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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-02-02 · Heft 5 (2.2.1869) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 5 (2.2.1869)
Date
1869-02-02
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 tuelle Gegenstände gefeiert. Im 27. Psalm V. 4. erbittet sich der Sänger vom Ewigen, im Hause des Herrn alle Tage des Lebens zu weilen, um Jubelopfer zu opfern und zu fingen und zu spielen dem Ewigen, und er endet: „Höre, Ewiger, meine Stimme, ich rufe Dich!" Freiwillige Gaben zu opfern und den Herrn zu preisen ist der Psalmist 54, 8 bereit, und zwar für die Errettung, die ihm Gott hat angedeihen lassen 56, 13. Der 66. Pf. fordert alle Lande auf, dem Herrn zu jauchzen und zu singen, der dem Volke Rettung schafft, ihn zu preisen und zu loben, der dem Menschen die Seele gegeben und ihn errettet in allen Nöthen. Da fährt er fort (13—15): „Ich komme in dein Haus mit Opfern, bezahle meine Gelübde Dir, was meine Lippen ausgesprochen, mein Mund geredet hat in meiner Noch. Feiste Opfer bringe ick dir mit der Wieder Duft, bereite Rinder mit Böcken." Aber sofort tritt wieder der Lobgesang, die Erhörung des Flehens, weshalb Gott gepriesen sei, hervor. In gleicher Weise vereinigen sich Dankopfer und Gelübde und Festopfer mit Lobpreis, Jubelsang mit Anrufen Gottes 107, 21. 116, 14. 17. 18. 118, 27. — Dieser Vereinigung von Gebet und Opfer treten aber zwei Stellen an die Seite, wo das Gebet dem Weihrauch und Abendopfer gleichgestellt wird (141, 2.), ja wo das Gebet über das Opfer gestellt wird (69, 31. 32.): „Loben werd' ich im Liede den Namen Gottes, und ihn verherrlichen in Dank. Das wird dem Ewigen besser gefallen denn Stiere, Farren mit Hörnern und Klauen." — Wir begegnen daher auch Stellen, wo der Sänger in das Heiligthum geht, aber nicht um Opfer darzubringen, sondern um zu beten. 26, 6. 7.: „Ich suche deinen Altar oft, um anzustimmen Lobgesang und deine Wunder alle zu erzählen." 43, 4.: „Ich komme zum Altäre Gottes und preise dich mit der Zither, o Gott!" (Vergl. 5, 8. 42, 5. 138, 1. ff.) — Aber noch mehr, an drei Stellen erklären sich die Sänger gegen die Opfer. Im 40. Psalm wird der Sänger fern vom Stiftszelte, ein Flüchtling gedacht. In der Noch rettete ihn Gott und „legte ihm ein neues Lied in seinen Mund, unserem Gotte ein Lobgesang." Aber, höhnten seine Feinde, du bist ja fern vom Heiligthume und kannst nicht opfern. Da antwortet er (V. 7>: „Schlacht- und Speisopfer begehrst du nicht, Ganz- und Sündopfer forderst du nicht," sondern nur daß „reine Lehre in meinem Innersten ist." Am wichtigsten ist der 50. Psalm, der über die wahre Gottesverehrung handelt. Da ist der Gott, der Schöpfer des Alls, deffen Erkenntniß von Zion ausstrahlt, und in seinem Namen werden „seine Frommen versammelt, die seinen Bund auf Opfern schließen" (V. 5). Aber gerade hiergegen richtet Gott seine Rede und sein Zeugniß (8—15): „Nicht um deine Opfer verweis' ich dich, und deine Ganzopfer sind stets vor mir. Nicht mag ich nehmen aus deinem Hause Stiere, aus deinen Hürden Böcke. Denn mein ist alles Gewild des Waldes, die Thiere auf Bergen bei Tausenden. Ich kenn' alle Vögel der Berge, der Fluren Gewild ist mir kund. So mich hungerte, dir sagt' ich's nicht, denn mein ist der Erdball und was ihn erfüllet. Eff' ich denn Fleisch der Thiere, und trink' ich Blut der Böcke? Dank opfre Gott, und dem Höchsten bezahle deine Gelübde, und rufe mich an am Tage der Noch — ich werde dich retten — und ehre mein!" Und nun wendet sich Gott gegen den heuchlerischen Frevler, der mit Wort und That sündigt, während er die Satzungen im Munde führt, Nur Dank will der Herr geopfert haben,, Gefühle der Ehrfurcht und einen rechten Lebenswandel. Man sieht, daß der Psalmist bereits alle rationellen Gründe gegen die Opfer heranbringt. Aber ganz bestimmt erklärt sich der 51. Psalm gegen die durch Opfer zu bewirkende Sündenvergebung, denn es heißt hier V. 17—19: „Herr, meine Lippen öffne, mein Mund verkünde deinen Ruhm. Denn nicht Schlachtopfer begehrst du, sonst gäb ich sie, Ganzopfer gefallen dir nicht. Die Schlachtopfer Gottes sind ein zerbrochener Geist, ein gebrochenes und zerknirschtes Herz verschmähst, o Gott, du nicht."*) — So sehen wir ansteigend in den Psalmen nur wenige einfache Erwähnungen der Opfer, dann die Verbindung derselben mit dem Gebete, hierauf die Höherstellung' des Gebetes über die Opfer, und endlich die Verwerfung der Opfer als Heilmittel, da Gesinnung und That allein religiösen Werth hätten. Welche andere Fülle eröffnet sich uns nun, wenn wir in den Psalmen nach dem Werthe des Gebetes forschen. Als der allgemeinste Grundsatz gilt hier, was Psalm 145, V. 18 einfach ausgedrückt wird: „Nahe ist der Ewige Allen, die ihn rufen, Allen, die ihn in Wahrheit rufen." Dem aufrichtigen, aus der Seele quillenden Gebete wird daher die Erhörung seitens Gottes zugesichert. Der Sänger betet zu Gott, seine Stimme zu vernehmen, ihn zu erhören, auf sein Flehen und Klagen *) V. 20 und 21 dieses Psalmes sind Zusatz eines späteren Exulanten; siche unseren Commentar zur Stelle. 5*

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