Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 33 (1869)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1869)
- Date
- 1869-01-26
- Page
- Seite 71 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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n ihre Vorgängerin sich werden als Muster gelten lassen, und mit gleicher Sachlichkeit, in gleicher Ruhe, mit gleicher Schnelligkeit ihre Verhandlungen leiten und beenden werden. Man mag von den Resultaten dieser Berathungen denken, wie man will — soviel wird Niemand in Abrede stellen dürfen, daß ein echt parlamentarisches Gebühren, und ein ehrlicher Wille, etwas Festes, Geordnetes zu Stande zu bringen, den Notablen zu ihrer Ehre muß nachgesagt werden, zumal deren Vorsitzenden, Herrn Julius Gomperz in Brünn. Was speciell meine Ansicht ist, so hätte man von dem Grundsätze ausgehen müssen, daß die in diesem Fonds niedergelegten Geldmittel als ein Ganzes zu einem großen und ganzen Landesinstitute zu verwenden seien, und daß den einzelnen Gemeinden gegenüber das Princip der Selbsthilfe wäre geltend zu machen gewesen insbesondere, da betreffs der israel. Schulen entweder die städtischen Communen oder der Staat zur Subventionirung herangezogen werden sollte. Nun! die Notablen waren aus den Gemeindevorständen, und haben daher auch pro äowo gesorgt. — Worauf wir aber viel Gewicht legen, das ist die erfreuliche Thatsache, daß der auf 3 Jahre gewählte Verwaltungsausschuß eine Sache in die Hand genommen, deren bisherige Vernachlässigung die größte Schuld trug an allen in den Gemeinden wuchernden Ztvistigkeiten und an dem an vielen Orten stagnirendcn Stande des religiösen und gemeindlichen Lebens: wir meinen die Entwcrfung eines allgemeinen, für alle Landesgemeinden gleichen Gemeinde st atuts, das nach der, in den interconfessionellen Gesetzen jeder Confession zugesprochencn Selbstverwaltung zu einem unabweislichcn Postulat geworden ist. Dies ist eine Arbeit, die von dem allgemeinsten Interesse und von inhaltschwerer Bedeutung ist. Wir wünschen daher, daß die Oeffentlichkcit von dieser Arbeit in sofern nickt möge ausgeschlossen sein, als der Ausschuß durch Mittheilung seiner Grundsätze und Ansichten die Stimme derselben zur Aeußerung auffordern möge. Zumal wären die Rabbiner und Lehrer der Gemeinden darüber zu hören! Weil ich eben auf unsere Rabbiner kam, will ich ein Versäumniß gut machen, das ich nur deshalb ruhig hingehen ließ, weil ich voraussetzte, daß Andere sich werden berufen fühlen, der Sache auch in diesem vielverbreiteten Blatte Erwähnung zu thun. Wir ha - ben nämlich einen Mann aus unserer Mitte müssen scheiden lassen, der zu den Besten im Lande gehörte: vr. I.' Oppenheim, Rabbiner in Eibeschütz, war einem Rufe der Gemeinde Thorn gefolgt und hat uns im October verlassen. Rabbiner Oppenheim, Nachfolger im Amte seines seit 9 Jahr in Gott ruhenden Vaters, hat durch die in seiner Gemeinde entwickelte Thätigkeit, durch seltene Characterfestigkeit und nicht gewöhnliche intellectuelle Begabung Verdienste um seine Gemeinde und ein Ansehen und eine Stellung sich erworben, daß man bald seinen Namen neben den gcachtctsten Rabbinern in Oesterreich nannte. Und solche Leute wissen wir uns nicht im Lande zu behalten, die lassen wir uns vom Auslande wegsischen! Freilich haben sie es auch bewiesen, wie schwer cs ihnen ums Herz ward, als sie dem Manne mußten Lebewohl sagen, der, obwohl in ihrer Mitte erzogen und Mann geworden, als geistlicher Führer der Gemeinde wie ein Vater von seinen Kindern geliebt wurde. Der Abschied meines Freundes aus seiner Vaterstadt soll etwas Ergreifendes gewesen sein, und auch das in Brünn in Scene gesetzte Abschiedsfest zeigte hinlänglich, daß die Eibeschützer mußten, welchen Mann sie verloren. Frankr eich. Paris, 13. Januar. Es besteht hier ein „Verein für talmudische Studien," der sich in so guter finanzieller Lage befindet, daß er sich ein eigenes Hans mit einer kleinen Synagoge erkauft hat. — Die Bibliothek des sel. Munk ist von der Alliance isr. uuiv. angekauft worden, welcher ein Juwelier Rothsckild in London die Mittel dazu gegeben hat. — Heute fand die feierliche Einsetzung des neuen Großrabbiners von Paris, Zadoc Kahn, in seine neue Würoe Statt. Um 2 Uhr empfing das aus den Herren Gustav v. Rothschild <Präsident', Halphen, Levy-Bing, Erlanger, Raynal, Crshange und Kahn bestehende pariser Consistostorium den neuen Großrabbiner am Eingänge des Tempels, um ihn in das Innere zu geleiten. Die Feierlichkeit wurde durch zwei Reden eröffnet, von denen Cerfber, der Präsident des CentralconsistoriumS, die erste, und vcr Groß Rabbiner von Frankreich, Isidor, die zweite hielt. Nach dein Absingen einer Hymne ergriff der neue pariser Großrabbiner das Wort. Es wurden hierauf noch mehrere Lieder in hebräischer und eins in französischer Sprache gesungen, ein Gebet 4*