Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1869)
- Date
- 1869-02-02
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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89 dem Congreffe all' das schätzbare Material zur Verfügung stellt, welches daselbst angesammelt wurde. Ebenso mit welch' andauerndem Fleiße und anerkennenswerthem Opfermuthe Herr Löbl Aronsohn, einer der hervorragendsten siebenbürgischen Abgeordneten, bereits im Jahre 1866 im Wege der damaligen Gensdarmeriecommandanturen alle, bis in's Detail gehenden Siebenbürgen betreffenden Daten sammeln und auf einer großen Tabelle zusammen stellen ließ und diese kostbare Arbeit der Commission zur Verfügung stellte. In der heutigen (13.) Sitzung des Plenums kam kein Gegenstand von besonderem Belange zur Verhandlung. Die Verifications- und Budgetcommissionen erstatteten ihren Bericht, welcher zur Kenntniß genommen wurde. Derjenige Theil des Budgetberichtes, welcher sich auf die Repartition der Congreßspesen auf die einzelnen Wahlbezirke bezieht, wird in Druck gelegt und in der nächsten Sitzung verhandelt werden. Auch ein heute eingegebener Antrag, der Congreß möge es behördlich erwirken, daß die Neubildung der Gemeinden an Orten, wo sich bereits eine solche befindet, verhindert werde, in so lange der Congreß in dieser Angelegenheit einen Beschluß fasten wird, wurde von vr. Popper energisch zurückgewiesen und als ein neuer Störenfried bezeichnet, der die regelmäßigen Verhandlungen nur zu stören geeignet sein würde. Da dir Antragsteller aber nicht anwesend war, wurde diese Angelegenheit vertagt. Samuel Singer. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 17. Januar. (Privatmitth.) Ich kehre eben vom Gottesacker zurück, wo die sterbliche Hülle des am 14. d. Mts. verstorbenen Rabbinats-Assessors Elkan Rosenstein ihre letzte irdische Ruhestätte gefunden hat. Der Eindruck, unter welchem ich diese Zeilen schreibe, ist zwar frisch, allein er wird derselbe erhebende bleiben, so oft ich mich der Trauerandacht erinnere, die vor der zahlreichen, dichtgedrängten Versammlung in der alten Synagoge abgehalten (wurde. An der Stelle, an welcher seit wenig Jahren die Särge der beiden unvergeßlichen Mitglieder des Berliner Rabbinats, der Herren Oettinger und vr. Sachs, standen, war heute derjenige aufgestellt, welcher die Leiche des Dritten in jenem Collegium einschloß. Der Platz, an welchem der Verewigte sonst seine Andacht verrichtete, war mit schwarzem Flor behängt, schwarz war auch die Kanzel drapirt. In vorderster Reihe hatten die Leidtragenden Platz genommen; darunter der Sohn des Dahingeschiedenen, der Professor an der medicinischen Facultät zu Gröningen, vr. Siegfried Rosenstein, und der Rabbiner vr. Fränkel aus Riebnick, ein Schwiegersohn des Verstorbenen. Um 10 Uhr begann die Trauerandacht mit einer kurzen Intonation des Synagogen-Chors unter Leitung des Herrn Musik-Direktors Lewandowsky; daran schloß sich die Gedächtnißrede, die Herr Rabbiner vr. Aub mit ergreifenden, tief empfundenen Worten hielt. Man darf die Schwierigkeit nicht unterschätzen, welche dem Redner durch die ihm gewordene Aufgabe erwuchs; denn es war nichts weniger, als ein collegialisches Zusammenwirken, welches die beiden Amtsgenoffen vom ersten bis zum letzten Augenblicke ihrer gemeinschaftlichen Thätigkeit verband. Allein Keiner von Beiden war im Unrecht, Jeder stritt und wirkte für das, was ihm in tief innerster, reiner Ueberzeugung als das Heilige und Göttliche galt; und so waren die Divergenzen, welche jene trennten, der Ausdruck edler Gesinnung und heiligen, religiösen Strebend auf beiden Seiten, an denen kein persönliches Mißwollen, keine gemeine Erbitterung jemals haftete. Mit diesen Worten etwa leitete vr. Aub seine Rede ein, indem er an den Streit der alten Schulen von Hillel und Schammai erinnerte, die darin eins waren, für den Glauben und die Gotteslehre zu wirken. Redner schildert den Verklärten zunächst als Rabbiner. Als solcher hätte derselbe freilich nur zweimal im Jahre das Gotteswort durch öffentliche Rede auf der Kanzel (mno '« und Vnarr'») verkündet, aber desto mehr hätte er dies durch thatsächliches Wirken, durch das Vorbild seines praktischen Lebens gethan, das durchweg eine laute eindringliche Verkündigung des GotteswortS an seine Gemeinde gewesen sei. Wäre er doch auch dauernd wirksam gewesen, durch die reiche Belehrung, welche er im eifrigen Studium des Gesetzes den Jüngern gewährt hatte, die um ihn wie um ihren Meister sich schaarten. — Als zweites Moment hob die Rede den Wohlthätigkeitssinn des Verstorbenen hervor, der gerade in einer Stellung, wie dieser sie eingenommen, durch eine stete Uebung bethätigt werde.