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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1869-01-26 · Heft 4 (26.1.1869) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
33 (1869)
Issue
Heft 4 (26.1.1869)
Date
1869-01-26
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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67 sund versetzt worden, sondern er ist als Hülfsarbeitcr dem nach dem Gesetz vom 21. März 1868 seit dem 1. Juli v. I. in Stralsund bestehenden Hypothekenamt, und zwar ausdrücklich nur für die Zeit vom 1. Jan. bis 1. Juli 1869 zugeordnet. Die Hypothekenämter von Neuvorpommern und Rügen haben nämlich nach dem erwähnten Gesetz die Aufgabe, in möglichst kurzer Zeit Grund- und Hypothekenbücher, welche dem Stralsunder Regierungsbezirk bisher fehlten, anzulegen. Das Material dazu ist in einer nach dem Gesetz am 1. Juli d. I. endenden Frist zu beschaffen. Dadurch sind die Hypothekenämtcr, die je mit einem richterlichen Beamten besetzt sind, überbürdet, und aus diesem Grunde sind den Hypothekenämtern in Stralsund und Greifswald je 2, in Bergen und Grimmen je 1 Hülfsarbeitcr für die angegebene Zeit zugcwiesen." — Es ist demnach dieser Fall durchaus noch nicht als ein Präjudiz für die Anstellung der Juden als Richter anzusehen, indem bei obiger Beschäftigung gerade der von den preußischen Ministern erhobene Einwand wegen des, Christen abzunehmenden Eides nicht in Betracht kommt. — Am 12. Januar beginnen hier acht öffentliche Borlesungen, deren Ertrag (der Preis ist 2 Thlr.) der Zunz-Stiftung zum Zwecke einer jüdischen Bibliothek und der Albert-Guttmanw Stiftung für Zöglinge des hies. jüdischen Seminars gewidmet ist. Die Reihenfolge der Vorlesungen ist am 12. Januar: Prof. Dr. Steinthal: Die Schöpfung der Welt, des Menschen und der Sprache nach der Genesis. Am 19.: Dr. Cohen: Die culturgeschichtliche Bedeutung des Sabbaths. Am 26.: Dr. Cassel: Die geheimen Juden in Spanien. Am 2. Februar: Dr. Kirsch st ein: Die Prophetie und die Propheten. Am 9.: Dr. Anb: Die Stellung der Frauen im Hause und im öffentlichen Leben nach der Bibel. Am 16.: Dr. Steinschneider: Der zweite Moses. Am 23.: Dr. Ritter: Moses Mendelssohn. Am 2. März: Prof. Dr. Lazarus: Ueber Freundschaft. —. Wir haben von hier einen abermaligen Verlust zu berichten, nämlich den Tod des Rabbinatsasscssors Herrn Rosenstein (Reb Chone). Mit ihm ist in Norddeutschland einer der letzten Rabbinen der einfachen, schlichten altorthodoxen Partei, die unverrückt auf den Ueberkommnissen der Vergangenheit standen, heimgegangen. Bonn, 12. Januar. (Privatmitth.) Nachdem der Justizminister Dr. Leonhardt im Abgeordnetenhause erklärt hatte, daß er über die Anstellung von Juden als Richter „das Recht des Landes erst studiren müsse," und es wiederum sichtbar wurde, wie sich der Cnltusminister zur Anstellung von Juden im höheren Lehrfache verhalte, hielt es der Redacteur d. Zeitung für rathsam, noch einen Versuch zu machen, indem er sich besonders wegen der beiden angegebenen Puncte an den Grafen v. Bismarck als den Präsidenten des Staatsministeriums wende. Er stützte sich dabei auf die Vollmachten, welche ihm im Jahre 1867 312 Synagogengemeinden gewährt hatten. In seinem Schreiben stellte er die beiden Beschwerdepuncte präcise dar, und fügte hinzu, daß er '„einem durch seinen Scharfblick so berühmten Staatsmanne nicht erst auseinanderzusetzen brauche, wie hierdurch gerade dem intelligenten und geistig strebsamsten Theile der Juden die Erfüllung eines Berufes abgeschnitten und andererseits dem Staate manche tüchtige Kraft entzogen werde, während dieser gegenwärtig alle sich ihm darbietenden Talente zusammenfassen müsse." Er hob aber noch besonders einen Umstand hervor, zu welchem ihm factische Veranlassung vorlag. In Süddeutschland ist eine große Zahl jüdischer Glaubensgenossen für die deutschnalionale Idee, für die Vereinigung mit dem norddeutschen Bunde zu einer großen Nationaleinheit begeistert, und haben — wofür Thatsachen angeführt werden konnten — für die Wahl von Abgeordneten, welche diese Richtung vertreten, mit großer Anstrengung gewirkt. Die aber in Preußen dauernde Verweigerung dessen, was wir als unser verfassungsmäßiges Recht beanspruchen zu können glauben, schrecken diese unsere Glaubensgenossen in Süddeutschland ab, dem gedachten Ziele weiter nachzustreben, bei dessen Erreichung sie in Gefahr ständen, in ihren staatsbürgerlichen Rechten wieder hinter das Maß zurückgeworfcn zu werden, welches sie in Süddeutschland bereits erreicht haben. — Unter dem 8. Januar lief ein sehr verbindliches Antwortschreiben des Grafen v. Bismarck ein, in welchem zwar — wie vorauszusetzen — keine bestimmte Zusage gegeben, aber doch die Erwägung des in jenem Schreiben Vorgetragenen zugesichert wurde. Cöln, 12. Januar. (Privatmitth. Heute wurde hier das von HH. Gebr. Elzbacher zum Andenken an ihre verewigten Eltern gegründete „israelitische Asyl

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