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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-26 · Heft 4 (26.1.1869) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 4 (26.1.1869)
Date
1869-01-26
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
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68 für Kranke und Altersschwache/' welches jedoch auch Hülfe Suchenden aus anderen Confessionen geöffnet sein soll, feierlich eingeweiht. Tie Gründer haben auf einem geräumigen Grundstück ein stattliches Gebäude erbaut und mit der gesammtcn Einrichtung versehen, und zugleich sämmtliche Unterhaltungskosten auf fünf Jahre übernommen, darauf rechnend, daß für die Fortdauer sich die Mittel durch die Wohlthätigkeit anderer Menschenfreunde finden werden, ohne daß natürlich ihre eigene Munifizenz auch fernerhin sich dem Institute entziehen werde. Das Ganze ist nach den besten Vorbildern und mit Benutzung reicher Erfahrungen eingerichtet. Ein hoher Corridor zieht durch jedes Stockwerk, die Zimmer sind angemessen geräumig, nur für ein oder zwei Betten, die Ventilation passend angebracht, jedes Stockwerk mit einem Badezimmer versehen; hinter dem Hause ein geräumiger Garten. Der Saal des Asyls konnte nur eine mäßige Zahl Eiugeladener fassen, und fanden sich auch der Festuugscommaudant, der Polizeidirector, viele Mitglieder des Stadtraths, einige Geistliche und andere Honoratioren ein. Ein Choral eröffnete die Feier, wie ein Hallelujah (aus dem kl. Gesangbuch Philippson's) sie schloß. Zuerst sprach der älteste der Gebr. Elzbacher im Namen seiner Brüder in sehr würdiger, ansprechender und bescheidener Weise über den Zweck und Character der Anstalt und übergab dem erwählten Curatorium die Schenkungsurkunde. Als Sprecher des letzteren trat nun Herr de Ionge auf, dankte den edlen Gründern für ihre Thar und verhieß seitens des Curatoriums die möglichste Sorgfalt. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Schwarz eine längere Festrede, in welcher er in sehr ansprechender Weise über die höchsten Zwecke der Humanität als die der ächten Religion sich ausließ. Als Ausdruck der Anerkennung hatte ein besonderes Comitv zu Ehren der Gebr. Elzbacher am Abend ein Festmahl veranstaltet. Hervorheben wollen wir noch, daß einer der christlichen Anwesenden bei seinem Fortgehen einem Mitglieds dcö Curatoriums einen Cassenschein von 100 Thlr. in die Hand drückte. — Obiges Asyl ist die erste derartige Stiftung in der Rheinproviuz und verdient daher um so mehr die Aufmerksamkeit und thätige Mitwirkung unserer Glaubensgenossen im schönen Rheinlande. Es versteht sich, daß in keiner Weise die Aufnahme in dasselbe sich auf die Bewohner Cöln's beschränkt. Wie wir nachträglicherfahren, haben der Freiherr A. v. Oppenheim 2000 Thlr. und die HH. Lehmann & Franck 500 Thlr. dem Asyl gespendet, welches schöne Beispiel wohl bald Nacheiferung finden wird. Provinz Posen, im Januar (Privatmitth.) Das Ministerium hat in das Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf eiugebracht, um eine noch aufrecht erhaltene Bestimmung des Gesetzes von 1833 aufzuheben, nach welcher abziehende Juden ihrer bisherigen jüdischen Gemeinde eine bedeutende Abzugssumme zu zahlen hatten. Es war dies wegen der großen Schulden nothwendig, die aus dem Mittelalter her noch auf vielen Gemeinden der Provinz Posen lasteten. Wir bringen hierüber folgende interessante ausführliche Mitthcilungen. Bekanntlich waren die Judengemeinden der Provinz Posen während der vergangenen Jahrhunderte tief in Schulden gerathen. Man würde irren, wenn man annähme, daß diese Gemeinden damals faktisch Geldbeträge erhalten, zu deren Wiedererstattung ihnen später die Mittel gefehlt hätten; es waren dies vielmehr unter der Noch der Umstände erpreßte Schuldenverpflichtungen. Wenn in früheren altpolnischen Zeiten einmal ans irgend einer Veranlassung, die damals hauptsächlich von bett Jesuiten an den Haaren herbeigezogen wurde, eine Verfolgung gegen die Judengemeinden erging, so blieb diesen in ihrer Noch nichts Anderes übrig, als Schuldscheine auszustellen über Beträge, die sie angeblich von den Jesuiten als Darlehn erhalten hätten. Da in altpolnischen Zeiten der Zinsfuß sehr hoch war, so wuchsen auf diese Weise, wenn die Juden die Zinsen für die angeblich aufgenommenen Capitalien nicht zahlen konnten, die Schulden oft bis zu einer enormen Höhe an. So z. B. überstieg die „vorige Schuld" der Posener Judengemeinde, als man zu Zeiten dcr preußischen Regierung zur Regulirung derselben schritt, den Betrag von 100,000 Thlr.! In ähnlicher Weise waren fast sämmtliche Judengemeinden in der Provinz Posen verschuldet. Seitdem nun den Gemeinden die Möglichkeit gegeben worden ist, diese ihrer weiteren gedeihlichen Entwicklung hemmend entgegenstehenden Schulden nach einem bestimmten Schuldentilgungsplan allmählich abzustoßen, haben sich die letzteren bedeutend verringert. Gegenwärtig sind im Regierungs-Bezirk Bromberg von den dort vorhandenen acht und vierzig Judengemeinden siebzehn mit zusammen 25,783 Thlr. Schulden belastet.

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