der Großgrundbesitzer Oppenheim. Einige Stimmen sind hiermit unzufrieden, weil der Erstere, eine intelligente Größe im Finanzsache, im Abgeordnetenhause nicht gut zu entbehren sei, der Zweite, weil er sich durch keine bedeutenden Eigenschaften auszeichne. Aus Ungarn, 19. Januar. Aus Bözödujfalu erhält „M. Polg." über den seinerzeit auch von uns gemeldeten Uebertritt von Sabbathianern zum Judenthum die folgende detaillirte Mittheilung: Vor Kurzem hat sich in der genannten Ortschaft ein Jsraelite Namens Salomon Wolfinger niedergelassen, dort ein Geschäft eröffnet und ohne Hinzutreten irgend einer geistlichen Person sich mit der Tochter eines dortigen Landwirthes Namens Paul Koväcs vermählt. In Bözödujfalu zählten bereits damals zahlreiche Einwohner zu den Sabbathianern: der erwähnte Jsraelite hatte sich jedoch schon in der Absicht in Bözödujfalu niedergelassen, die Sabbathianer daselbst zum Uebertritt zum Judenthum zu bewegen, und er hatte *) Einer unsrer Wiener Corresp. schreibt uns hierüber: „Baron Rothschild hat zum Andenken an seinen Vater der israel. Gemeinde 200,000 Fl. zur Erbauung eines israel. Spitales gespendet. Es ist das jedoch gewissermaßen ein Danaergeschenk, da die Erhaltung eines derartigen Spitals auf 100 Betten berechnet, jährlich 20,000—30,000 Fl. kosten würde. Ueberdies muß bedacht werden, daß nicht 5«,„ der Kranken, welche in dem jetzigen isr. Spitale verpflegt werden, Wiener sind. Das Spital so wie der größte Theil der übrigen Wohlthätigkeitsanstalten jder hiesigen Gemeinde sind zumeist für Fremde." 5*

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