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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-02 · Heft 5 (2.2.1869) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 5 (2.2.1869)
Date
1869-02-02
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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87 Separatvotum auftreten. Nichts ist neu unter der Sonne, auch dieser Vorgang nicht; er wurde von den Genannten in der Conferenz der Vertrauensmänner im Vorjahre ebenfalls beobachtet. — Man mochte oft seinen Ohren nicht trauen, welche Loblieder da der Einigkeit und der Friedfertigkeit gesungen wurden, welche Versicherungen von hüben und drüben gegeben wurden, daß es hier keine Parteien gäbe, daß es nur ein Fatum sei, daß jeder Saal eine rechte und linke Seite habe, daß hier nur Vertreter der ungarischen Juden sitzen — als ob das Eine das Andere ausschließen würde! — trotzdem ein Redner von der Linken gesagt, er halte diejenigen für mit Blindheit geschlagen, die im Congresse keine Parteien anerkennen würden. Aber allen Freunden des wahren Fortschrittes sei's zum Tröste gesagt, daß diese Liebäugeleien die Lieblingsbeschäftigung bloß eines Theiles der Fortschrittspartei ist. Es gibt in deren Schooße noch Männer, die dieses Thun verdammen und unbekümmert um alle Sonderinteressen bloß die des Fortschritts und der Bildung gewahrt wissen wollen. Aber nicht nur diesen Männern, sondern noch ganz anderen Umständen wird es zu danken sein, wenn diesem Liebäugeln — und zwar von Seite der Orthodoxen — bald ein Ende gemacht werden wird. Die lithographirte „Pester Correspondenz" enthält hierüber Folgendes : „In dem hier tagenden israelitischen Congresse bereitet sich, wie wir vernehmen, eine sehr wohlthätige Spaltung vor; eine wohlthätige sagen wir, denn bisher war die „Fortschrittspartei" nicht abgeneigt, mit den Orthodoxen, die sich gegenüber den liberalen Bestrebungen selbst nichtreligiöser Natur hinter der chinesischen Mauer religiöser Dogmen verschanzten, zu paktiren, was offenbar auf Kosten des Fortschrittes geschehen wäre. So sollte dieser Transaction die Kreirung eines zeitgemäßen Rabbinerseminars zum Opfer fallen; nun aber erklären die Orthodoxen, von einer gemeinschaftlichen Action mit den Liberalen nichts wissen zu wollen, und da die Fortschrittspartei die Majorität hat, so steht zu hoffen, daß das Resultat der Congreßverhandluugeu ein befriedigendes sein wird. Das Verdienst, diese Spaltung bewirkt zu haben, gebührt — und das wird unsere geehrten Abonnenten in Deutschland besonders interessiren — einem deutschen Rabbiner, dem Dr. Hirsch in Frankfurt a/M., der die hierländischen Orthodoxen zu diesem Schritte nachdrücklichst haranguirte." Nun wollen wir unsere Aufmerksamkeit den Commissionen zuwenden. Vor allem der Gemeindeorganisations- und Schulcommission. — Der Gemeindeorganisationscommission ist die schwerste und complicirteste Aufgabe zu Theil geworden, einen Modus vorzuschlagen, wie in das Wirrsal der Gemeinden Ungarns Ordnung zu bringen wäre. Die Meinungsverschiedenheiten der beiden Parteien kulminiren in Folgendem: Die Fortschrittspartei, als deren Hauptvertreter in der Commission die Herren Dr. Steinhardt (Rabbiner aus Arad), Dr. Joseph Popper, Paul Wallfisch und Ignaz Barnay (Sekretär der Pester Gemeinde) gelten, vertritt die Idee eines Centralorgans, dem sämmtliche Gemeinden Ungarns untergeordnet wären und in Streitfällen an die Competenz desselben appelliren müssen, während die Orthodoxen dies blos vor das Forum der zu kreireuden Comitatsgemeinden gebracht wissen wollen, welche Ansicht hauptsächlich der bekannte Preßburger Vorsteher Koloman Pappenheim vertritt. Ferner ergab sich auch eine Meinungsdivergenz in der Desinirung der Gemeinde, wo die Orthodoxen als Bedingung einer Gemeinde auch die Aufrechterhaltung aller religiösen und rituellen Anstalten, als da sind Tauchbad u. a. m. nach den Anordnungen der verschiedenen Codices, besonders des Orach chajim, verlangten. Zum Beschlüsse wurde die Fassung der Liberalen erhoben, die unter der Gemeinde den Verband aller Staatsbürger isr. Confession an einem Orte verstehen. Als über die Principien berathen wurde, welche bei Feststellung des Zusammenhanges sämmtlicher ungarisch-siebenbürgischer israel. Gemeinden zu befolgen wäre, brachte Herr Dr. Joseph Popper diesbezüglich folgenden Antrag ein: 1) Sämmtliche israel. Bewohner Ungarns und Siebenbürgens ordnen sich in Local- und Districtualgemeinden. 2> Die Localgemeinden sind a) einheitliche Localgemeinden, b) Bezirkslocalgemeinden (wo mehrere kleinere Gemeinden sich zu einer Gemeinde constituiren). 3) Die in einem oder mehreren Comitaten befindlichen, die Anzahl von 40—50,000 Seelen in sich fassenden Localgemeinden bilden die Districtsgemeinde. 4) Solche Districtsgemeiuden gäbe es mindestens 10 und zwar: a) im Kreise diesseits der Donau 3, b) im Kreise jenseits der Donau 2, c) im Kreise diesseits der Theiß 2, ä) im Kreise jenseits der Theiß 2, e) in Siebenbürgen 1. 5) Jeder District wählt einen Curator; sämmtliche 10 Curatoren bilden das ungarisch-israelitische Landescuratorium, welches als das Oberhaupt, als das die ganze Glaubensgenosfenschaft nach Innen und Außen vertretende

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