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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-02 · Heft 5 (2.2.1869) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 5 (2.2.1869)
Date
1869-02-02
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 zu merken 4, 2. 5, 2. 17, l. j„vou Lippen ohne Trug") 30, 0. 39, 13. 55, 2. 61, 2. 69, 14. »4, 9. 86, 6. 7. 88, 2. 141, 1. 143, 1.); er ist sicher, daß Gott ihn erhöret, so er zu ihm ruft, sein Gebet erfüllt <4, 4. 18, 7. 65, 3. 116, I.); ist er daher aus der Noch gerettet, so fühlt er sich davon durchdrungen, daß Gott sein Gebet angenommen und sein Flehen erhört hat (6, 10. 31, 23. 118, 5.). Um so mehr fühlt sich der Sänger angetrieben, dem Herrn für seine Rettung — nicht Opfer darzubringen — sondern in seinem Liede ihm zu danken (28, 7. 54, 8. 9.). Was daher bei den Griechen und anderen alten Nationen die Hekatomben, bei den früheren Israeliten „die zahllosen Rinder und Böcke," das ist jetzt „das Singen eines neuen Liedes" (98, 1. 144, 9. 149, 1.). Zu nichts zeigt sich deshalb der Sänger bereiter, als Gott zu preisen, ihm zu lobsingen, seine Thaten und Wunder zu erzählen (7, 18. 9, 2. 3. 18, 50. 21, 14. 101, 1. 145, 11 ff.). Er will ihn preisen in der Gemeinde, in der Mitte der Versammlungen (22, 23. 26. 35, 18. 68, 27. 89, 6. 107, 32. 109, 30. 149, 1.); unter den Völkern (57, 10. 105, 1. 108, 4.); dieses Preisen findet stets (34, 2.j, ewig (44, 9. 75, 10. 145, 21.), so lange er lebt (63, 5. 116, 2. 146, 2.) statt; dieses Singen der Gnaden des Ewigen ist ewig (89, 2. 140, 1 ff.), da er die Veste und die Zuflucht in aller Noch ist (59, 17. 18.); dieses Singen findet mit Begleitung der Instrumente statt (33, 1. 2. 57, 9. 71, 22. 81, 2. 92, 2. 98, 5. 108, 3. 147, 7. Ps. 150.) und von allen Völkern (66, 8.). Es liegt darum in der Sache selbst, daß immer wieder die Aufforderung ergeht, dem Herrn zu singen und seine Thaten zu verkünden (9, 12. 22, 24. 30, 5. 47, 7.) und zwar an alle Lande (66, 1. 2. 68, 5. 98, 4. 100, 1.). Alle Völker sollen den Ewigen loben (117, 1.), überall und ewig (113, 1—3.), Alles, was existirt (Ps. 148.), ihn loben in seinem Heiligthume (150, 1.). Denn nicht um der Erhörung allein willen, sondern weil das Gebet und das Loblied den Geist des Menschen beseeligt und gut und lieblich ist (92, 1. 147, 1.). Denn andrerseits schütten wir durch Gebet all' unseren Kummer und all' unser Drangsal vor Gott aus (142, 2. 3.). Wie daher ganz Israel, das Haus Ahron, Levi und alle Gottesfürchtigen (135, 19 ff.) ausgefordert werden, Gott zu preisen, ja, Gott als „thronend auf Israels Lobliedern" (22, 4.) bezeichnet wird, wie sie vor das Antlitz Gottes (nicht mit Opfern), sondern in Anbetung, mit Dankliedern und Gesängen kommen sollen (95, 2. 6.), wie selbst Moses, Ahron und Samuel unter denen, (nicht die Opfer darbringen, sondern) die Gott anrufen, gefeiert werden (99, 6.) — so bete auch jeder einzelne Fromme zu Gott (32, 6.), jede Seele preise den Ewigen (103, 1. 2. 104, 1.) und kann gewiß sein, daß er erhört wird in seiner Noch (120, 1.). Denn nicht allein in den Drangsalen von außen, sondern auch in den Nöthen der Seele, d. h. in dem Bewußtsein der Sündhaftigkeit, in den Unruhen des Gewissens über begangene Fehler erhört Gott unser aufrichtiges und bekennendes Gebet und verleiht uns auf dasselbe Vergebung unserer Sünden (130, 1 ff. 143, 2.). Und wie näher läge uns daher irgend ein anderes Gebet, als die Bitte: „Wohlgefällig seien die Reden meines Mundes vor dir, Ewiger, mein Fels und mein Erlöser!" (19, 15. vgl. 119, 108.). Schließlich wenden wir uns nur noch zu dem didaktischen Psalm 119, wo nichts mehr gepredigt wird, als die Satzungen, Vorschriften und Gebote Gottes zu befolgen, in ihnen zu forschen, sie zu lieben und eifrigst zu bekennen, und wo doch kein Wort über die Opfer gesprochen wird, wohl aber von der Herrlichkeit des Gebetes „mit ganzem Herzen" (V. 58), von der Erhörung alles Anrufens und Flehens (145—149.), Gott zu loben aufgefordert wird ob seiner Gerechtigkeit (V. 164), um Unterweisung angefleht wird (V. 169) und zu Gott gebetet wird um Rettung (V. 170).*) — Jedermann wird uns zutrauen, .daß wir mit dieser dürren Aufzählung durchaus nicht glauben, die Innigkeit und Erhabenheit nur angedeutet zu haben, mit welcher in den Psalmen die Bedeutung und Wirkung des aufrichtigen und weihevollen Gebetes ausgesprochen wird. Eine klarere Beweisführung über die Entwickelung und Veränderungen im geistigen, besonders cultuellen Leben während des jüdischen Alterthums kann nicht gefordert werden. Auf dem Standpunkte, welchen die mosaische Gesetzgebung darbietet, verblieb der Opfercultus ohne jegliche Begleitung von Gebet und Musik ein halbes Jahrtausend. Jenes war nur durch kurze Bittworte, wie die Schrift sie uns beispielsweise zeigt, vertreten, diese, die Musik, durch die rauhen Töne zweier silberner Trompeten, welche die Opfer an den Festtagen begleiteten. Mit der Entwickelung des Geistes und besonders der *) Zur Ergänzung berufen wir uns auf unsere Abhandlung über „Versöhnung und Erlösung," die, weiter ausgeführt, im eben erschienenen Bd. II unserer „Weltbewegenden Fragen" S. 245 ff. Platz gefunden.

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